Kultureinrichtungshaus Dete muss zum 31. Juli ausziehen / Bürgerinitiative ruft zur Aktion „Knotenpunkt“ auf

Wohnzimmer des Stadtteils

Ob Sonntagsbrunch, Wohnzimmerkonzerte, Ausstellungen oder politische Gespräche, die Dete in der Neustadt hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, wo Alt und Jung sieben Tage die Woche Zerstreuung finden. Doch das Kultureinrichtungshaus ist nur zur Zwischennutzung an der Lahnstraße untergekommen. Am 31. Juli schließen sich dort die Türen. Die Bürgerinitiative „Pro Dete“ wünscht sich, dass es weitergeht. Mit der Aktion „Knotenpunkt“ wollen die Anwohner zeigen, wie groß die Gemeinschaft geworden ist, die sich dort gefunden hat.
19.06.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Annica Müllenberg
Wohnzimmer des Stadtteils

Bürgerinitiative "Pro Dete"

Annica Müllenberg

Ob Sonntagsbrunch, Wohnzimmerkonzerte, Ausstellungen oder politische Gespräche, die Dete in der Neustadt hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, wo Alt und Jung sieben Tage die Woche Zerstreuung finden. Doch das Kultureinrichtungshaus ist nur zur Zwischennutzung an der Lahnstraße untergekommen. Am 31. Juli schließen sich dort die Türen. Die Bürgerinitiative „Pro Dete“ wünscht sich, dass es weitergeht. Mit der Aktion „Knotenpunkt“ wollen die Anwohner zeigen, wie groß die Gemeinschaft geworden ist, die sich dort gefunden hat.

„Die Dete hat sich zum Wohnzimmer des Quartiers entwickelt“, „Ein Wohlfühlort für Jung und Alt“, „Ohne Dete fehlt hier was“ – diese Wortmeldungen hat die Initiative „Pro Dete“ gesammelt. Es sind Liebeserklärungen an einen Ort, für den es viele Beschreibungen gibt, aber keine einzige, die es in Gänze trifft: Nachbarschaftstreff, Kulturzentrum, Begegnungsstätte, Platz der Sehnsucht. Eine Menge Wortmeldungen gibt es auch über das nahende Ende des Projektes.

Jeden Dienstag treffen sich an einem Tisch in der Dete mehr oder weniger dieselben Leute: Eine Gruppe von zehn, manchmal 20 Anwohnern, die über Listen brüten und Aktionen ersinnen. Es sind die Mitglieder der Initiative „Pro Dete“. Gefunden haben sie sich im Februar dieses Jahres. Nach nur wenigen Monaten mit Konzerten, Frühstücken und Ausstellungen fühlten sie sich wohl in „ihrer“ Dete, sie ist ein zweites Zuhause geworden. Weil es damals eine Beschwerde aufgrund von Lärm gab, taten sie sich zusammen: „Das wollten wir nicht so stehen lassen und die positiven Seiten des Hauses zeigen. Die Betreiber halten sich an die Regeln“, erklärt Margit Reuter von der Initiative. Die Beschwerde rückte schnell in den Hintergrund, viel präsenter wurde das nahende Ende des neuen Stadtteilzentrums. Am 31. Juli schließen sich die Türen dort wieder. Der Mietvertrag war von Anfang an nur temporär ausgestellt. „Das war uns auch klar. Der Eigentümer hat sich an seine Vereinbarung gehalten“, sagt Dominic Depner, einer von sechs Dete-Gründern und betont, dass er ihm nichts vorwerfen könne und das Verhältnis stets gut gewesen sei.

Nicht klar war hingegen, dass sich das Kultureinrichtungshaus binnen weniger Monate zu einem so beliebten Nachbarschaftstreff für Jung und Alt entwickeln würde, das viele nicht mehr missen möchten. „Es herrscht stets eine Willkommenskultur, die kein bisschen dogmatisch ist. Die Dete ist eine zweite Heimat nicht nur für Neustädter geworden, die wir erhalten möchten“, bringt es Reuter auf den Punkt. Im lichtdurchfluteten Erdgeschoss hängen selbst gemachte Kleidung und regionale Produkte in aufgearbeiteten Kleiderschränken. Am „Kiosk“ gibt es Kuchen, Kaffee und Suppe. In den beiden oberen Etagen logieren Illustratoren, Designer und Künstler in Ateliers, zusätzlich sind Schreibtische an Freiberufler vermietet. Sieben Tage die Woche gehen Menschen aller Generationen aus ganz Bremen ein und aus.

Damit jeder sehen kann, welche Vernetzungen in dem bunten Haus an der Lahnstraße 61-63 entstanden ist, hat sich die Initiative die Aktion „Knotenpunkt“ einfallen lassen. Am Sonnabend, 21. Juni, sollen sich möglichst viele Menschen vor der Dete versammeln und mit Bändern Sternenformen bilden. Am Strang ziehen jeweils Kreative, Mütter, Väter, Musiker, Senioren und Kinder, eben die Besucher der Dete. Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als die Rettung des Hauses. „Wir wollen zeigen, warum wir dieses Angebot brauchen und wer sich dort alles gefunden hat. Die Personen visualisieren das Herz der Dete“, erklärt Reuter die Idee. Dabei sein wird auch Susanne Wendland. Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion unterstützt die Aktion: „Es ist äußerst schade, dass die Dete bald schließen muss. Die Mieten steigen stetig in der Neustadt. Deshalb wird es nicht nur für Familien, sondern auch für künstlerische Projekte dieser Art immer schwieriger, geeignete und bezahlbare Räume zu finden.“ Auch ein Umzug in ein anderes Objekt gestalte sich schwierig. Zwar bekommen die Gründer immer mal wieder einen Tipp, aber: „Der Erfolg hängt auch mit dem Haus zusammen. Transportierbar ist das nicht“, vermutet Dominic Depner.

Die Initiatoren erhoffen sich, dass auch viele Stadtteilpolitiker die Aktion verfolgen. „Wir waren mit unserem Anliegen schon im Beirat Neustadt. Der Beiratssprecher Ingo Mose hatte mit dem Eigentümer telefoniert, aber es bleibt wohl bei der Schließung“, heißt es von Klaus Sassmannshausen, Sprecher der Bürgerinitiative.

Der Eigentümer des Gebäudes ist überrascht von der Dynamik, die entstanden ist. „Wir geben seit acht Jahren Objekte in Zwischennutzung weiter, oft an Kulturschaffende, die für die Nutzung nur die Nebenkosten bezahlen müssen, doch ein ähnliches Aufsehen um ein Haus hat es noch nicht gegeben.“ Das Telefon stand in den vergangenen Monaten nicht mehr still, Unterschriftenlisten, Bittbriefe aber auch anonyme Schreiben erreichten ihn. Bremermann ist sich mittlerweile nicht mehr sicher, ob er in Zukunft überhaupt noch einmal an Zwischennutzung denken will. „Eine Verlängerung wird es nicht geben“, heißt es von seiner Seite. In den nächsten Monaten erwarte er die Baugenehmigung und dann soll in der Lahnstraße 61-63 ein Mehrfamilienhaus entstehen. Als Privatperson sehe er sich nicht in der Pflicht, ein Ersatzgebäude anzubieten. „Die Stadt muss sich um ein geeignetes Objekt kümmern“, sagt er. Die Bürgerinitiative hofft, dass sich bei der Aktion noch Ideen für ein Ausweichhaus finden lassen. Die Beiratsmitglieder haben versprochen, ebenfalls die Augen offen zu halten.

Die Aktion „Knotenpunkt“ findet am Sonnabend, 21. Juni, ab 15 Uhr vor der Dete, Lahnstraße 61-63, statt.

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