Er kennt das Polit-Geschäft seit Jahrzehnten, er weiß zu provozieren und zu polarisieren – und er will mit 65 Jahren noch einmal in den Bundestag: Am Sonnabend war Wolfgang Kubicki, Bundesvize der FDP und seit 25 Jahren Fraktionschef in Kiel, Gast beim Sommerfest der Bremer Liberalen im Grand Central, dem Alten Bahnhof Oberneuland. Kubicki und die Spitzenkandidatin der Bremer FDP für den Bundestag, Lencke Steiner, betonten in ihren Reden, wie wichtig es sei, endlich den Investitionsstau vor allem in der Bildung abzubauen. Das hätten die Bundesregierung, aber auch die rot-grüne Landesregierung in Bremen, seit Jahren versäumt. Dafür wolle sich Steiner nach der Bundestagswahl in Berlin einsetzen. Auch in die Verkehrsinfrastruktur, Straßen und Autobahnen, müsse mehr als bisher investiert werden, forderte Kubicki in seiner Rede.
Kubicki: "Schwarz-Gelb ist denkbar, aber nicht sicher"
Es müsse vor allem auch bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Breitbandausbau vorangehen, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen. Deutschland hinke vielen anderen Ländern weit hinterher, die Welt würde aber nicht auf Deutschland warten, betonte Kubicki. Ein weiteres Thema, das ihm unter den Nägeln brenne, sei die Lage der Polizisten: Er forderte den konsequenten Abbau von Überstunden, mehr Polizisten müssten eingestellt werden.
Im Bundestag wolle er dafür sorgen, dass das Steuersystem vereinfacht werde, hatte der Anwalt für Wirtschafts- und Steuerstrafsachen zuvor in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur betont. Er gehe davon aus, dass die FDP bei der Bundestagswahl am 24. September zwischen sechs und neun Prozent hole. „Eher neun statt sechs“, sagte der FDP-Politiker. Ob es dann für Schwarz-Gelb reiche, würde von der Union abhängen. Es sei denkbar, aber nicht sicher. Auf keinen Fall aber werde es für Rot-Rot-Grün reichen, betonte Kubicki in dem Interview.