Wohnungspolitik in Bremen

Wie sich die Wohnbauprojekte in Bremen seit 2017 entwickelt haben

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion fragt nach den Bremer Wohnbauprojekten – und jetzt hat das Bauressort eine aktuelle Bestandsaufnahme.
19.05.2020, 05:00
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Wie sich die Wohnbauprojekte in Bremen seit 2017 entwickelt haben
Von Timo Thalmann

17.208 mögliche neue Wohnungen, verteilt auf 223 Flächen in der Stadt: Das war in Kurzform das Potenzial für den Wohnungsbau in Bremen, den Bausenator Joachim Lohse (Grüne) 2017 in seinem Bericht „Wohnbauflächen in Bremen bis 2020“ ausgemacht hatte. Bis jetzt sind auf 43 dieser Flächen tatsächlich 3199 Wohnungen entstanden.

Weitere 3213 auf 23 Flächen befinden sich entweder bereits im Bau oder es liegt zumindest eine gültige Baugenehmigung vor. Das ist die aktuelle Bilanz, wie sie aus der Antwort des Senats auf eine große Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion zu Status quo und Perspektiven des Wohnungsbaus in Bremen hervorgeht. Danach musste sich Bremen endgültig von 2101 möglichen Wohnungen auf 14 Flächen verabschieden.

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Dickster Brocken bei den Verlusten mit 1000 angedachten Wohnungen ist dabei das Rennbahngelände in der Vahr. Auch 390 Wohnungen, die im Jahr 2017 noch beim Postamt 5 unmittelbar neben dem Hauptbahnhof möglich schienen, sind laut der neuen Aufstellung des Senats jetzt in der Projektkategorie V zu finden, die de facto für gescheitert steht, ebenso wie 150 Wohnungen auf dem Telekom-Gelände im Stephani-Viertel. An der Wendeschleife der H.-H.-Meier-Allee in Horn-Lehe werden ebenfalls keine 200 Wohnungen mehr entstehen, die dort 2017 noch in der Planung standen. Die übrigen Aderlasse verteilen sich auf verschiedene kleinere Projekte.

Knappes Minus

Gleichwohl werden in der Gesamtbilanz immer noch 16 489 neue mögliche Wohnungen auf den verbliebenen 209 Flächen ausgewiesen, ein Minus von 719 gegenüber den Planungen von 2017. Das weggefallene Baupotenzial aus den gescheiterten Vorhaben wird durch Vergrößerungen und Ausweitungen der Bauvorhaben an anderer Stelle zumindest teilweise ausgeglichen. Die sieben gegenüber den 2017er Zahlen zusätzlichen Wohneinheiten in der Bilanz der bereits realisierten Projekte reichen dafür allerdings nicht aus. Mehr Wohnungen auf der einen Seite und Abstriche auf der anderen halten sich hier nahezu die Waage. So konnten beispielsweise an der Ottostraße in der Neustadt 70 statt der ursprünglich 30 anvisierten Wohnungen gebaut werden, dafür sind im Wohn- und Büropark Oberneuland 50 Wohnungen weniger entstanden.

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Bei den Projekten, die sich derzeit im Bau befinden oder für die eine Baugenehmigung vorliegt, weist die Antwort des Senats ein Plus von immerhin 142 Wohnungen aus. Der Löwenanteil davon geht auf das Konto der Mühlenfeld-Bebauung in Oberneuland. Waren hier 2017 noch 70 Wohnungen angedacht, sind es laut neuer Liste nun immerhin 194 Wohneinheiten. Weitere nennenswerte Zuwächse gibt es an der Seweenjestraße in Gröpelingen (plus 40) sowie der Hans-Hackmack-Straße in Obervieland (plus 25). Die meisten Abstriche in der Planung gibt es südlich der Osterholzer Dorfstraße, wo jetzt statt 120 noch 100 Wohnungen entstehen.

Den größten Anteil beim Zuwachs haben allerdings Projekte, die der Senat in die Kategorie III einordnet. Diese Einstufung setzt voraus, dass ein entsprechender Bebauungsplan vorliegt oder zumindest der zugehörige Abstimmungsprozess begonnen hat. Für ganz Bremen betrifft das 6937 mögliche neuen Wohnungen auf 58 Flächen. Platzhirsch in dieser Kategorie ist das Tabakquartier im vorderen Woltmershausen. Aus den 2017 aufgeführten 200 möglichen Wohnungen sind in der aktuellen Bilanz des Senats 1000 geworden.

Der Senat weist außerdem darauf hin, dass seit 2017 diverse Projekte hinzu gekommen sind, die in der alten Liste gar nicht auftauchen und nennt beispielhaft das Gelände des ehemaligen Autohauses Brinkmann in der Kornstraße in der Neustadt, wo allein 300 neue Wohnungen geplant sind. Auch mit dem Projekt Kohlhökerstraße auf dem Grundstück der ehemaligen Bundesbank sei ein großes Vorhaben vorangetrieben worden, dass im Flächenbericht 2017 noch nicht enthalten gewesen sei.

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Weitere Projekte konkretisiert

Ein weiteres Beispiel: In Bremen Nord habe mit dem Haven Höövt ein Projekt Gestalt angenommen, das im Flächenbericht des Jahres 2017 ebenfalls nur als Prüffläche aufgeführt wurde. Gleichzeitig konnten eine Reihe seinerzeit noch nicht enthaltener Projekte weiter konkretisiert werden – das Teichquartier, ein altes Gärtnereigelände in der Fährer Flur, der Schlachthofbereich Meinert-Löffler-Straße, ein Kirchengrundstück in Marßel und ein größeres Projekt an der Hindenburgstraße.

Allerdings werden auch 3140 mögliche Wohnungen auf 86 Flächen in der Kategorie IV gelistet. Diese Vorhaben ruhen oder bedürfen aus zahlreichen Gründen aktuell einer Neuplanung. Anders gesagt: Hinter den Projekte stehen derzeit dicke Fragezeichen. Vor diesem Hintergrund bedankte sich Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) während der jüngsten Bürgerschaftssitzung ausdrücklich bei der CDU für die große Anfrage. „Das hat unser Ressort zwar lange beschäftigt, aber wir wollten Ihre Fragen auch aus eigenem Interesse gründlich beantworten.“ Das Ergebnis sei daher zugleich eine Bestandsaufnahme für das eigene Haus.

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