Zurück im Wahlkampf Wolfgang Bosbach spricht beim Kreisparteitag der CDU

Wolfgang Bosbach verabschiedete sich 2017 aus dem Bundestag. Doch als Redner ist der CDU-Politiker weiter gefragt: Am Dienstag sprach der Rheinländer in Bremen auf Einladung des Kreisverbands der CDU.
12.03.2019, 22:23
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Wolfgang Bosbach spricht beim Kreisparteitag der CDU
Von Lisa Schröder

Da schnappt sich der Profi ganz lässig das Mikro und lässt das Rednerpult links liegen. In die Mitte der Bühne, findet er, gehört der Wolfgang Bosbach, da ist der richtige Platz. Und das Publikum stimmt zu. Eigentlich muss Wolfgang Bosbach nicht mehr. 2017 verabschiedete sich der Rheinländer aus dem Bundestag und ließ sich nicht wieder aufstellen.

Der Schlussstrich war seine Entscheidung. Doch Bosbach ohne Politik? Der CDU-Kreisverband Bremen-Stadt hat den langjährigen Bundestagsabgeordneten in die Shakespeare Company eingeladen. Bosbach kommt – wie es ihm außergewöhnlich gut gefällt. Im Jahr, lässt er wie beiläufig einfließen, stehen in seinem Terminkalender um die 400 Veranstaltungen. Schon ist der Zuhörer erleichtert, dass der Politiker von Reisen mit der Familie in den Oman und auf Kuba erzählt.

Zurück im Wahlkampf

Sein Besuch beim Kreisparteitag ist aber mehr als eine nette Geste. Im März stehen im Veranstaltungskalender des Kreisverbands Bürgergespräche, Beirat, Stammtisch, Boßeltour mit der CDU Wümme – dieser Abend mit dem Gast aus Bergisch Gladbach ist wichtig und sticht hervor: KREISPARTEITAG. Der einzige Termin in Großbuchstaben. Denn Bremen steckt im Wahlkampf. Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder ist gekommen und teilt aus, zählt auf, was der Senat in Sachen Verkehr und Sicherheit nicht leistet und er anders machen will.

Bosbach ist diesen Abend zurück im Wahlkampf, nur ist es nicht mehr der eigene. Doch der Stil bleibt seiner, und deshalb muss er da noch was loswerden. In Meyer-Heders Worten sei schön der Temperamentsunterschied zwischen Bremen und dem Rheinland zu erkennen gewesen: Wenn die Wahl erfolgreich für ihn ausgehe, wolle der Parteifreund am nächsten Tag alle zum Kaffee ins Rathaus einladen. Kaffee trinken nach einem Wahlsieg? „Auf diese Idee würde im Rheinland keiner kommen!“, ist Bosbach amüsiert und gespielt entsetzt zugleich. Gejohle und Applaus im Publikum ganz ohne Tusch. Die Dichte an Witzen erreicht Karnevalsniveau.

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Der Spitzenkandidat Meyer-Heder ist da schon weg zur nächsten Veranstaltung. „Wenn einer Verständnis dafür hat, dann ich als alter Wahlkämpfer. Richtig so“, sagt Bosbach. Notizen braucht er für seine fast einstündige Rede nicht. Die Bühne befindet sich im selben Theater, das mit „Angela I.“ gerade ein Stück über die Kanzlerin zeigt, als deren schärfster Kritik Bosbach zeitweise galt. Allerdings, relativiert der das Bild, er sei doch ein fröhlicher, freundlicher Mensch: „Ich bin kein Rebell, ich bin kein Revolutionär.“ Er vertrete ausschließlich Positionen der CDU oder solche, die früher ihre Positionen gewesen seien. Wieder gibt es Applaus.

"Nationalisten wollen wir nie wieder werden, aber Patrioten"

Bosbach geht es um Überzeugung. Debatten zu verhindern, das sei der falsche Weg, sagt er, und attackiert damit ganz indirekt doch den Führungsstil Angela Merkels. Dagegen hält er: „Es ist geradezu die Aufgabe von großen Volksparteien, unterschiedliche Meinungen zusammenzuführen.“ Besonders wichtig ist ihm, in Deutschland aber doch auch stolz sein zu dürfen auf das Land. „Nationalisten wollen wir nie wieder werden, aber Patrioten.“ In der vierten Reihe wedelt ein Zuhörer gleich noch etwas begeisterter seine Mini-Deutschland-CDU-Fahne.

Bosbach schlägt in seiner Rede den großen Bogen: von der Nachkriegszeit in Deutschland, der Wiedervereinigung, von Europa und dem Brexit, vom Festnetztelefon mit Wählscheibe bis zum Smartphone. Die Zeitreise kommt gut an. Sein Bild in der Öffentlichkeit zieht der 66-Jährige genüsslich ins Komische. Er sei ja „medienscheu“, sagt der Mann, dessen Omnipräsenz in den Talkshows zum Running Gag wurde.

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Schon im Alter von 20 Jahren trat Wolfgang Bosbach, Spitzname Wobo, in die CDU ein. Als Supermarktleiter arbeitete er nur kurz, danach dann als Rechtsanwalt. Sein Abschied nach 23 Jahren im Bundestag hat auch mit seiner Krankheit zu tun. Bosbach hat seit Jahren Prostatakrebs. Doch es gab auch politische Gründe: In einigen wichtigen politischen Fragen, erklärte Bosbach damals, könne er die Politik seiner Partei nicht mehr mit Überzeugung vertreten und er müsse seine Kraft einteilen.

Selbst wenn er nicht immer einer Meinung mit ihm sei: Wolfgang Bosbach sei ein Politiker, der klare Worte finde und die Sprache der Mitglieder spreche, sagt Jens Eckhoff, seit 2012 Kreisvorsitzender in Bremen-Stadt. Nun gehe es in den nächsten Wochen darum, die eigenen Leute für den Wahlkampf zu motivieren.

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