Ministerinnen sehen Unternehmen in der Pflicht

Zahl der Ausbildungsverträge sinkt

Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist deutschlandweit weiter zurückgegangen. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2015 hervor, den gestern Bildungsministerin Johanna Wanka und Arbeitsministerin Andrea Nahles gemeinsam in Berlin vorgestellt haben.
16.04.2015, 00:00
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Zahl der Ausbildungsverträge sinkt
Von Kira Pieper
Zahl der Ausbildungsverträge sinkt

Ein Auszubildender schweißt an einem Metallteil, während der Berufsschullehrer zuschaut.

Daniel Bockwoldt, dpa

Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist deutschlandweit weiter zurückgegangen. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2015 hervor, den gestern Bildungsministerin Johanna Wanka und Arbeitsministerin Andrea Nahles gemeinsam in Berlin vorgestellt haben.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 522 200 Lehrverträge neu abgeschlossen. Das sind 1,4 Prozent weniger, als 2013. Die Ministerinnen erklärten: Dies liege am demografischen Wandel und der damit verbundenen sinkenden Zahl an Schulabgängern. Außerdem würden immer mehr junge Leute studieren anstatt eine Ausbildung zu beginnen. Bei den noch offenen betrieblichen Ausbildungsplätzen konnte ein neuer Höchststand von 37100 verzeichnet werden. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2009.

In Niedersachsen spiegelt sich dieser Trend wieder: Dort blieben im vergangenen Jahr 5,5 Prozent der ausgeschriebenen Stellen unbesetzt, 2013 waren es noch 4,1 Prozent der Angebote. In Bremen ergibt sich das umgekehrte Bild: Dort blieben 2013 noch 4,5 Prozent der Ausbildungsangebote erfolglos, 2014 waren es lediglich noch 3,6 Prozent.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel betonte Ministerin Wanka die Bedeutung der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Dafür sei es vor allem wichtig, dass die Gesellschaft Ausbildungsberufe wieder mehr wertschätze. Die Steigerung der Attraktivität der beruflichen Bildung sei eine Aufgabe, der sich gerade die Unternehmen mit ganzer Kraft widmen müssten. Sie bedauere die „Bestenauslese“, die bei der Besetzung von Ausbildungsstellen betrieben werde. Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Handwerkskammern, bestätigt, dass die Qualität der Ausbildung hierzulande einen höheren Stellenwert verdient hat: „Die gute Ausbildung ist unser Markenzeichen in der Welt und nicht das Abitur“, sagte er. Um Anerkennung zu erreichen, sieht er aber nicht in erster Linie die Betriebe in der Pflicht. Vielmehr sieht Koch Nachbesserungsbedarf in der schulischen Ausbildung. Viele junge Leute würden bereits dort schlecht ausgebildet und seien deswegen für handwerkliche Betriebe schlichtweg nicht geeignet. Denn: „Auch Handwerksberufe kann nicht jeder lernen“, erklärt der Geschäftsführer. Zudem müsse in den Schulen – und damit meine er alle Schulzweige – mehr für die Berufsorientierung getan werden. „Alle Schüler müssen einen Einblick in das Wirtschaftsleben bekommen.“ Das gelte auch für Abiturienten. Auch ihr Blickwinkel müsse über akademische Berufe hinausreichen.

Karlheinz Heidemeyer, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bremen, dementiert indes, dass die Unternehmen Abiturienten bevorzugen. „Manche haben sogar Realschüler lieber, weil die nach der Ausbildung nicht mehr studieren“, sagte er.

Der Berufsbildungsbericht offenbarte außerdem, dass der Anteil erfolgloser Ausbildungsplatzsucher um 0,1 Prozent zurückgegangen ist. Dies deckt sich wiederum mit den Zahlen aus Niedersachsen: Dort hatten 2013 zum Ausbildungsbeginn noch 18,3 Prozent der Jugendlichen keine Lehre gefunden, 2014 waren es 17 Prozent. Im bundesweiten Vergleich verzeichnet Niedersachsen damit den höchsten Anteil an erfolglosen Ausbildungsplatzsuchen. In Bremen verlief der Trend umgekehrt: 2013 waren 12,9 Prozent der Suchen ergebnislos, 2014 waren es 13 Prozent.

Um künftig vor allem schwachen Schüler eine Lehre zu ermöglich, möchte die Bundesregierung in den nächsten drei Jahren insgesamt 1,3 Milliarden Euro investieren. Andrea Nahles betonte, dass mit dem Geld insbesondere der Übergang zwischen Schule und Beruf noch intensiver unterstützt werden müsse. Sie sprach von Projekten, die nach Modellversuchen nun großflächig angewendet werden sollen. Dabei sollen Jugendliche schon lange vor ihrem Abschluss an der Schule bis ins erste Halbjahr ihrer Ausbildung begleitet werden. Etwa 10 000 Schüler können sogar Plätze für eine assistierte Ausbildung bekommen. Das heißt, sie werden drei Jahre begleitet. Kommentar Seite 2

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