Streit um Mehrparteienhaus in Blumenthal Wohnungen verkommen

Waren viele Veranstaltungen im Nordbremer Ferienprogramm vor Jahren noch Selbstgänger, gilt das heute nicht mehr. Einige Veranstaltungen mussten jetzt sogar abgesagt werden.
27.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von CHRISTINA LAMBEK-DENKER

Ob in der George-Albrecht-Straße oder in der Richard -Jung-Straße. Oder im Hegeweg. Dort, wo private Investoren Mietshäuser oder gar ganze Straßenzüge aufkaufen, mehrten sich in der Vergangenheit Klagen der Bewohner über fehlende Instandsetzungen und Sanierungen, über Kommunikationsprobleme und über gebrochene Versprechen. Nun auch in der Gösper Straße. Das Ortsamt hat sich inzwischen eingeschaltet.

Seit die Wüstefeld Vermögensverwaltung GmbH 2013 auch Mietshäuser in der Gösper Straße aufkauften, habe sich die Wohnsituation kaum verändert, sagen Mieter. Jüngst drohte der Bremer Energieversorger SWB sogar, dort Gas, Strom und Wasser abzustellen. Die Bewohner des Hauses wissen nicht weiter.

Für das Ehepaar Nicole und Sönke Wittig aus der Gösper Straße mit ihren beiden Kindern sind 526 Euro eine Menge Geld. So viel zahlen sie monatlich an die Wüste-feld Vermögensverwaltung GmbH aus Hamburg. Darin enthalten sind unter anderem Gas sowie die anteiligen Energiekosten für Strom und Wasser in Flur und Keller.

Nun flatterte den Mietern des Neun-Parteien-Hauses ein Brief der Inkasso-Abteilung der SWB ins Haus: Strom und Wasser für Keller und Flure soll gesperrt werden. Dasselbe gelte für den Gashahn, schrieb der Bremer Energieversorger. Mittlerweile sind offenbar Zahlungen eingegangen. Davon haben die Mieter von der Hausverwaltung aber keine Kenntnis erlangt, wie mehrere von ihnen sagen. Die Ungewissheit blieb also.

Die SWB greift zu dieser drastischen Maßnahme, weil, wie sie sagt, der Eigentümer trotz Aufforderung keine ausreichenden Zahlungen für die Allgemeinversorgung geleistet hatte. Die Versorgungssperre sollte am 24. August wirksam werden. Als das Schreiben kam, habe sie einen gehörigen Schrecken bekommen, sagt Nicole Wittig. Und sie macht sich Sorgen: Ob sie künftig nur noch im Dunkeln den Keller betreten können, wissen sie nicht. Ob die Klingel künftig funktionieren wird, auch nicht. Und was ist überhaupt mit der Heizung? Sitzen wir bald in kalten Räumen? Anrufe bei der Hausverwaltung hätten nichts gebracht, sagt das Paar. „Wir wissen nichts“. Und den anderen Mietern soll es nicht anders gehen.

Eigentümer Thomas Wüstefeld versichert noch einmal auf Nachfrage: Weder Strom, noch Wasser oder Gas würden abgestellt. „Durch ein neues EDV-System hat es einen Überweisungsfehlbetrag gegeben“, erklärt er gegenüber der NORDDEUTSCHEN. Auch die SWB signalisiert, dass mittlerweile Zahlungen eingegangen sind. „Die Hausverwaltung hat auf die Mahnungen reagiert“, sagt die Unternehmenssprecherin Angela Dittmer.

Im Februar 2013 hat die Wüstefeld Vermögensverwaltung GmbH 80 Wohnungen in der Rudolf Breitscheid-Straße und in der Gösper Straße von der Gewosie übernommen. Axel Utrata vom Vorstand der Gewosie erklärte damals, dass sich an den bestehenden Mietverträgen nichts ändern werde. Doch es ist anders gekommen: Zahlten die Wittigs nach eigener Aussage bis September vergangenen Jahres 448 Euro, sind seitdem 526 Euro pro Monat fällig.

Das ist eine Mieterhöhung von 17,4 Prozent. Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten habe es bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum gegeben, berichten Mieter bei einem Gang durch das Haus. Überall blättert die Farbe. Im Garten wachsen Rasen und Unkraut gen Himmel, im Keller schwärzlicher Schimmel in dicken Placken die Wände hoch. An vielen Stellen bröckelt der Putz. Die hölzernen Balkongitter sind altersschwach und instabil. Ob sie einen Menschen überhaupt noch halten können, scheint fraglich. Durch das Dach regnet es an mehreren Stellen durch, schildern Betroffene.

Wittigs kämpfen auch in ihrer Wohnung mit dem Schimmel. „Der ist überall, in den Kinderzimmern, im Schlafzimmer, im Wohnzimmer und in der Küche“. Alle, sagt das Ehepaar, warten auf die ersehnten Sanierungsarbeiten. Und die sollen auch kommen, verspricht Thomas Wüstefeld auf Nachfrage. Unter anderem wolle man dem Schimmel mit sogenanntem Sanierungsputz zu Leibe rücken. Und das vielleicht noch Ende des Jahres. Thomas Wüstefeld jedenfalls scheint Bremen-Nord als Investitionsort zu gefallen: „Wir kaufen dort gerade noch ordentlich nach“, sagt er. Wo, wollte er nicht sagen. Es gehe um mehrere Wohngebäude.

Der Blumenthaler Ortsamtleiter Peter Nowack ist entsetzt über die Zustände im Haus. „Grundsätzlich kann ich verstehen, dass Sanierungsmaßnahmen aufwendig und teuer sind. Doch hier ist ja seit Jahren nichts gemacht worden und auch die Instandhaltung ist völlig unzureichend.“

Laut Nowack zahlen die Mieter mit ihrer monatlichen Miete auch eine Instandhaltungspauschale. „Da kann man erwarten, dass alles getan wird, um die Immobile in einem vernünftigen Zustand zu halten.“ Der Blumenthaler Ortsamtsleiter erwartet von Thomas Wüstefeld eine klare Aussage, „wie es weitergeht und was er gegen die Missstände zu unternehmen gedenkt.“

Was die Versorgung mit Energie und Wasser angeht, ist es in der Gösper Straße offenbar noch einmal gut gegangen. Gerade erst im vergangenen Jahr waren 25 Männer, Frauen und Kinder in einem Mehrfamilienhaus in Aumund elf Wochen ohne Wasser. Dort hatte der Energieversorger den Hahn abgedreht, weil der Vermieter dem Versorgungsunternehmen Geld schuldete.

Auch in der eingangs erwähnten Richard-Jung-Straße in Blumenthal hat sich die Situation offenbar nicht gebessert: Die zehn Gebäude in der Straße wurden 2013 von der „DWS Access Wohnen 3“ erworben. „Das ist ein Immobilienfonds der Deutschen Bank“, sagt Bewohner Volker Menge. Er hatte gehofft, dass sich die Situation in der Wohnanlage nach dem Verkauf verbessere.

„Aber es ist auch hier dasselbe. Man erreicht den Hausmeister nicht. Gartenpflege findet nur ab und zu statt. Es gibt etliche Mieter, die dafür künftig nicht mehr zahlen wollen“, sagt er. Die Mieter dort haben inzwischen eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich. Vor der DWS gehörten die Wohnungen einem Privatunternehmen, gegen das die Mieter sogar eine Sammelklage eingereicht hatten.

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