Die Nordbremer Lebenmittelhilfe bekommt weniger Spenden/Marion Dreher sammelt in ihren Bekanntenkreis Wurst und Käse werden knapp

Bis zu 170 Bedürftige versorgen sich beim Verein Nordbremer Lebensmittelhilfe regelmäßig mit Nahrungsmitteln. Doch während die Zahl der Bedürftigen steigt, nimmt die Menge der Lebensmittelspenden ab. Der Verein benötigt dringend einen Kühlwagen für den Transport. Auch Geldspenden fehlen. Nur selten unterstützen Privatpersonen die Lebensmittelhilfe. Marion Dreher ist eine Ausnahme: Sie hat Geld gesammelt, davon Obst und Süßigkeiten gekauft und diese gestern bei der Lebensmittelhilfe an Kinder verteilt.
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Wurst und Käse werden knapp
Von Julia Ladebeck

Bis zu 170 Bedürftige versorgen sich beim Verein Nordbremer Lebensmittelhilfe regelmäßig mit Nahrungsmitteln. Doch während die Zahl der Bedürftigen steigt, nimmt die Menge der Lebensmittelspenden ab. Der Verein benötigt dringend einen Kühlwagen für den Transport. Auch Geldspenden fehlen. Nur selten unterstützen Privatpersonen die Lebensmittelhilfe. Marion Dreher ist eine Ausnahme: Sie hat Geld gesammelt, davon Obst und Süßigkeiten gekauft und diese gestern bei der Lebensmittelhilfe an Kinder verteilt.

Lüssum-Bockhorn. Kistenweise schleppen die Helfer die Lebensmittel-Spenden ins Haus. Während Axel Kah und Günter Klautzsch die Körbe mit dem Brot, Obst, Gemüse, Joghurt und Käse ausladen, sind Nina Wigger, Lena Justus und weitere Ehrenamtliche bereits mit dem Sortieren beschäftigt. "Matschige Äpfel und Orangen mit schimmeligen Stellen kommen in den grünen Korb. Die bringen wir später zum Bauern", erläutert Nina Wigger. Die 19-Jährige ist arbeitslos und hilft derzeit bis zu vier Mal in der Woche ehrenamtlich bei der Nordbremer Lebensmittelhilfe mit.

Die Frauen und Männer arbeiten unter Hochdruck. Viel Zeit ist nicht mehr, bis die Lebensmittelausgabe für Bedürftige an diesem Donnerstag öffnet. "Heute ist ein guter Tag", sagt Manuela Olthoff mit Blick auf die Menge der Spenden, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter an diesem Vormittag von den Supermärkten und Bäckereien abgeholt haben. Die erste Vorsitzende des Vereins Nordbremer Lebensmittelhilfe ist froh, denn so gut wie heute sind die Regale in der Schwaneweder Straße 70 längst nicht immer gefüllt.

Etwa 140 bis 170 Bedürftige versorgen sich dort regelmäßig mit Nahrungsmitteln. 20 Euro Mitgliedsbeitrag zahlen sie monatlich und können dafür zweimal pro Woche so viele Lebensmittel abholen, wie sie brauchen. Dazu kommen im Schnitt 20 Bedürftige, die sich mit einem Kostenübernahmeschein vom Jobcenter jeweils einen Monat lang bei der Lebensmittelhilfe kostenlos mit Nahrungsmitteln versorgen.

"Brot, Obst und Gemüse bekommen wir momentan genug", sagt Olthoff. "Wurstwaren und Käse sind dafür seit einiger Zeit ziemlich knapp." Das sei so, seit die Metro Group Logistics (MGL) in Horn-Lehe die Lebensmittelhilfe nicht mehr mit Nahrungsmitteln versorge. MGL hatte die Zusammenarbeit beendet, weil der Verein keinen Kühlwagen für den Transport der Lebensmittel-Spenden besitzt.

"Seitdem mangelt es uns oft an Käse und Wurstwaren", erzählt die erste Vorsitzende. Das sei besonders jetzt vor Weihnachten schade. "Die Leute hätten an den Feiertagen ja auch gerne etwas Gutes zu essen." Dabei erwartet der Verein für das kommende Jahr, das die Zahl der Bedürftigen noch weiter ansteigt. "Die Jobcenter verhängen immer häufiger Sanktionen", nennt Günter Klautzsch, Schriftführer des Vereins, einen Grund. Derzeit spenden etwa 20 Nordbremer Supermärkte Lebensmittel, die nicht mehr ganz frisch aussehen oder deren Haltbarkeitsdatum fast oder knapp überschritten ist. Dazu gehören Rewe-, Aktiv-, Marktkauf- und Netto-Märkte. Brot und Backwaren bekommt der Verein von der Bäckerei Starke in Neuenkirchen, vom Bio-Bäcker in der Lindenstraße und von zwei türkischen Bäckereien in der Mühlenstraße und im Neuenkirchener Weg.

Für das kommende Jahr hat sich der Vorstand ein wichtiges Ziel gesetzt: "Wir wollen unbedingt das Geld für einen Kühltransporter zusammenbekommen", sagt die Vorsitzende. Etwa 5000 Euro benötige die Lebensmittelhilfe für die Anschaffung. "Wir hoffen, dass wir dann wieder Lebensmittel von MGL bekommen", sagt Olthoff. Auch von Fleischereien in der Umgebung erhofft sich der Verein Unterstützung. "Ich habe schon bei mehreren Fleischern angefragt, doch bisher nur Absagen bekommen", erzählt die Vorsitzende, die trotzdem nicht aufgeben und weiterhin um Unterstützung für die Lebensmittelhilfe bitten will. Ab und zu bekommt der Verein kleinere Spenden von Privatpersonen. So hat Marion Dreher in ihrem Bekanntenkreis und der Familie Geld gesammelt, selbst etwas dazu gelegt und von den insgesamt 250 Euro Süßigkeiten, Kekse und Obst gekauft. "Die Kinder freuen sich doch über einen bunten Teller zu Weihnachten", sagt die 52-Jährige, während sie die ersten Tüten verteilt. Auf die Idee, die

Lebensmittelhilfe zu unterstützen, ist die Nordbremerin gekommen, weil sie nach ihrer Scheidung selbst eine Zeit lang auf Hilfe angewiesen war. Zusätzlich hat Marion Dreher beim ADAC Spenden eingeworben. Der Automobilclub stellte 100 Sicherheitskragen mit Reflektoren für Kinder zur Verfügung.

Die Nordbremer Lebensmittelhilfe befindet sich in der Schwaneweder Straße 70. Die Ausgabezeiten sind montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils zwischen 13.30 Uhr und 14.30 Uhr, mittwochs öffnet die Lebensmittelhilfe um 12.15 Uhr, dazu werden an diesem Tag Lebensmittel an ältere Bedürftige ausgeliefert, die nicht mehr selbst kommen können. Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich an Manuela Olthoff wenden, Telefon 0421/68458676 und 0176/60980282. Das Spendenkonto bei der Sparkasse in Bremen, BLZ 29050101 hat die Kontonummer 1642776. Weitere Informationen unter www.nordbremer-lebensmittelhilfe.de

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