Senat erklärt Innenstadt zur Chefsache

Zech startet Initiative für Bremer City

Der Bremer Unternehmer Kurt Zech will noch in diesem Jahr eine Veranstaltung zu den geplanten Projekten in der Bremer City starten - unter anderem geht es um das Parkhaus Mitte, Karstadt und Kaufhof.
09.10.2017, 00:00
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Zech startet Initiative für Bremer City
Von Jürgen Hinrichs
Zech startet Initiative für Bremer City

Die Bremer City soll umgestaltet werden - der Unternehmer Kurt Zech will dafür noch in diesem Jahr eine Initiative starten.

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Der Bremer Kaufmann Kurt Zech strebt einen Pakt zur Entwicklung der Bremer Innenstadt an. Noch in diesem Jahr soll es auf seine Initiative hin eine große, möglicherweise zweitägige Veranstaltung zu den geplanten Projekten der kommenden Jahre geben. Eingeladen werden nach Informationen des WESER-KURIER sämtliche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die eine maßgebliche Rolle spielen, wenn die City sich grundlegend verändert. Zech denkt an ein neues System von Passagen und will dafür das Parkhaus Mitte erwerben und abreißen. Auch Karstadt und Galeria Kaufhof sollen einbezogen werden. Damit verwoben sind die Pläne anderer Investoren. Sie bringen den Lloydhof ein und das Bremer Carree.

Der Bremer Senat nimmt diese Entwicklung auf und hat sie zur Chefsache erklärt, wie aus einer Antwort der Regierung hervorgeht. Zur Koordinierung und Steuerung trifft sich demnach regelmäßig ein Gremium, dem Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und die Senatoren für Finanzen, Bau und Wirtschaft angehören.

Lloydhof und Bremer Carree sind weitere Bausteine

Zech hatte sein Vorhaben im Juli bekanntgemacht und im Interview mit unserer Zeitung erklärt, dass er zügig vorangehen ­wolle. „2021 könnte klappte“, sagte der Unternehmer auf die Frage nach der möglichen Fertigstellung. Die reine Bauzeit für das Projekt schätzt er auf zweieinhalb bis drei Jahre. Der Bremer Senat hatte die Pläne ausdrücklich begrüßt und dem Investor Unterstützung zugesagt. Zech ist zuversichtlich: „Ich glaube, die Stadt und die Fachgremien sind bereit, einen solchen Lösungsweg mitzugehen. Wir dürfen bloß jetzt nicht zwei Jahre diskutieren.“

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Weitere Bausteine für die Umgestaltung der Innenstadt sind der Lloydhof und das Bremer Carree. Beide Gebäude liegen in unmittelbarer Nähe zum Komplex von Karstadt und Kaufhof. Das Carree mit einer Nutzfläche von 12.000 Quadratmetern ist im Juli an das Hamburger Unternehmen Quest und den Immobilienfonds Warburg-HIH Invest verkauft worden. Ein Viertel der Fläche steht zurzeit leer; es sind die Geschäftsräume, die an den Ansgarikirchhof grenzen. Die Käufer versprechen ein neues Konzept, können auf Anfrage aber noch nicht sagen, welche Mieter ins Spiel kommen.

Quest wird von zwei Geschäftsführern geleitet, die früher Partner bei Art-Invest Real Estate waren, einem Immobilienentwickler, der seine Geschäfte mit dem Geld von Kurt Zech macht. Und es gibt noch eine Verbindung: Hauptinvestor bei Quest ist Erck Rickmers, Spross der Hamburger Reederei-Familie Rickmers. Zech verhandelt gerade über den Kauf von weiten Teilen der insolventen Reederei. Sie gehört Bertram Rickmers, dem Bruder von Erck Rickmers. Es gibt diese verwandtschaftliche Beziehung. Ansonsten muss man die Unternehmen getrennt betrachten. Auf der einen Seite die Reederei, auf der anderen Seite die Unternehmensgruppe von Erck Rickmers, die E.R. Capital Holding, sie hat mit der Insolvenz nichts zu tun.

Lloydhof soll an Denkmalneu verkauft werden

Der Lloydhof hat eine Nutzfläche von knapp 15.000 Quadratmetern, die sich auf Wohnungen, Büros und Geschäfte verteilen. Er sollte ursprünglich abgerissen werden, um einem großen Einkaufspark Platz zu machen. Die Stadt hatte das Gebäude dafür eigens gekauft. Als die Pläne für das sogenannte City-Center scheiterten, schrieb Bremen den Lloydhof zum Verkauf aus, unter anderem mit der Auflage, den Kern des Komplexes zu erhalten. In einer aktuellen Mitteilung von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) wird vermeldet, dass ein Käufer gefunden worden sei, doch so sicher ist das noch nicht.

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„Wir sind auf einem guten Weg“, erklärte auf Anfrage Thomas Scherer, Geschäftsführer des Projektentwicklers Denkmalneu. Das Unternehmen aus Bayern bekam von der Stadt den Zuschlag, weil es unter den drei Bewerbern am meisten Geld geboten hatte, eine Summe zwischen 20 und 25 Millionen Euro, und auch mit seinem Konzept überzeugen konnte. Bremen hatte vor fünf Jahren für den Lloydhof 23,8 Millionen Euro bezahlt.

Scherer ist zwar sehr optimistisch, dass aus dem Projekt etwas wird, er weist aber darauf hin, dass in den Verhandlungen noch Punkte offen seien, darunter der Fassadenwettbewerb, den die Stadt im Verkaufsprospekt für das Gebäude vorgeschrieben hat. Denkmalneu hat offenbar Probleme damit. Ein entscheidendes Hindernis solle das aber nicht werden, beteuert das Unternehmen. Scherer geht davon aus, dass der Handel in einigen Wochen perfekt ist und bis zum Jahreswechsel beurkundet werden kann. Anfang 2019 will er damit beginnen, den ­Lloydhof umzubauen und kalkuliert dafür ein volles Jahr ein. Die Entwicklung in der Nachbarschaft findet der Geschäftsführer spannend: „Wir beobachten natürlich, was aus den Plänen von Kurt Zech wird und wollen mit ihm ins Gespräch kommen.“

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