Bürgerdialog in Osterholz

Wohnqualität wichtigster Faktor

Osterholz. Der Stadtteil ist auf einem guten Weg - so ließe sich das Ergebnis des Bürgerdialogs mit Innensenator Ulrich Mäurer zusammenfassen, der am Dienstag in der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO) den Bürgern Rede und Antwort stand.
19.08.2010, 06:00
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Von Melanie Öhlenbach
Wohnqualität wichtigster Faktor

Innensenator Ulrich Mäurer

Joche Stoss

Osterholz. Der Stadtteil ist auf einem guten Weg - so ließe sich das Ergebnis des Bürgerdialogs mit Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer zusammenfassen, der am Dienstag in der Gesamtschule Bremen-Ost (GSO) den Bürgern Rede und Antwort stand.

Allzu groß scheinen die Sorgen der Menschen in Osterholz jedoch nicht zu sein: Nur etwa 50 Zuhörer kamen zum Bürgerdialog mit dem Senator - die meisten aus Institutionen im Stadtteil. Dabei könnten die Statistiken, die Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter präsentierte, durchaus den ein oder anderen Anlass zur Sorge geben: Im Vergleich zu den anderen Bezirken der Hansestadt leben in Osterholz sehr viele Menschen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind. In der Rangliste liegt der Stadtteil hinter Gröpelingen und der Vahr auf Platz drei.

Bei den Schülern, die das Abitur machen, steht Osterholz auf dem vorletzten Rang vor Gröpelingen. Und auch beim Anteil an Bewohnern mit Migrationshintergund weist nur der Stadtteil aus dem Bremer Westen einen noch größeren Anteil auf: Über 40 Prozent der Osterholzer stammen ursprünglich nicht aus Deutschland.

Mäurer: Gute Wohnqualität

Trotz dieser 'extrem schwierigen Rahmenbegingungen' attestierte Senator Mäurer dem Stadtteil 'eine positive Entwicklung'. Ausschlaggebend dafür sei die gute Wohnqualität. Andere Faktoren wie Integration, Sport, Bildung oder Kultur stünden erst an zweiter Stelle.

'Mit der Wohnqualität steht und fällt die gesamte Entwicklung eines Stadtteils', sagte Mäurer und setzte zu einem Plädoyer gegen den Verkauf der Gewoba an, das die Zuhörern mit Applaus quittierten: 'Ich bin zwar kein Wohnungspolitiker, sondern für die innere Sicherheit zuständig, aber ich könnte nicht so viele Polizeibeamte einstellen, die notwendig wären, das zu erhalten, was durch eine fatale Wohnungspolitik niedergemacht wird', erklärte der Innensenator.

Zahl der Wohnungseinbrüche nimmt zu

Aus Sicht der Polizei gibt es bereits jetzt ein Feld, das Inspektionsleiter Jörg Meier Kopfzerbrechen bereitet: die vorsätzlichen Körperverletzungen, die im Vergleich zu den Vorjahren ebenso wie die Zahl der Wohnungseinbrüche zugenommen haben. Häufig seien Menschen mit russischem Migrationshintergrund und im alkoholisierten Zustand beteiligt. 'Das ist ein Thema, das uns große Sorgen macht - vor allem wegen der Gewalt, die dabei ausgeübt wird', sagte Meier. Um die Integration im Osterholz weiter voranzutreiben, setzt der Innensenator vor allem auf Sportangebote. 'Es wird eine der wichtigsten Aufgaben sein, dafür Mittel bereitzustellen', betonte Mäurer und sagte im gleichen Atemzug dem OT Bremen seine Unterstützung für das geplante Mehrgenerationenhaus zu. 'Sport ist die beste Medizin, um Jugendliche von der Straße zu holen und zu integrieren.'

So nahm er gleich auch die Bitte auf, sich für die Beibehaltung des Leistungskurses Sport an der GSO stark zu machen - zumal es laut Aussagen eines Sportlehrers mit den benachbarten Sportanlagen und dem gut erreichbaren Hallenbad 'hervorragende Voraussetzungen' dafür gebe. 'Ich werde mich massiv dafür einsetzen, dass der Leistungskurs erhalten bleibt', versprach Mäurer.

Wachsame Bürger

Ansonsten verlief die Aussprache zwischen Bewohnern und Senator relativ unspektakulär: Ulrich Schlüter plädierte dafür, dass die Polizeiwache am Weserpark erhalten bleibt. Ein Bewohner sorgte sich um die Zunahme von Spielhallen und 'horizontalem Gewerbe' im Stadtteil. Während Mäurer bei den Spielhallen kaum rechtlichen Handlungsspielraum sieht, versprach er das Bordell-Problem verfolgen zu wollen. Zudem riet er den Bürgern, ihre Beobachtungen dem Ortsamt mitzuteilen, 'damit wir frühzeitig intervenieren können'.

Reiner Berlips, Chef der Freiwilligen Feuerwehr Osterholz, forderte schließlich den Senator auf, die Diskussion über eine mögliche Zusammenlegung und die Ausstattung der ehrenamtlichen Wehren nicht weiter aufzuschieben. Er befürchtete, dass die Anliegen der Freiwilligen Feuerwehren 'im Wahlkampf kein Gehör mehr finden'. Diese Sorge sei laut Mäurer unbegründet - vor allem was die ortsansässige Wehr angeht: 'Um die Zukunft von Osterholz mache ich mir keine Gedanken', äußerte sich der Senator zuversichtlich.

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