Die eigenen vier Wände

Wohneigentumsquote in Bremen im Vergleich der Großstädte hoch

Bremens Wohneigentumsquote ist im Vergleich der Großstädte hoch. Doch die gestiegenen Immobilienpreise und das Angebot in der Stadt machen es derzeit schwerer, das passende Zuhause zu finden.
15.01.2019, 20:56
Lesedauer: 6 Min
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Wohneigentumsquote in Bremen im Vergleich der Großstädte hoch
Von Lisa Boekhoff

Wenn ein schönes saniertes Reihenhaus in Findorff zum Verkauf steht, kann es durchaus 200 Anfragen von Interessenten geben. Geschwindigkeit und eine Portion Glück sind auf dem Immobilienmarkt in Bremen gerade gefragt. Denn die Angebote an Häusern und Wohnungen sind in bestimmten Stadtteilen überschaubar. Wer bei gefragten Objekten zu spät dran ist, bekommt schon keinen Besichtigungstermin mehr. „Es gibt nicht viel auf dem Markt. Aktuell wird nicht jeder fündig“, sagt Christian Rau, Vertriebsleiter für Verkauf und Vermittlung bei Justus Grosse.

Rau spricht aus persönlicher Erfahrung. Seit mehr als einem Jahr ist der Immobilienexperte selbst auf der Suche nach einem Einfamilienhaus in Bremen – bisher noch ohne Erfolg. Wer derzeit in der Stadt suche, dem bliebe manchmal nur, Abstriche zu machen oder doch ins Umland zu ziehen. Obwohl derzeit überall in Bremen gebaut wird und mit der Überseestadt ein ganzer Stadtteil entstanden ist, könnte es nach seiner Ansicht besser noch mehr Projekte geben.

Justus Grosse baute lange Zeit für große Investoren. Doch seit dem vergangenen Jahr ist das Immobilienunternehmen wieder selbst in das Geschäft mit Eigentumswohnungen eingestiegen. Konkurrenz machen denjenigen, die ein Zuhause für sich selbst suchen, die Anleger. In Zeiten niedriger Zinsen ist das nicht verwunderlich. „Die Flucht ins Betongold„, sagt Rau. “Das ist ein Trend, der anhält.“

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Die Nachfrage ist groß, das Angebot gerade in bestimmten Preiskategorien und Größen ausgedünnt – das treibt die Preise in die Höhe. Bremen soll das noch verhältnismäßig human treffen. Die Experten sind sich einig: In Hamburg ist die Situation noch schlimmer. Es heißt, der Markt bis 500.000 Euro sei dort leer. Justus Grosse setzt in Hamburg ebenfalls Projekte um. Rau teilt die Einschätzung: „In Hamburg ist das noch eine ganz andere Liga.“

Quote in Bremen hoch

Der Traum vom Eigenheim ging in Bremen dabei bisher tatsächlich öfter in Erfüllung als in anderen Großstädten. In der Vergangenheit lag Bremen bei der Eigentumsquote oft vorne. „In der Tat ist sie höher“, sagt Arne Smolla, Berater für Wohnimmobilien bei Robert C. Spies. Im vergangenen Jahr betrug sie nach seinen Angaben 38,4 Prozent. Das Bremer Unternehmen betreibt in Hamburg eine eigene Forschungsabteilung, um solche Zahlen zu ermitteln. Die Daten des Statistischen Bundesamts untermauern die Position: Bremen belegte 2011 mit einer Eigentumsquote von 40,7 Prozent den ersten Platz im Vergleich der damals zehn größten Städte – mit deutlichem Abstand vor Stuttgart (32,9), Dortmund (28) und Köln (27,4).

Smolla wundert die höhere Quote in Bremen nicht. „Das ist kein Hexenwerk.“ In Bremen zeige sich derzeit zwar ein Nachholbedarf, die Kaufpreise seien in hoher Geschwindigkeit gestiegen. „Die Preise sind im Vergleich zu anderen Städten aber recht moderat.“ Die Quote gilt als relativ träge Größe, was heißt, dass spürbare Veränderungen Jahre dauern.

Dass Bremen im Vergleich eine hohe Quote hat, liegt für Christian Huttenloher, Generalsekretär und Vorstandsmitglied des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, an der hier verankerten Baustruktur: Der weitverbreitete Typus „Bremer Haus“ habe das Eigentum gefördert.

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Derzeit gebe es jedoch die These, sagt Huttenloher, dass die Quoten in Deutschland insgesamt stagnieren könnten. Denn die Städte seien unter Druck geraten, die Immobilienpreise deutlich gestiegen. Da sei die Frage, wer sich die hohen Preise dort noch leisten könne. In Zeiten niedriger Zinsen ließe sich zudem für das Eigenheim weniger sparen. Huttenloher sieht das als „eine Schieflage“. Bremen komme aber von einem niedrigeren Stand: „Das Niveau von Hamburg wird nicht erreicht.“

Schutz vor schlechten Zeiten

Als Altersvorsorge und zur Vermögensbildung hält der Experte das Eigenheim prinzipiell für wichtig – auch als eine Säule des Wohnungsmarkts. Doch es gelte nicht, je höher die Quote, desto besser sei das. Das zeige der Blick ins europäische Ausland etwa nach Rumänien. Immer wieder wird aber die niedrigere Wohneigentumsquote in Deutschland um 45 Prozent problematisiert. In Norwegen, Italien oder Spanien liegt sie wesentlich höher, und dies gilt Bankexperten auch als Schutz vor schlechten Zeiten. Eine Quote von 50 bis 60 Prozent könne „nicht verkehrt sein“, meint Huttenloher. Als problematisch sieht er es dabei, dass es in teueren Ballungsräumen vielen Menschen nicht mehr möglich sei, ein Eigenheim zu kaufen.

Smolla sieht die vergleichsweise höhere Quote in Bremen als positiv. Schließlich sei darin Vertrauen in die Stadt zum Ausdruck gebracht, eine Art der Nachhaltigkeit. Ob sie steigen müsse? Er nimmt derzeit einen Druck wahr, dringend nun etwas kaufen zu müssen oder sonst etwas zu verpassen. Doch Smolla fragt auch: „Muss es immer Eigentum sein?“

Während in den privilegierten Lagen, Findorff, Viertel, Neustadt, Gete und Schwachhausen bereits teils extreme Werte abgerufen werden, rollt sich das höhere Preisniveau weiter auf die Stadt aus, sagt Smolla, sogar bis an deren Grenzen heran. „Es kommen Lagen dazu, die ganz neu in den Fokus rücken.“ Dazu zähle etwas der Bremer Westen aus gutem Grund. „Walle ist auch durch die Überseestadt wahnsinnig aufgewertet worden.“

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Neben dem klassischen Maklergeschäft ist Robert C. Spies vor allem auch Beratungsunternehmen für Projektentwickler und Bauträger. Neu auf dem Immobilienmarkt in Bremen sei, beobachtet auch Smolla, dass es viele Kleinstinvestoren gebe: private Anleger, die Vermögen in ein Reihenhaus setzen, weil die Zinsen auf der Bank nicht viel bringen.

Ü-60 Generation spielen als Akteure eine Rolle

Das sei gerade für diejenigen interessant, die sich nicht an Aktien rantrauten und auf sichere Mieteinnahmen setzen wollten. Außerdem spielt Immobilienberater Smolla zufolge die Ü-60-Generation als Akteur eine Rolle: Diese ziehe aus älteren Objekten, an denen energetisch etwas gemacht werden müsse, in barrierefreie Wohnungen in den besseren Lagen. „Sie verfügt oft über gute Mittel.“

Trotz der hohen Preise sieht Smolla in Bremen keine Immobilienblase entstehen. Die Vorstellung, dass der Markt dieser Metapher nach schnell und unkontrolliert platzen könne, die passe nicht. „Das ist völlig überzogen. Da wird ein Gespenst skizziert.“ Das passe auch nicht zu den Perspektiven der Stadt. In Bremen stehe die Rendite der Mieteinnahmen zu den Kaufpreisen in einem guten Verhältnis. Für Investoren sei Bremen „hochinteressant“.

Sein Kollege Christian Rau plädiert für Gelassenheit. Schon fünfmal habe er zuschlagen können, doch eben nur mit Abstrichen. Das Warten auf das Eigenheim dauert an. Wer kaufen wolle, sollte eben genau überlegen, was er sich leisten könne, wo er hin möchte. Das müsse stimmen, sagt Rau: „Der Immobilienkauf ist eine Lebensentscheidung.“

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Zur Sache

Hansebau startet am Freitag

Wer immer schon wissen wollte, wie eine Einblasdämmung denn aussieht und was sie vor allem bringt, der kann das in wenigen Tagen auf der Hansebau herausfinden. Am Freitag beginnt die nach eigenen Angaben größte Baumesse im Nordwesten. 400 Aussteller informieren dann bis einschließlich Sonntag alle, die ihr Zuhause bauen, renovieren, sanieren oder einrichten wollen. Dazu gibt es 140 Vorträge und Vorführungen. Die Hansebau findet erneut zusammen mit den Bremer Altbautagen statt, die sich in diesem Jahr mit dem Klima beschäftigt. Besucher sollen dazu beraten werden, wie sich Häuser energieeffizient sanieren lassen und auf Extremwetter vorbereitet werden. In einer weiteren Sonderausstellung geht es um Technologien des „Smart Home“. Die Hansebau gibt es nun bereits zum zehnten Mal. „Wir feiern Jubiläum“, sagt Kerstin Renken, Bereisleiterin für die Publikumsmessen. Dass die Branche mehr als gutzutun habe, zeige die Suche nach Ausstellern. Denn manchmal könnten sie es sich gar nicht leisten, einen Stand zu haben. „Weil sie gar keinen Auftrag mehr annehmen können.“ Zur Messe kommen Renken zufolge jedes Jahr 14.000 bis 15.000 Besucher – vor allem auch aus Niedersachsen.

Am Freitag gibt es für alle Schüler und Besucher unter 18 Jahren freien Eintritt. Denn am Eröffnungstag sollen sie vor Ort Ausbildungsbetriebe im Handwerk kennenlernen und Kontakte knüpfen können. Insgesamt 50 Ausbildungsplätze bieten die Aussteller dabei an.

Geöffnet sind die Hansebau, die Bremer Altbautage und die zugleich von der Sparkasse veranstalteten Bremer Immobilientage von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Wer erst um 15 Uhr kommt, zahlt sechs Euro. Kinder bis zu 14 Jahren haben in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt.

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