Raumnot und befristete Verträge

Worüber an der Bremer Uni diskutiert wird

Das Wintersemester ist noch jung, doch die Liste der Probleme lang: Der Uni fehlen Räume, für die Studenten fehlen Wohnheime und für Wissenschaftler verlässliche Arbeitsverträge. Das Wichtigste in Kürze.
05.11.2015, 00:00
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Worüber an der Bremer Uni diskutiert wird
Von Sara Sundermann
Worüber an der Bremer Uni diskutiert wird

Gang über den Campus: Mit Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter ließen sich Bürgerschaftsabgeordnete von Uni-Sprecher Eberhard Scholz das Gelände zeigen.

Christina Kuhaupt

Das Wintersemester ist noch jung, doch die Liste der Probleme lang: Der Uni fehlen Räume, für die Studenten fehlen Wohnheime und für Wissenschaftler verlässliche Arbeitsverträge. Das Wichtigste in Kürze.

Raummangel, fehlende verlässliche Perspektiven für Nachwuchswissenschaftler und der Bau neuer Studentenwohnheime sind Thema auf dem Campus. Am Mittwoch hat der Wissenschaftsausschuss der Bürgerschaft sich das Universitätsgelände angesehen und über einige dieser Themen gesprochen.

Raumnot an der Uni: Die Räume auf dem Campus sind ausgebucht, immer mehr Lehrveranstaltungen weichen wegen des Platzmangels in die Abendstunden aus. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Lehrveranstaltungen verdoppelt, sie ist von 3000 auf 6000 gestiegen, während die Räume dieselben geblieben sind“, sagt Martin Mehrtens, Kanzler der Bremer Uni. „Der Schuh drückt stark“, sagt auch Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter. „Die Bremer Uni gehört zu den am stärksten ausgelasteten Unis in ganz Deutschland.“

Andere Unis hätten mehr eigene Räume zur Verfügung. Die Bremer Uni dagegen muss nach eigenen Angaben 30.000 Quadratmeter in fremden Gebäuden zusätzlich anmieten, um alle Lehrveranstaltungen unterzubringen. Dafür gibt die Uni vier Millionen Euro im Jahr an Miete aus – dieses Geld fehle dann für Forschung und Lehre, so der Rektor. „Ein neues Lehrgebäude hätte höchste Priorität“, sagt Scholz-Reiter. Die Linke fordert, dass ein neues Lehrgebäude gebaut werden muss. Die CDU will, dass zügig ein Raumkonzept für den Campus erarbeitet wird: Der Senat müsse eine Analyse vorlegen, um den Raumbedarf zu ermitteln und dann Bau- und Sanierungsvorhaben zu planen. „Die steigende Zahl der Studenten führt zu mehr Raumbedarf, es muss an den Standards der Lehre gearbeitet werden“, sagt die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Susanne Grobien.

Wenig Wohnheimplätze: Beim Thema Studentenwohnheime ist Bremen im Bundesvergleich Schlusslicht: Hier wohnen besonders wenige Studierende in einem der günstigen Wohnheime des Studentenwerks. Diesmal war die Warteliste zum Semesterstart mit knapp 1000 Interessenten doppelt so lang wie in den Vorjahren. Nachdem das Studentenwerk auf diesen Ansturm aufmerksam machte und öffentlich an Vermieter appellierte, konnten rund 100 Studierende in private Wohnungen vermittelt werden.

Und nun ist in einem Bericht der Wissenschaftsbehörde davon die Rede, dass in der Emmy-Noether-Straße direkt an der Uni ein neues Wohnheim mit 400 Plätzen entstehen könnte. Die Baukosten dafür würden rund 32 Millionen Euro betragen, heißt es. Das dafür anvisierte Grundstück gehört der Stadt und war laut Uni-Kanzler Mehrtens zuvor als Erweiterungsgelände für den Ausbau der Universität geplant.

„Ein Teilausbau im Umfang von 140 Plätzen wird zeitnah angestrebt“, heißt es im Bericht der Behörde. Außerdem sollen am Postamt 5 beim Hauptbahnhof 300 Studentenwohnungen von einem privaten Investor gebaut werden, seit kurzem gibt es dafür nun auch einen Bebauungsplan.

Kritik an befristeten Stellen an der Bremer Uni: Inge Kleemann, Hochschulreferentin der Bildungsgewerkschaft GEW, hat für eine Protestaktion Würfel auf dem Campus aufgebaut.

Kritik an befristeten Stellen an der Bremer Uni: Inge Kleemann, Hochschulreferentin der Bildungsgewerkschaft GEW, hat für eine Protestaktion Würfel auf dem Campus aufgebaut.

Foto: Christina Kuhaupt

Befristete Verträge für Akademiker: An diesem Donnerstag berät der Bundestag in Berlin über ein Thema, das viele Hochschulmitarbeiter beschäftigt: Es geht um ein neues Gesetz, das dazu führen soll, dass es weniger befristete Stellen an den Hochschulen gibt.

Womit viele Berufseinsteiger in verschiedenen Branchen ringen, das ist an der Uni Bremen nicht nur für jüngere Mitarbeiter ein Thema. 2013 waren der Arbeitnehmerkammer zufolge fast neun von zehn Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau an der Uni befristet. Dieser Zahl widerspricht Uni-Kanzler Mehrtens. Zwanzig Prozent aller Stellen im Mittelbau der Uni seien unbefristet. Klar ist: Der Anteil der befristeten Stellen ist hoch, auch weil besonders viele Forschungsprojekte an der Uni durch Drittmittel finanziert werden.

Gegen unsichere Beschäftigungsverhältnisse für Wissenschaftler protestierte am Mittwoch die Bildungsgewerkschaft GEW auf dem Campus. Das Prinzip „Dauerstellen für Daueraufgaben“ müsse im Bremischen Hochschulgesetz verankert werden, sagt Inge Kleemann von der GEW. Außerdem sollten Lektorenstellen unbefristet ausgeschrieben werden, fordert sie.

Nicht nur der Bund, auch Bremen könne einiges tun, sagt Miriam Strunge, Bürgerschaftsabgeordnete der Linken. Seit 2003 seien die Honorare für Lehrbeauftragte nicht angehoben worden. Besonders an der Hochschule werde die Lehre wesentlich von Lehrbeauftragten mitgetragen.

Die Zahl der Lehrbeauftragten und der befristeten Verträge an den Hochschulen sei „in Teilen aus dem Ruder gelaufen“, sagt auch Christdemokratin Grobien.

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