Sorge um Korallenriffe

Woran Korallen sterben

Ob das Great Barrier Reef oder das Belize Barrier Reef: Taucher bekommen in den artenreichen Lebensräumen eine farbenprächtige Landschaft geboten. Die Biologin und Forschungstaucherin Hannah Juliane Brocke sorgt sich um Korallenriffe.
01.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Schulze
Woran Korallen sterben

Hannah Juliane Brocke schreibt eine Doktorarbeit über Korallensterben.

Roland Scheitz

Ob das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens oder auch das Belize Barrier Reef in der Karibik: Taucher bekommen in den artenreichen Lebensräumen eine farbenprächtige Landschaft geboten, in der es viel zu entdecken gibt. Die Biologin und Forschungstaucherin Hannah Juliane Brocke sorgt sich um Korallenriffe. „Korallen sind die Oasen in einer Wüste von Nichts im Meeresboden“, sagt sie.

Korallenriffe dienen nicht nur unter anderem als Hochwasserschutz bei Stürmen, sondern sie sind für viele Tausend Fische auch ein Lebensraum, und diese dienen wiederum als Nahrungsquelle für den Menschen. Tauchtourismus ist ein wirtschaftlicher Faktor in einigen Regionen der Welt. Laut dem World Resource Institute (WRI) in Washington sind 75 Prozent aller Korallenriffe bedroht. Sollte ein Korallenriff kippen, dann wachsen dort auch Bakterien.

Über „Kleine Dinge werden groß: Bakterienblüten in Korallenriffen“ sprach Brocke während der Meeresausstellung im Haus der Wissenschaft. Auf den Korallen befinden sich Polypen, die Nahrung aus dem Wasser sammeln und Kalkskelette absondern, die Korallenriffe bilden. In diesen besonderen Lebensräumen leben Tausende Fische und Korallenarten in Symbiose, alle profitieren voneinander. „Alle kleinen Dinge in einem Korallenriff sind miteinander verknüpft“, sagt die Biologin. Verschwinde nur ein Element, könne das ganze System kippen. „Und das passiert in vielen Gebieten dieser Welt.“ Einige Korallenarten verkraften unter anderem die rapide Temperaturerwärmung durch den Klimawandel nicht gut. Abwässer, Düngemittel und auch Aquakulturen tragen ihren Teil dazu bei, dass Korallen sterben. Taucher und Souvenirhändler pflücken Korallen ab. Bakterienmatten entstehen.

Hannah Juliane Brocke promoviert am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie und will in ihrer Doktorarbeit die genaue Ursache für das plötzliche Bakterienwachstum erklären. Bakterien gebe es schon seit vier Billionen Jahren auf der Erde, sagt sie. „Sie beeinflussen alle Stoffkreisläufe.“ Bakterien stellen die größte Biomasse der Welt dar. Die Cyanobakterien, die vor 2,5 Milliarden Jahren Sauerstoff freisetzten, gelten als erfolgreichste Bakteriengruppe der Erde, da sie genetisch vielfältig und in allen Breitengraden und den extremsten Gegenden vertreten sind.

Nach dem Stand der Wissenschaft wachsen Cyanorbakterienmatten, wenn besonders viele Nährstoffe und Sonnenlicht ins Meer gelangen. „Aber keiner konnte erhöhte Nährstoffe nachweisen, wo Cyanobakterien wachsen“, sagt Hannah Juliane Brocke, die Korallenriffe entlang der Küste von Curaçao in der Karibik untersucht hat. Scheinbar gibt es in diesem Gebiet einen Zusammenhang zwischen der Wasserbewegung und der Abwasserzufuhr von der Bevölkerung. Selbst wenn keine Nährstoffe nachgewiesen werden konnten, vermutet Brocke, dass sie doch da sind und sofort durch Algen und Mikroorganismen aufgenommen werden.

Korallenriffe werdem durch den Menschen geschwächt und somit anfälliger. Aber man müsse optimistisch bleiben und die Korallenriffe schützen. „Es gibt immer noch Korallen, die wachsen“, sagt Hannah Juliane Brocke.

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