Neue Läden Wünsche werden wahr

Neues aus der Bremer Gastronomie: Das „Albeek“ an der Stader Straße bietet syrisch-libanesische Küche, die „Ziege“ ersetzt „Büntes Biercafé“, und die Fürsts haben einen Stand in der Markthalle 8.
12.02.2018, 00:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer und Silja Weisser

„Das hier“, Anja Fürst breitet die Arme aus, „ist ein lang gehegter Traum von mir.“ In den Stand in der Markthalle 8 am Domshof haben sie und ihr Mann Jens viel Energie investiert. Als ihnen der Platz, gleich am Eingang links, sicher war, zimmerte er gemeinsam mit einem Bekannten auf zwölf Quadratmetern den Tresen samt Küchenzeile. Glühbirnen und Flaschen baumeln von der Decke. Lasierte Apfelsinenkisten an der Wand dienen als Regale, dem Ambiente der Markthalle entsprechend.

Genau so sollte es sein, freut sich Anja Fürst über den Stand. Zum Sortiment gehören 15 verschiedene Essige, sieben Öle und die Gewürzmischungen, für die sie Messen in ganz Deutschland bereist, sowie ein kleines Angebot an Suppen und Salaten. Ob Essig mit Blutorange-, Mango- oder Trüffelgeschmack, Knoblauch- oder Toscana-Öl, bevor sich jemand auf ein kulinarisches Abenteuer einlässt, darf er kosten. Maximal drei hintereinander, dann brennt die Kehle. Anja Fürst lacht. Ihr macht der Umgang mit gaumenfreudigen Kunden Spaß.

Seit 20 Jahren ist das Mahndorfer Ehepaar Fürst im Geschäft, bislang allerdings an der frischen Luft, mit sechs Fahrzeugen, die auf Wochenmärkten in Borgfeld, Schwachhausen und auf dem Domshof, an der Berliner Freiheit in der Vahr, in Walsrode, Verden, Achim, Delmenhorst, Wildeshausen und in Bookholzberg stehen. Seit 1985 gibt es den Familienbetrieb, den Anja und Jens Fürst von seinen Eltern, Ursula und Herwig Fürst, übernommen haben. Während sich die gelernte Speditionskauffrau und ihr Mann eher um administrative Aufgaben kümmern, bereisen ihre 15 Mitarbeiter die Wochenmärkte und bringen dort jedoch nicht Öl und Essig an den Mann und die Frau, sondern Wurst und Schinken.

Vorerst sind Anja Fürst und ihre Mitarbeiterinnen Uschi Schäfer und Gabriela (Ella) Rothe, vollauf damit beschäftigt, die Bandbreite der Möglichkeiten des Angebots zu erfassen. Wie schmeckt Trüffelessig in Tomatensuppe? Was bewirkt ein Spritzer Cassisessig in einem schnöden Glas Wasser? Und wie peppt Zitronenöl Salat auf? Frisches Obst und Essig, verträgt sich das? Jeden Tag wird experimentiert, werden Erfahrungen ausgetauscht und an die Kunden weitergegeben. Und die seien in der Markthalle anders als auf dem Markt, weiß Fürst. „Hier wird ganz in Ruhe geschlendert, mal hier und mal dort geguckt, ausprobiert und geschnackt.“ Ganz so, wie es ihrer privaten Leidenschaft entspricht. „Ich bin auch ein absoluter Genussmensch“, beschreibt sich die 49-Jährige, die sehr gerne gemeinsam mit ihrer Tochter kocht und sich dabei Zeit nimmt. Der Stand „Fürst“ in der Markthalle 8 am Domshof ist dienstags bis sonnabends von 10 bis 20 Uhr, donnerstags sogar bis 22 Uhr, geöffnet.

Syrische Momente

Von der Altstadt an den Hulsberg: „Albeek“, das syrisch-libanesische Restaurant in der ehemaligen Konditorei Heinemann an der Stader Straße 77, macht seinem Namen alle Ehre: „Albeek“, das heißt so viel wie „großer Gentleman“. Nizar Alkhteb, der das „Albeek“ führt, hat unter dem Namen in Damaskus eine Kaffeefirma betrieben. Vor etwa zweieinhalb Jahren sei im syrischen Bürgerkrieg seine Existenz zerstört worden, erzählt er. Bomben radierten sein Unternehmen aus. Seit zwei Jahren ist er nun in Bremen, wohnt im Faulenquartier und hat sich Tag und Nacht eine eigene Existenz aufgebaut.

Nizar Alkhteb ist ein begnadeter Kunsthandwerker. Die aufwendigen Stuck- und Mosaik-Intarsien-Arbeiten, die die Wände und den Boden zieren, hat er selbst geschaffen. Dass sich die Gäste wie im Orient fühlen können, dafür sorgen bestickte Wandteppiche und Ölgemälde. Eine Spiegelwand erzeugt eine optische Täuschung, die das „Albeek“ größer erscheinen lässt. Das, was ihm aus Syrien geblieben ist, den Kaffee „Albeek“, serviert Alkhteb stolz als arabischen Mokka, mit Kardamon verfeinert, in Porzellantässchen.

Rund 20 Vorspeisen können Freunde der raffiniert gewürzten syrisch-libanesischen Küche im „Albeek“ genießen, beispielsweise Kreationen aus Quark, Bulgur und Gurke oder Mhamra, Getreide mit Nüssen und Granatapfel, oder aber Datteln in einer speziellen Schlagsahne-Creme, eine süße Sünde! Was noch? Das berühmte Baba Ganoush, gebackener Auberginensalat mit Granatapfel. Unter dem Titel „Die Reise nach Damaskus“, der an ein Schauspiel von Strindberg erinnert, werden zehn verschiedene kalte und warme Häppchen mit hausgemachtem Fladenbrot serviert. Das ist die große Stärke des Neustädter Chefkochs Yaser Abudib.

Der Renner im „Albeek“ ist zudem das Shawarma Lamm Spezial, das durch die nach einem geheimen Familienrezept zubereitete Dihen Al Sabarber-Sauce geadelt wird. Auf sechs Vorspeisen folgt zartes Lamm mit Kichererbsenpüree, in der Pfanne serviert. Das „Albeek“, Stader Straße 77, hat montags bis freitags von 12 bis 15 und von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Sonnabends und sonntags von 17 bis 23 Uhr. Die Straßenbahn-Linien 2 und 10 halten ganz in der Nähe, Bei den drei Pfählen.

Ziege am Markt

Aus „Büntes Biercafé“ ist die „Ziege“ geworden. Bistro, Bar und Café in dem Eckhaus mit den riesigen Fensterfronten am Ziegenmarkt sind, nachdem der Vorgänger nach kurzer Zeit geschlossen hatte, wieder geöffnet. Der Besitzer des Hauses, Hrvoje Stipic, der kroatische Wurzeln hat und in Lilienthal wohnt, hat einst in der Nähe Kita und Schule besucht. Einen klassischen Mittagstisch gibt es in der „Ziege“ nicht, dafür aber eine große Auswahl an Flammkuchen, beispielsweise skandinavischer Art, mit Lachs, oder aber mit Feigen, Ziegenkäse und Rucola. Die „Ziegen“-Variation, die durch süß-fruchtiges und würziges Aroma besticht, gibt es auch mit Tagliarini, Bandnudeln. An den Tisch gebracht wird sie von der freundlichen Servicekraft Lea Bongartz. Italien-Fans kommen bei den Tagliarini Aglio/Olio/Peperoncino auf ihre Kosten. Und zwischen 9 und 16 Uhr kann man in der „Ziege“ frühstücken, ein Viertelpanorama vor Augen, das fast bis zum Sielwall reicht, zumindest von der ersten Etage aus. Historische Aufnahmen aus dem Viertel, die Stipic als Kopien aus dem Staatsarchiv bekommen hat, hängen an den Wänden.

Die „Ziege“ am Ziegenmarkt hat von 9 Uhr an geöffnet, mit offenem Ende. Die Küche ist sonntags bis donnerstags von 9 bis 22 Uhr und freitags und sonnabends von 9 bis Mitternacht geöffnet.

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