Beiräte Schwachhausen und Horn-Lehe wollen junge Leute regelmäßig ansprechen - der Weg ist aber noch unklar

Wunsch nach mehr Jugendbeteiligung

Schwachhausen·Horn-Lehe. Das Ziel ist beschlossene Sache, nur der Weg ist noch unklar: Der Beirat Schwachhausen will Jugendliche wieder regelmäßig am politischen Geschehen im Stadtteil beteiligen. Ob dies über ein festes Gremium geschieht oder ob Kinder und Jugendliche projektbezogen einbezogen werden, darüber gibt es bislang keine Entscheidung. Beiratssprecher Ralph Saxe (Grüne) kann sich beides vorstellen.
09.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Wunsch nach mehr Jugendbeteiligung
Von Andreas D. Becker

Schwachhausen·Horn-Lehe. Das Ziel ist beschlossene Sache, nur der Weg ist noch unklar: Der Beirat Schwachhausen will Jugendliche wieder regelmäßig am politischen Geschehen im Stadtteil beteiligen. Ob dies über ein festes Gremium geschieht oder ob Kinder und Jugendliche projektbezogen einbezogen werden, darüber gibt es bislang keine Entscheidung. Beiratssprecher Ralph Saxe (Grüne) kann sich beides vorstellen.

Erfahrungen mit einem Jugendbeirat hat Schwachhausen als Vorreiter in Bremen gesammelt. 2004 wurde das Gremium eingerichtet, doch rund zwei Jahre später war alles wieder vorbei. Maßgeblich beteiligt an dem Prozess war damals das Freizeitheim Parkallee. "Die jungen Leute sind aus dem Alter herausgewachsen, und Nachfolger sind ausgeblieben", erinnert sich Betreuer Dino Nieszery.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Karen Tintjer hat Nieszery in den vergangenen Monaten im Kippenberg-Gymnasium erfragt, welche Vorstellungen die jungen Leute selbst haben und was ihnen in Schwachhausen fehlt. Im Politikunterricht und an Projekttagen sprachen sie mit Schülern aus der neunten und elften Jahrgangsstufe sowie einer sechsten Klasse. "Die Ergebnisse sind noch nicht im Detail ausgewertet, aber grundsätzlich fanden die Jugendlichen gut, dass sie ihre Wünsche und Kritik äußern konnten", so Nieszery. Grundlegende Themenfelder waren Schule, Infrastruktur im Stadtteil, Verkehr, Treffpunkte und Spielmöglichkeiten sowie Sportangebote. Häufige Kritik gab es an fehlenden Entfaltungsmöglichkeiten für junge Leute im Stadtteil. Vielfach würden die Jugendlichen von älteren Leuten weggejagt oder beschimpft. "Das Problem ist oft fehlende Toleranz auf beiden Seiten", sagt Karen Tintjer.

Kritik an enger Bebauung

Außerdem beklagen die Befragten im Alter von zwölf bis 18 Jahren mangelnde Freiräume und die enge Bebauung in Schwachhausen. Auf einer großen Pinwand haben die beiden Betreuer die Beiträge gesammelt. Dort finden sich allerlei Wünsche - unter anderem vermissen viele junge Leute eine Dönerbude in Schwachhausen. "Das hört man immer wieder, es gibt tatsächliche keine", sagt Nieszery.

Zwar geht es den Initiatoren bei diesem Prozess hauptsächlich darum, gemeinsam mit den Jugendlichen Projekte zu entwickeln. Ob sie Interesse an einem festen Jugendbeirat haben, wurden die Schüler aber auch gefragt. Das bisherige Ergebnis fasst Karen Tintjer zusammen: "Es gibt Interessenten für beide Formen der Beteiligung." Eine eindeutige Tendenz sei allerdings zurzeit nicht auszumachen. "Das Spiel ist völlig offen", sagt auch Dino Nieszery. Der Wunsch nach einer Beteiligung sei zwar eindeutig, die Diskussion über das Modell sei aber noch in vollem Gange.

Ohne detaillierte Zielvorgaben hat auch der Ausschuss für Jugendbeteiligung das Thema behandelt. Ralph Saxe will in der kommenden Sitzung des Beirats beantragen, einen Jugendbeauftragten als Ansprechpartner für interessierte junge Leute einzusetzen. "Davon sollte man sich nicht zu viel versprechen, es geht in erster Linie darum, niedrigschwellige Angebote zu machen". so Saxe. Er hält den projektbezogenen Ansatz für altersgerechter, die Idee eines Jugendbeirats sollte nach seiner Ansicht aber auch weiterverfolgt werden. "Beides steht nicht in Konkurrenz zueinander", argumentiert Saxe.

Auch in Horn-Lehe macht man sich Gedanken über eine stärkere Jugendbeteiligung. "Nachdem etliche Versuche in der Vergangenheit nicht gerade auf großes Interesse der Jugendlichen gestoßen sind, wollen wir im Januar einen neuen Vorstoß unternehmen", kündigt Ortsamtsleiter Wolfgang Ahrens an. Zunächst wolle der Beirat Ideen sammeln, welche Form der Beteiligung Erfolg verspricht.

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