DLRG-Statistik

Zahl der Badetoten in Bremen gesunken

Die DLRG stellt ihre Zwischenbilanz vor. Seit Jahresbeginn sind 250 Menschen in Deutschland ertrunken – das sind 29 weniger als im Vorjahr. Grund für den Rückgang: das Wetter.
01.08.2019, 19:47
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Zahl der Badetoten in Bremen gesunken
Von Elena Matera
Zahl der Badetoten in Bremen gesunken

Der Hauptgrund für den Rückgang ist laut DLRG das durchwachsene Wetter – trotz der Tropenhitze der vergangenen Tage.

Marcel Kusch/dpa

Seit Jahresbeginn sind bundesweit 250 Menschen beim Baden ertrunken. Bremen beklagt einen Badetoten. In Niedersachsen sind es 29. Das geht aus der Sommerzwischenbilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hervor, die sie am Donnerstag in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) vorgestellt hat. Der Statistik zufolge sind seit Jahresbeginn damit bundesweit weniger Menschen beim Baden ertrunken als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Der Hauptgrund für den Rückgang ist laut DLRG das durchwachsene Wetter – trotz der Tropenhitze der vergangenen Tage.

„Im Gegensatz zum Vorjahr waren der Frühling und der erste Sommermonat in diesem Jahr bislang doch eher verhalten und das spiegelt sich in den erfassten Zahlen wider“, sagt Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG. „Die Zahl der Ertrunkenen ist nun mal sehr wetterabhängig.“ Zwei Ausnahmen gibt es allerdings in der Statistik: In den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Badetoten leicht gestiegen. Im Ländervergleich hat Bayern mit 65 Fällen die meisten Ertrunkenen zu beklagen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 40 (Stand: 20. Juli). Trotz des bundesweiten Rückgangs ist laut Wiese die Zahl der Badetoten in diesem Jahr dennoch hoch und besorgniserregend.

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In Bremen ist erst am Donnerstag vergangener Woche ein Mann im Stadtwaldsee, auch Unisee genannt, ertrunken. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist bislang unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Bisher ist es der einzige Badetote in diesem Jahr. 2018 gab es insgesamt neun Badetote in Bremen.

Blickt man auf Niedersachsen, kann auch dort eine geringere Zahl an Badetoten als im Vorjahr ausgemacht werden. Bis Ende Juli sind dort 29 Menschen ertrunken, 2018 waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 41. „Es sind noch immer zu viele Badetote“, sagt Christoph Penning, Pressesprecher der DLRG-Niedersachsen. „Wenn das Wetter wieder besser werden sollte, wird tendenziell auch die Zahl der Ertrunkenen ansteigen“, sagt Penning. In Niedersachsen waren 23 der Ertrunkenen männlich und sechs weiblich. „Es ist jedes Jahr das Gleiche“, sagt Penning. „Männer sind stets risikofreudiger. Sie überschätzen sich leider oft selbst und bringen sich dadurch in Gefahr.“

Auch bundesweit bestätigt sich diese These. Von den 250 Ertrunkenen sind 201 männlich. Ein weiteres Problem bei den Badeunfällen stellt laut Penning die schlechtere Schwimmfähigkeit bei Kindern dar. Bundesweit könnten nur knapp mehr als 40 Prozent der Kinder nach der Grundschule schwimmen. In den 1990er-Jahren seien das noch nahezu 90 Prozent gewesen. „Schwimmbäder werden geschlossen, Schwimmunterricht fällt aus, die Preise oft einfach zu hoch. Das ist ein großes Problem“, sagt Penning. „Das muss sich dringend ändern.“

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Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor insbesondere an ungesicherten Badestellen. Mindestens 231 Menschen sollen bundesweit dort ums Leben gekommen sein, das sind mehr als 90 Prozent der Gesamtzahl. 131 Menschen starben in Seen und Teichen, 76 in Flüssen, jeweils neun in einem Kanal oder Bach, fünf in Hafenbecken, einer in einem Graben. An Flüssen, Seen und Teichen sind laut Wiese in den wenigsten Fällen Rettungsschwimmer im Einsatz, daher sind jene Badestellen besonders gefährlich. „Wir betonen immer wieder unsere Bereitschaft, mit Kommunen oder Landkreisen zusammenzuarbeiten“, sagt der Pressesprecher. „Ein simples Badeverbotsschild reicht eben nicht aus, um Menschen vorm Sprung ins unbewachte und vor allem unbekannte Gewässer abzuhalten.“

In Nord- und Ostsee ertranken mit sieben Personen (eine in der Nord-, sechs in der Ostsee) eine weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Das ist ein Indiz dafür, dass unser Zentraler Wasserrettungsdienst Küste ZWRD-K hervorragende Arbeit leistet und funktioniert“, sagt Wiese. Hauptgründe für das Ertrinken seien auch dort das Baden an unbewachten Stränden sowie Alkohol, Leichtsinn und Selbstüberschätzung.

Auch durch Alkohol und Selbstüberschätzung gefährden sich Schwimmer laut DLRG immer wieder selbst. Als Risikogruppe identifizierte die Gesellschaft im vergangenen Jahr außerdem Geflüchtete. Diejenigen, die in diesem Zeitraum ertrunken waren, seien nahezu alle Nichtschwimmer gewesen.

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