Rundgang des Bundespräsidenten durch die Hafenwelten Wulff besucht Auswandererhaus in Bremerhaven

Bremen. In Bremen ist Christian Wulff in seiner bisherigen Amtszeit als Bundespräsident 2010 gleich zweimal gewesen. Am Mittwoch hat er jetzt das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven besucht - auf eigenen Wunsch.
31.03.2011, 05:00
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Wulff besucht Auswandererhaus in Bremerhaven
Von Frauke Fischer

Bremen. In Bremen ist Christian Wulff in seiner bisherigen Amtszeit als Bundespräsident 2010 gleich zweimal gewesen. Gestern schob der "Neu-Berliner", wie er sich später noch nennen sollte, einen zweistündigen Bremerhaven-Besuch in seinen vollen Terminkalender. Einziger Besichtigungsort: das Deutsche Auswandererhaus in den Havenwelten. Auf ausdrücklichen Wunsch des Staatsoberhauptes.

Das Auswandererhaus nämlich - auch das wird der Bundespräsident am frühen Abend kundtun - knüpft an jene Rede an, die er am 3. Oktober in Bremen hielt und über die Jens Böhrnsen sagte: "Ich bin stolz auf Ihre Bremer Rede." Darin ging es nicht zuletzt um den Umgang mit Zugewanderten, um die Bedeutung der Integration jener Menschen aus anderen Ländern, die hier leben und Teil der Gesellschaft werden. Über Bremen hinaus wurde Wulffs Satz bekannt, der Islam gehöre auch zu Deutschland.

"Wenn Menschen sehen, dass Deutsche einmal ausgewandert sind, fällt es ihnen leichter, Einwanderer heute zu akzeptieren. Das Museum schafft eine Horizont-Erweiterung", sagte Christian Wulff gestern an einem der drei sogenannten "Meeting-Points", die für die Medienbegegnung vorgesehen waren. Dort stellte sich Wulff mit Bürgermeister Jens Böhrnsen und Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz den Kameras.

Der eigentliche Rundgang des Bundespräsidenten durch das mehrfach ausgezeichnete Auswandererhaus geschah nur in Begleitung ausgewählter Vertreter der Politik und des Museums. Doch der Eintrag ins Goldene Buch der Seestadt und die Übergabe des Gastgeschenks - ein Kompass - sollten abgelichtet und gefilmt werden. Richtmikrofone verschiedener Fernseh- und Hörfunksender komplettierten den Auflauf im ansonsten für die Öffentlichkeit gesperrten Haus. Auch am Ende der Führung stellte sich die Gruppe noch einmal Kameras und kurzen Fragen.

Bevor er schließlich mit dem Wagen zur Marineortungsschule gefahren wurde, um mit dem Hubschrauber Richtung Berlin abzufliegen, ließ sich der Bundespräsident dann noch auf Begegnungen mit Wartenden ein. Einer kleinen Gruppe von Menschen empfahl er wärmstens einen Besuch im Auswandererhaus und schilderte seine frischen Eindrücke. Einem gebürtigen Vietnamesen, der in Deutschland lebt, schüttelte er die Hand und erkundigte sich nach Herkunft und Familie.

"Stadt nicht aus den Augen verloren"

Außerdem wiederholte Wulff noch einmal, was er im Museum bereits verraten hatte: Sein erster Bremerhaven-Besuch liegt lange zurück. In der zehnten Klasse führte den Jungen aus Osnabrück und seine Schulkameraden eine einwöchige Fahrt in die Seestadt. "Ich habe die Stadt seitdem nicht mehr aus den Augen verloren", hatte Wulff im Museum noch angefügt.

Schon Stunden vor dem Besuch des Bundespräsidenten, der in Bremen gelandet war und von dort aus mit seiner schwarzen Limousine in die Seestadt gebracht wurde, war das Areal am Auswandererhaus von Polizisten und anderen Sicherheitskräften vorbereitet worden. Als Wulffs Wagen endlich gegen 17.30 Uhr mit der Standarte am Kotflügel vorfuhr, versammelte sich auch eine kleine Schar von Zaungästen vor dem Eingang des Auswandererhauses, an dem Jens Böhrnsen und Melf Grantz den Bundespräsidenten begrüßten.

Der Tross setzte sich nach einem kurzen Fototermin im Foyer in Bewegung. Eineinhalb Stunden sollten reichen, Wulff einen Eindruck vom Haus zu vermitteln und von der positiven Entwicklung Bremerhavens in Sachen Tourismus, Forschung und Technik sowie regenerative Energien. Einen Bundespräsidenten dafür einzunehmen, kann nicht schaden.

Integrationsbemühungen fördern

Wobei Christian Wulff auf die Frage nach seiner Einschätzung der aktuellen Islamkonferenz deutlich machte: "Der Bundespräsident mischt sich nicht in die Tagespolitik." So viel dann aber doch: Alle Integrationsbemühungen sollten gefördert werden. Und man müsse "ringen, um die Fragen, die uns trennen". Anstelle der Religion sollten andere Fragen des Zusammenlebens im Vordergrund stehen.

Für den Bundespräsidenten und seine politischen Gastgeber stand der Themenbereich Auswanderung, Einwanderung, Integration als Leitmotiv über dem gesamten Besuch. Sieben Millionen Menschen, so Melf Grantz, hatten Deutschland einst über Bremerhaven verlassen. "Menschen, die ins Ausland gingen, ohne dass sie wussten, wie sie dort aufgenommen würden", sagte der Oberbürgermeister. Er betonte, dass das Auswandererhaus seine Arbeit erweitern werde. Ein Anbau, für den im Frühjahr der Grundstein gelegt wird, soll sich der Einwanderung widmen. Für Wulff Anlass für ein Versprechen: "Spätestens, wenn der Anbau fertig ist, komme ich wieder."

In Bremen kann man dem Bundespräsidenten womöglich weitaus früher begegnen. Auf die Frage, wann er wieder in die Hansestadt kommen werde, sagte er, er könne sich vorstellen, über die Ostertage, mit der Familie von Hannover aus ganz privat nach Bremen zu fahren. "Darauf müssen Sie sich gefasst machen."

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