Walter Schubert (90) ist bis vor 15 Jahren aufgetreten / Seine Requisiten lagern im Keller Zauberer sucht Lehrling

Blockdiek. "Abrakadabra", "Simsalabim", "Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarzer Kater": Ein Trommelwirbel, ein Tusch, und Peter Berto stand auf der Bühne. Mehr als 50 Jahre lang verzauberte Walter Schubert unter diesem Namen sein Publikum in ganz Deutschland. Er zog Blumen aus leeren Röhren, schnitt Männern die Krawatten ab, die sofort wieder nachwuchsen, und verblüffte die Zuschauer mit Kartentricks. "Manipulation", der geschickte Einsatz seiner Hände, war seine Leidenschaft. Jetzt, mit 90 Jahren, zaubert er nicht mehr. "Die Finger machen nicht mehr so mit wie früher."
16.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mahlstedt

Blockdiek. "Abrakadabra", "Simsalabim", "Hokuspokus Fidibus, dreimal schwarzer Kater": Ein Trommelwirbel, ein Tusch, und Peter Berto stand auf der Bühne. Mehr als 50 Jahre lang verzauberte Walter Schubert unter diesem Namen sein Publikum in ganz Deutschland. Er zog Blumen aus leeren Röhren, schnitt Männern die Krawatten ab, die sofort wieder nachwuchsen, und verblüffte die Zuschauer mit Kartentricks. "Manipulation", der geschickte Einsatz seiner Hände, war seine Leidenschaft. Jetzt, mit 90 Jahren, zaubert er nicht mehr. "Die Finger machen nicht mehr so mit wie früher."

In Gaststätten und Hotels in Bremen ließ Peter Berto Tücher die Farbe wechseln und Seile nach seiner Pfeife tanzen. Am liebsten verwandelte er einzelne Ringe in eine ganze Ring-Kette: Zwei Zuschauer durften auf die Bühne kommen, die Ringe genau unter die Lupe nehmen und nach versteckten Öffnungen suchen, durch die sie ineinander geschoben werden können. "Die waren immer so perplex", erinnert sich Walter Schubert, "sie konnten einfach nicht begreifen, wie das funktionieren kann." Was es ohne den passenden Spruch auch nicht konnte. "Zaubersprüche sind wichtig", sagt Walter Schubert.

Fächer aus Falschgeld

Bis er 75 Jahre alt war, verdiente er Geld mit der Zauberei. Auf alten Schwarz-weiß-Fotos wedelt Peter Berto sich mit einem Fächer aus - falschen - Geldscheinen Luft zu. Immer mehr davon "produzierte" er bei seinen Auftritten. Das rief sogar schon die Polizei auf den Plan. Dabei war er es, der die Hilfe der Beamten brauchte, als sein Koffer mit den Requisiten aufgebrochen und - die echten - Fünf-Mark-Stücke gestohlen wurden, die er seinen Zuschauern aus dem Ärmel zog.

Schon als Kind lernte der gebürtige Thüringer seine ersten Tricks. Später unterhielt er Freunde, Bekannte und seine Kollegen in der Rüstungsfabrik, im Flugzeugbau. "Mensch, stell doch mal ein richtiges Programm zusammen", forderten sie ihn auf. Er beschaffte sich die Lizenz, ohne die es in der Zeit des Nationalsozialismus nicht ging, und legte los. Während des Zweiten Weltkrieges unterhielt er die Truppen, munterte die Verletzten auf. Er musste nicht selbst kämpfen, aber ohne ihn wurde kein Flugzeug fertig, er baute das Radar ein. Seine Kunststücke befreiten ihn auch aus der amerikanischen Gefangenschaft in Frankreich. "Ich habe jetzt so viel für euch gezaubert, als Dankeschön entlasst mich", schlug er den Amerikanern vor. Und er durfte gehen. Nach Hamburg, wo er nie zuvor gewesen war. In der ersten Nacht schlief er in einem Bunker auf dem Boden, am zweiten Tag suchte er sich eine Agentin. Die nahm ihn mit Kusshand. Und aus Walter Schubert wurde Peter Berto. Fritz Börner holte ihn für

sein "Gastspielunternehmen" nach Bremen. Hier lernte er seine Frau Else kennen, die fortan nicht nur bei der Bremer Eiswette auf Rollschuhen begeisterte, sondern bis zur Geburt ihrer Kinder auch ihrem Mann in ganz Deutschland auf der Bühne zur Seite stand.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit waren die Aufträge allerdings erst einmal rar. "Keiner wollte mehr Geld ausgeben fürs Varieté", sagt Walter Schubert. Deshalb stellte er sich auf die Straße, lockte mit seinen Tricks die Leute an und verkaufte ihnen dann Rasierklingen. Da hatte er es auf der "Europa" komfortabler. Filmaufnahmen aus dem Jahr 1961 zeigen, wie er die Kreuzfahrer mit Kartentricks in Staunen versetzt und ein Schnapsglas nach dem anderen aus einer Flasche füllt, der man ein entsprechendes Fassungsvermögen eher nicht zutraut. Und weil auf dem Schiff alle so nett zu ihm waren, gab er auch schon mal eine kostenlose Vorstellung für die Besatzung.

Im Varieté "Astoria" in der Altstadt trat Peter Berto mit dem Magischen Zirkel Bremen einmal im Jahr für einen guten Zweck auf. Im "Astoria" lernte Walter Schubert auch Roy Horn kennen, den Varietéchefin Elisabeth Fritz bei einem Auftritt mit Siegfried Fischbacher auf einem Kreuzfahrtschiff entdeckt hatte. Sie verschaffte dem Duo das erste Engagement an Land - und die beiden wurden die bekanntesten Illusionisten der Welt.

"Heute sind die meisten Zauberer Illusionisten", sagt Walter Schubert. "Manipulatoren gibt es kaum noch." Seine Requisiten lagern im Keller seines Hauses in Blockdiek. Genau wie ein Stapel "Magie", der Zeitschrift des Magischen Zirkels. "Da suche ich jetzt jemanden, der alles haben will", sagt der 90-Jährige. "Den würde ich sogar anlernen."

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