Verbot von Großveranstaltungen Zahl der Corona-Infizierten steigt in Bremen stark an

Innerhalb eines Tages ist die Zahl der Infizierten im Land Bremen sprunghaft angestiegen. Konzerte und Messen werden reihenweise abgesagt, und Werder muss am Montag vor leeren Rängen spielen.
11.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sara Sundermann und Jürgen Theiner

Eine Gruppe von Ski-Fahrern aus Bremen und dem niedersächsischen Umland hat sich bei einem Aufenthalt in Oberitalien mit dem Coronavirus angesteckt. Bisher wurden 15 Personen allein aus Bremen positiv getestet. Das bestätigt das Bremer Gesundheitsamt. Die Reisegruppe eines Bremer Veranstalters hatte ihren Ski-Urlaub im Ort Obereggen im Trentino verbracht und war am Sonntag aus Italien zurückgekehrt. Zudem wurden am Dienstag in Bremen zwei weitere neue Infektionen registriert. Diese beiden Fälle stehen laut Behörde nicht im Zusammenhang mit der Reisegruppe, für diese Fälle würden derzeit die Kontaktpersonen recherchiert. Zudem ist das Virus in Bremerhaven angekommen: Dort wurde ein Mann positiv getestet, der zuvor im Ski-Urlaub in Österreich war.

Damit ist die Zahl der Bremer Corona-Infizierten innerhalb eines Tages sprunghaft angestiegen: Am Dienstagabend gab es 22 bestätigte Fälle im Land Bremen. Noch am Dienstagmittag war von lediglich vier bestätigten Fällen die Rede. Zum Vergleich: Seit Beginn des Jahres 2020 wurden 258 Grippe-Erkrankungen in der Stadt Bremen gemeldet.

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Auch im niedersächsischen Umland von Bremen gibt es nun erste Infektionen. Zwei Personen aus dem Landkreis Osterholz erkrankten – sie werden in einer Klinik in Frankfurt am Main behandelt. Zudem wurden im Landkreis Verden zwei Corona-Fälle bestätigt: Ein Ehepaar habe sich bei einem Ski-Urlaub in Norditalien angesteckt. Im Landkreis Diepholz wurde eine Infektion gemeldet.

Unterdessen hat Bremen alle Großveranstaltungen verboten, für die mehr als 1000 Karten verkauft wurden. Damit steht nun auch fest, dass Werder Bremen am Montag ein Spiel vor leeren Rängen im Weserstadion bevorsteht. Neue Regeln gelten ab jetzt auch für kleinere Veranstaltungen.

Bei Nichteinhaltung drohen Zwangsmaßnahmen

Dazu erlässt das Bremer Ordnungsamt eine sogenannte Allgemeinverfügung, die von Donnerstag, 12. März bis Donnerstag, 26. März, gelten soll. Wird sie nicht eingehalten, drohen Zwangsmaßnahmen von Bußgeldern bis hin zur Veranstaltungsauflösung durch die Polizei. Das stellten Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) und Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Dienstag in einer Senatspressekonferenz klar. „Als oberste Maxime gilt: Wir wollen den Prozess der Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen“, sagte Bernhard. Jeder Tag, um den man die Ausbreitung bremsen könne, zähle.

Die Entscheidung betrifft zahlreiche Veranstaltungen. Abgesagt werden müssen Senator Mäurer zufolge beispielsweise ein Konzert der Band Annenmaykantereit in der ÖVB-Arena oder ein Auftritt von Helge Schneider. Parallel wurden am Dienstag immer mehr Events von den Veranstaltern selbst abgesagt, zum Beispiel die Ehrenamtsmesse Aktivoli im Rathaus und die Messe „Made in Bremen“ im BLG-Forum sowie mehrere klassische Konzerte in der Glocke. Eine aktuelle Liste aller abgesagten Veranstaltungen haben wir hier für Sie zusammengefasst. Betroffen von der 1000-Teilnehmer-Regel sind Mäurer zufolge auch Flohmärkte, etwa jener an der Schlachte. Ob die Bremer Osterwiese, die für den 3. bis 19. April geplant ist, stattfinden kann, ist aktuell noch nicht klar. Der Senat will sich für diese Entscheidung noch etwas Zeit nehmen und die Corona-Entwicklung in den kommenden Tagen beobachten.

Das Werder-Heimspiel gegen Leverkusen am Montag kann entweder als Geisterspiel stattfinden – „oder gar nicht“, betont Mäurer. „Es können 22 Mann im Stadion spielen“, sagte der Senator. „Sicher ist, dass am Montag keine Zuschauer im Weserstadion sein werden.“ Er rechnet damit, dass sich bei einem Geisterspiel dennoch Werder-Fans vor dem Stadion oder im Viertel versammeln könnten. „Im Zweifel müssen wir auch dann wieder starke Polizeikräfte zur Verfügung stellen.“

Mäurer stellte klar: „Ich bin ein entschiedener Gegner dieser Geisterveranstaltungen.“ Spiele vor leeren Rängen seien für kleinere Vereine nicht leistbar. Der Senator kritisierte die DFL scharf: Es sei „unverantwortlich“, dass die DFL trotz der Ausbreitung des Coronavirus darauf dringe, dass die Bundesliga bis Ende Mai zu Ende gebracht werde. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) forderte die DFL sogar auf, die Bundesliga-Spiele des kommenden Wochenendes allesamt zu verschieben.

Auch Demonstrationen und Gottesdienste betroffen

„Wir haben entschieden, dass bei Veranstaltungen mit über 1000 Leuten nichts mehr geht“, unterstrich Mäurer. Das gelte für öffentliche Veranstaltungen ebenso wie für private – auch eine Hochzeitsfeier mit 2000 Gästen müsste demnach ausfallen. Zu den Veranstaltungen, die von der Bremer Verordnung betroffen sind, zählen dem Senat zufolge außerdem Demonstrationen und Gottesdienste.

Neu ist auch, dass ab jetzt alle Veranstaltungen ab 250 Personen dem Ordnungsamt gemeldet werden müssen. Bei diesen Veranstaltungen werde das Ordnungsamt einzelfallbezogene Entscheidungen treffen, erklärte Mäurer. Auch für Veranstaltungen mit unter 1000 Teilnehmern werde man bei Bedarf Auflagen erteilen: Dazu gehört beispielsweise, dass Räume gut belüftet und genügend Toiletten und Gelegenheiten zum Händewaschen vorhanden sein müssen. Das Ordnungsamt könne auch Veranstaltungen und Ansammlungen mit unter 1000 Teilnehmern verbieten, wenn solche Hinweise des Robert-Koch-Instituts nicht genug Beachtung fänden.

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das auch das Musical Flashdance im Metropoltheater abgesagt werden muss. Nach Angaben des Theaters finden jedoch alle Veranstaltungen von Flashdance statt.

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