Bebauungsplan Bremer Innenstadt Wohnen zwischen Wall und Weser

Bremen. Die Baubehörde wird im Januar einen Plan vorlegen, wo in der Innenstadt in Zukunft zusätzlich Wohnen möglich ist.
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Wohnen zwischen Wall und Weser
Von Jürgen Hinrichs

Abends in der Innenstadt. Viel los ist dort nicht, wenn man vom Schnoor und seinen Lokalen mal absieht. Zu tun hat das unter anderem damit, dass im Gebiet zwischen Wall und Weser vergleichsweise wenig Menschen leben. Geht es nach Rot-Grün, soll sich das bald ändern. Die Baubehörde wird im Januar einen Plan vorlegen, wo in der Innenstadt in Zukunft zusätzlich Wohnen möglich ist. Am Ende des Verfahrens steht ein neuer Bebauungsplan.

Zentraler geht’s nicht. Direkt in der Obernstraße, mit Blick auf Bremens Haupteinkaufsmeile. 1-A-Lage, sagen die Einzelhändler. Nur dass es in diesem Fall nicht um ein Geschäft geht, sondern um eine Wohnung. Das Haus wird gerade gebaut und soll im Oktober kommenden Jahres fertig sein. Ganz oben, über den Büroetagen und dem großen Laden im Erdgeschoss entstehen auf zwei Etagen 130 Quadratmeter Wohnfläche. Ein Beispiel für die Entwicklung in der Innenstadt – sie soll viel mehr als in der Vergangenheit auch von Wohnen geprägt sein.

Die Bauverwaltung bereitet gerade einen Katasterplan vor, aus dem ablesbar sein wird, wo in der Stadt zwischen Wall und Weser die Gebäude und Flächen in Zukunft für Wohnzwecke genutzt werden dürfen. Die Ergebnisse kommen im Januar an die Öffentlichkeit. Nach den üblichen Beteiligungsverfahren wird am Ende ein neuer Bebauungsplan aufgestellt.

„Wir wollen die Altstadt wieder zu einem Wohnstandort machen“, sagt Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Sie beobachte dabei eine Dynamik, wie lange nicht mehr. „Es gibt eine deutliche Nachfrage, möglichst zentral zu wohnen.“ Ziel sei, diese Nachfrage mit zusätzlichem Wohnraum zu decken und gleichzeitig die Innenstadt zu beleben. Derzeit befinde sich ihre Behörde noch in der konzeptionellen Phase. „Danach wird es für jede Straße eine Tiefenprüfung geben“, erklärt Reuther.

Im Sommer hatte es eine entsprechende Initiative der rot-grünen Mehrheit in der Bürgerschaft gegeben. „Wir haben eindeutig zu wenig Wohnungen in der City“, befand damals Jürgen Pohlmann, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Idealerweise falle in dem Gebiet der Bedarf mit den Möglichkeiten zusammen, weil es in den Gebäuden, die bisher für Büros genutzt wurden, viel Leerstand gebe. „Bremen will diese Potenziale für die Schaffung von neuem, flexiblem und zeitgemäßem Wohnraum nutzen“, hieß es in dem gemeinsamen Antrag der beiden Fraktionen.

Die Bauverwaltung hat daraufhin zunächst einmal grob skizziert, welche Gebiete in der Altstadt für Wohnen zugelassen werden können. Möglich wird das demnach zum Beispiel auf beiden Seiten der Faulenstraße, im Bereich der Sögestraße und Knochenhauserstraße, entlang des Walls und zwischen Obernstraße und Langenstraße. Ein weiteres Gebiet, in dem Wohnen künftig erlaubt sein soll, ist das Areal zwischen Böttcherstraße und Wachtstraße – und der Grund, auf dem heute das Parkhaus am Brill steht.

Die Hochgarage wird zusammen mit dem Lloydhof in den nächsten Jahren einem großen Einkaufszentrum weichen. Bei der Ausschreibung für dieses Projekt gab es offenbar die Auflage, neben den Geschäften auch Wohnungen zu bauen. „Ja, das ist so gewollt“, bestätigt die Senatsbaudirektorin.

Der Trend zur Rückkehr in die Altstadt fällt in eine Zeit, in der absehbar ist, dass die Wohnungen knapp werden. Bremen hat darauf reagiert und sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 rund 14000 neue Wohnungen zu schaffen. Einen Teil davon in der City, wo es im Stephaniviertel bereits eine rege Bautätigkeit gibt. Neubau, Abriss und Wiederaufbau, wie das Beispiel in der Obernstraße zeigt, oder die Umwidmung von Bürogebäuden, die leer stehen, weil sie alt geworden sind – das alles schafft Platz für Wohnen. „Eigentümer von gewerblichen Immobilien sollten die Chance sehen und sich umorientieren“, ermuntert die Senatsbaudirektorin.

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