Wie Antibiotika wirken

Zehn Fakten zu Antibiotika

Antibiotika töten Bakterien und heilen so Menschen. Allerdings helfen sie nicht bei jeder Krankheit - und auch nur dann, wenn die Regeln für die Einnahme strikt eingehalten werden. Die wichtigsten Fakten.
26.05.2019, 19:35
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Sabine Meuter und Sabine Doll
Zehn Fakten zu Antibiotika

Antibiotika können Leben retten. Dafür müssen sie aber richtig eingesetzt und eingenommen werden.

Matthias Hiekel/dpa

Antibiotika gehören zu den am meisten verordneten Arzneimitteln in Deutschland. Allein im ambulanten Bereich verschreiben Ärzte pro Jahr 500 bis 600 Tonnen, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Trotzdem seien Antibiotika keine Allerweltsmedizin, die inflationär verschrieben werden dürften. Auch bei der Einnahme gebe es einiges zu beachten. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:


Was sind Antibiotika?

Das Wort setzt sich aus den Bestandteilen „Anti“ (gegen) und „bios“ (Leben) zusammen. „Antibiotika sind Medikamente und wirken gegen das Leben von Bakterien“, erklärt Professor Ulrich Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Anders gesagt: Antibiotika töten also Krankheitserreger ab oder hemmen ihr Wachstum.


Bei welchen Erkrankungen helfen sie, und in welchen Fällen sind sie wirkungslos?

Antibiotika wirken nur bei bakteriell bedingten Erkrankungen. Das sind etwa Entzündungen von Mandeln, Lunge, Blase oder Hirnhaut. „Keine Wirkung entfalten Antibiotika dagegen bei Infekten, die durch Viren verursacht wurden“, betont Fölsch. Bei einer Grippe, die durch Influenza-Viren verursacht wird, helfen Antibiotika demnach nicht. Allerdings können Bakterien leichter in den Körper eindringen und sich vermehren, wenn der Körper durch eine Virusinfektion geschwächt ist. Ein viraler Infekt der Lungenwege kann beispielsweise in eine bakterielle Lungenentzündung münden. Deshalb kann es nach Angaben der Bundeszentrale in manchen Fällen notwendig sein, auch bei viralen Infekten ein Antibiotikum einzunehmen.


Welche Präparate gibt es, was sind die Unterschiede?

Über 80 verschiedene Wirkstoffe werden als Antibiotika eingesetzt, betont Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Denn nicht jedes Antibiotikum könne jedes Bakterium stoppen. Sogenannte Breitband-Antibiotika wirken nach Angaben der Expertin gegen viele verschiedene Erreger. Schmalspektrum-Antibiotika kämen eher zum Einsatz, wenn ganz bestimmte Bakteriengruppen vernichtet werden sollen. Sind die Erreger resistent, also besonders widerstandsfähig, könnten Reserveantibiotika verordnet werden, das sei aber eher die Ausnahme.


Können Patienten Einfluss darauf nehmen, was sie verschrieben bekommen – und ist das überhaupt sinnvoll?

Fölsch rät Patienten, dem Arzt zu vertrauen. Laien könnten in aller Regel nicht beurteilen, welches Antibiotikum in welcher Situation das richtige sei. „Haben Patienten bei diesem oder jenem Präparat ein ungutes Gefühl, weil etwa ein Angehöriger damit negative Erfahrungen gemacht hat, dann sollten sie dies mit ihrem Arzt besprechen“, so der Experte.


Wie entscheidet der Arzt, welches Antibiotikum ein Patient nehmen soll?

Das hängt nach Angaben der Experten vom jeweiligen Erregertypus und von der Stärke der Infektion ab. Eine Rolle spielten auch andere Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen. Der Grund: Manche Antibiotika könnten in Kombination mit bestimmten anderen Mitteln zu Komplikationen führen.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Unliebsame Nebenwirkungen sind bei der Einnahme von Antibiotika nicht ausgeschlossen. „Es kann zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit kommen“, sagt Sellerberg. Möglich seien auch allergische Reaktionen der Haut, etwa Rötungen oder Juckreiz. Bei Mädchen und Frauen können auch Scheidenpilzinfektionen auftreten.


Was ist beim Umgang mit Antibiotika zu beachten?

Patienten sollten sich unbedingt an die vorgegebenen Einnahmezeiten halten. „Dreimal täglich zum Beispiel heißt, dass das Antibiotikum alle acht Stunden eingenommen werden sollte“, so Sellerberg. Ebenfalls wichtig: Patienten müssen das Mittel so lange einnehmen, wie es verschrieben wurde. „Steht auf dem Rezept fünf Tage dreimal täglich eine Tablette, dann sollten Patienten sich strikt daran halten“, sagt Fölsch. Das gelte auch dann, wenn etwa nach zwei Tagen die Beschwerden abgeklungen sind. Wer dann die Einnahme stoppt, riskiere, dass die Bakterien eventuell noch nicht vollständig vernichtet sind.


Wie nimmt man Antibiotika am besten ein?

Zwei Stunden vor und zwei Stunden nach der Einnahme eines Antibiotikums sollte man auf Milch und Milchprodukte verzichten. „Ansonsten besteht die Gefahr, dass Magen-Darm-Beschwerden auftreten“, so Fölsch. Am besten sei es, ein Antibiotikum mit ausreichend Wasser einzunehmen. Und: Empfiehlt der Hersteller, das Antibiotikum „vor dem Essen“ einzunehmen, sollte es eine halbe bis eine Stunde vor der Mahlzeit eingenommen werden. „Zum Essen“ bedeute: direkt zur Mahlzeit.


Dürfen die Tabletten oder Kapseln geteilt werden?

Manche Menschen haben Probleme, große Tabletten zu schlucken. Allerdings: „Niemals sollten Patienten Tabletten einfach teilen, wenn sie diese als unangenehm groß empfinden. Kapseln dürfen nur geöffnet werden, wenn es ausdrücklich auf dem Beipackzettel vermerkt ist“, warnt die Apothekerkammer Niedersachsen. Patienten sollten sich bei Tabletten auch nicht von vermeintlichen Bruchrillen irritieren lassen. Diese dienten manchmal nur der Zierde. Magensaftresistente Überzüge würden bei einer Teilung zerstört. Die Tabletten könnten sich dann zu früh auflösen und daher ihre Wirkung nicht entfalten.


Was passiert mit Antibiotika-Resten?

Bleiben in einer Packung noch Tabletten übrig, kann und sollte man sie entsorgen – und nicht in die Hausapotheke packen, betont Sellerberg. „Keinesfalls sollten sie für eine nächste Infektion aufgehoben oder an andere Patienten weitergegeben werden.“ Nach Angaben der Techniker Krankenkasse werden übrig gebliebene Antibiotika in der Restmülltonne des Hausmülls entsorgt. „Heutzutage wird der Müll nicht mehr unbehandelt auf Deponien gelagert. Eine Verbrennung oder mechanisch-biologische Vorbehandlung zerstört die Arzneiwirkstoffe“, informiert die Kasse auf ihren Internetseiten. Auf diese Weise werde die Umwelt nicht durch die Wirkstoffe belastet. Schadstoffmobile oder Recyclinghöfe seien eine weitere Möglichkeit, Antibiotika zu entsorgen. Auch einige Apotheken übernähmen die Entsorgung.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+