Reihenhäuser statt Pferdesport Wohnen an der Rennbahn

Architekten stellten Pläne für ein Quartier an der Bremer Galopprennbahn vor. Häuser für Familien steht im Vordergrund der Entwürfe.
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Wohnen an der Rennbahn
Von Christian Hasemann

Zwei- bis dreigeschossige Satteldachhäuser mit jeweils mehreren Wohneinheiten in Südausrichtung – so stellen sich die Architekten der Büros Laura Jahnke aus Hamburg und Duplex Architekten aus Zürich die Bebauung des Wohnquartiers an der Ludwig-Roselius-Allee, auch Rennbahn-West genannt, vor. 105 Wohnungen für Familien sollen dort entstehen.

Es geht dabei nicht um die Bebauung der 30 Hektar der Galopprennbahn, für die derzeit noch das Beteiligungsverfahren läuft, sondern um das 2,6 Hektar große, westlich angrenzende Areal, das in den Diskussionen über das Für und Wider und vor allem über das sich abzeichnende „Wie“ einer bebauten Galopprennbahn in der öffentlichen Wahrnehmung fast verschwunden war. Denn schon 2016 setzten sich die beiden Architekturbüros in einem Wettbewerbsverfahren durch.

Auftraggeber ist das Bremer Unternehmen Siedentopf, dessen Eigentümer Bernd Schopf, Eduscho-Erbe und ebenfalls Eigentümer der Coffein-Compagnie, ist. Dass das Unternehmen Siedentopf gerade das Grundstück westlich der Galopprennbahn in den Blick nahm, mag auch an dem Interesse der Eheleute Schopf am Reit- und Pferdesport liegen – beide starten als Dressurreiter für einen Bremer Reitverein.

Reihenhäuser für Familien

An der Ludwig-Roselius-Allee wird zukünftig kein Pferd im Kreis rennen und werden auch keine Hufschlagfiguren geritten, stattdessen sollen dort Häuser entstehen. Den Auftakt macht dabei das Quartier westlich der Rennbahn. „Es ist eine fast ländliche Struktur dort“, meint Architektin Laura Jahnke. Das Umfeld sei sehr unterschiedlich, sodass es kaum Anschlussmöglichkeiten in der Architektur gegeben habe.

Die Pläne der Architekten sehen dort in einer Nord-Süd-Ausrichtung einen Platz vor, an dem sich die Wohnhäuser anschließen. „Es sind klassische Häuser mit klassischen Giebelformen“, beschreibt sie die geplanten Haustypen. Die Fassaden sehen Klinkersteine des skandinavischen Typs vor. Die Wohnungen der Reihenhäuser sollen zwischen 105 und 160 Quadratmetern groß werden. „Wohnen für Familien“, wie Laura Jahnke sagt.

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Die Erschließung mit dem Auto ist dabei ausschließlich von der Ludwig-Roselius-Allee vorgesehen. Damit zieht sich das Quartier im nördlichen Bereich weit zurück, wo es an Weideflächen angrenzt. Eine spätere Erschließung in nördliche oder nordöstliche Richtung schließt der Entwurf dabei ausdrücklich nicht aus. „Im Nordosten ist eine fußläufige Erschließung im Gespräch“, sagt Laura Jahnke. Zusätzlich sei außerdem ein ergänzender Fußweg in Richtung Südwesten denkbar.

Die Einbettung des neu entstehenden Quartiers in die Umgebung und der kommenden Bebauung auf der Galopprennbahn war auch ein Wunsch, der auf einer Anwohnerversammlung Ende November geäußert wurde. Pro Wohneinheit ist außerdem ein Parkplatz vorgesehen, dazu kommt noch die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl Besucherparkplätze. Die Sorge vor zunehmenden Verkehr und größerer Parkplatznot war dann auch eine häufig geäußerte Sorge der Anwohner. Das Problem könnte sich zusätzlich verschärfen, weil ein Teil des Geländes zurzeit noch von dem angrenzenden Hotel als Parkfläche genutzt wird.

Dimension der Gartenstadt Süd in der Neustadt

Obwohl die Bebauung auf Modellzeichnungen eher eng aussieht, wird das Quartier in theoretischen Zahlenspielen weniger dicht bebaut sein als die Wohnanlagen auf dem eigentlichen Rennbahngelände. So kommen auf einen Hektar Fläche auf der Rennbahn West 37,9 Wohneinheiten. Das entspricht in etwa der Dimension der Gartenstadt Süd in der Neustadt. Dort sind es 36,9 Wohneinheiten auf einem Hektar. Wenn, wie zuletzt in einer Ideenwerkstatt zur Galopprennbahn angekündigt, zehn Hektar der Galopprennbahn Grünfläche werden sollen, bleiben für die immer wieder ins Spiel gebrachte Obergrenze von 1000 Wohneinheiten knapp 20 Hektar über.

Rein rechnerisch also 50 Wohneinheiten pro Hektar und damit in den Zahlenspielen deutlich enger bebaut als die Rennbahn-West. Wohlgemerkt: Zwischen den Wohnanlagen finden sich dafür auch zehn Hektar, etwa zehn Fußballfelder, unbebaute Fläche. Auf die Gesamtfläche von 30 Hektar gerechnet wären es vergleichsweise wenige 33 Wohnungen pro Hektar.

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Zum Vergleich: In der Neuen Vahr Nord drängen sich 8028 Menschen auf 86 Hektar in nach Angaben des Statistischen Landesamtes Bremen 3868 Wohnungen. Das sind knapp 45 Wohnungen pro Hektar. Bei durchschnittlich 2,01 Menschen pro Wohnung stünden damit 90 Menschen auf dem Fußballplatz. Mit Zuschauern also die Menge eines durchschnittlichen Bezirksligaspiels, inklusive Auswechselspieler.

Damit überhaupt ein Klinkerstein auf den anderen gesetzt werden kann, braucht es allerdings noch das nötige Baurecht. Im Falle des Wohnquartiers an der Ludwig-Roselius-Allee rechnen die Beteiligten Mitte des kommenden Jahres mit der Aufstellung des Bebauungsplans, der dann öffentlich ausgelegt werden muss. Erst danach darf gebaut werden. Im Falle der Galopprennbahn ist noch nicht abzusehen, wann das passende Baurecht stehen könnte.

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