Mit der Stadtbibliothek ist das frühere Polizeihaus zum vielfältig genutzten öffentlichen Raum geworden

Zehn Jahre Kulturzentrale am Wall

Jugendliteratur in der Neustadt, Romane und Sachbücher am Schüsselkorb, Musik außer der Schleifmühle und Kunst im Bun-tentor: Viele wissen noch, wie der Stadtplan für Bücherfreunde aussah, bevor die Zentralbibliothek im Herbst 2004 ins ehemalige Polizeihaus am Wall zog. Jetzt sind zehn Jahre vergangen – und am Wall ist eine Kulturzentrale entstanden.
07.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Zehn Jahre Kulturzentrale am Wall
Von Sara Sundermann
Zehn Jahre Kulturzentrale am Wall

Die Zentralbibliothek feiert ihren zehnten Geburtstag: Direktorin Barbara Lison schneidet die Torte an. Neben ihr der stellvertretende Direktor Erwin Miedtke (links) und Herbert Kubicek vom Deutschen Bibliotheksverband.

Frank Thomas Koch

Jugendliteratur in der Neustadt, Romane und Sachbücher am Schüsselkorb, Musik außer der Schleifmühle und Kunst im Bun-tentor: Viele wissen noch, wie der Stadtplan für Bücherfreunde aussah, bevor die Zentralbibliothek im Herbst 2004 ins ehemalige Polizeihaus am Wall zog. Jetzt sind zehn Jahre vergangen – und am Wall ist eine Kulturzentrale entstanden.

Die Zentralbibliothek ist für viele Bremerinnen und Bremer ein Ort zum Innehalten im Alltag und zum Stöbern nach Neuem. Am Montag hat die Zentralbibliothek am Wall ihren zehnten Geburtstag gefeiert. 2004 wurden hier die Medienbestände von vier Bibliotheksstandorten gebündelt: im ehemaligen Polizeihaus, das zuvor aufwendig umgebaut worden war.

Längst nicht alle, die zur Zentralbibliothek kommen, wollen sich ein Buch ausleihen – viele trinken auch nur einen Kaffee im Lesegarten, berichtet Bibliotheksdirektorin Barbara Lison. Reisende lesen ihre Mails, Bremer blättern in einer Spezialzeitschrift. Auch das macht den öffentlichen Ort Stadtbibliothek aus. Diese verbesserte Aufenthaltsqualität wurde letztlich durch den Umzug an den zentralen Standort am Wall möglich. „Der Umzug hierher war auch ein großer Schritt für die Entwicklung der Kulturmeile“, sagt Lison. Für Veranstaltungen boten sich hier ebenfalls neue Möglichkeiten: Zuvor musste man für Lesungen stets Regale beiseite rücken. Nun gibt es den Wallsaal, in dem Lison zufolge rund 220 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden.

DIESE BÜCHER EMPFEHLEN BIBLIOTHEKSMITARBEITER

TINA ECHTERDIEK

Reiseführer als kulturelle Brücke

Zentralbibliotheksleiterin Tina Echterdiek empfiehlt den Dumont-Kunstreiseführer „Marokko“ von Arnold Betten. Der Band geht ausführlich auf die Architektur in Marokko ein und erklärt zum Beispiel das Bilderverbot in Moscheen. „Ein Reiseführer ist im Grunde wie ein guter Freund, der eine Brücke schlägt zu der anderen Kultur“, sagt Echterdiek. „Man bekommt einen anderen Zugang zu dem Land, durch das man reist, und kann mehr erfahren als das, was man sieht.“ Interkulturelle Kompetenz und Wissen über andere Länder seien auch für die Stadtbibliothek zentral, so Echterdiek.

TOBIAS PETERS

Bildstark erzählte Zeitgeschichte

Bibliothekspressesprecher Tobias Peters empfiehlt polnische Gegenwartsliteratur: Er liest gerade den Roman „Morphin“ von Szczepan Twardoch. „Der Autor wird in Polen als literarischer Shootingstar gefeiert“, sagt Peters. „Morphin“ spielt 1939 in Warschau. Kurz nach dem deutschen Angriff auf Polen irrt ein junger deutsch-polnischer Dandy durch die besetzte Stadt und taumelt zwischen Rausch, sexuellen Eskapaden und politischem Widerstand. „Das Buch ist eindringlich und bildhaft geschrieben“, sagt Peters. „Kein klassischer Kriegsroman, aber sehr spannend – es hat mich gepackt.“

DOROTHEE SCHWARZ-KAUFMANN

Tröstliches in klarer Sprache

Bibliothekarin Dorothee Schwarz-Kaufmann empfiehlt den Erzählband „Nie sollst du mich befragen“ von Natalia Ginzburg. „Ich liebe die Bücher dieser italienischen Autorin schon seit vielen Jahren“, sagt Schwarz-Kaufmann. „Obwohl die Geschichten, die sie erzählt, keineswegs immer gut ausgehen, haben sie für mich etwas Tröstliches.“ Ginzburg erzählt Geschichten aus dem Leben verschiedener Familien und auch über das Älterwerden. „Sie schreibt in einer sehr reduzierten, klaren, oft lakonischen Sprache – das ist einfühlsam, aber nie kitschig“, findet die Bibliothekarin.

Zentralbibliothek in Zahlen

◼ Auf knapp 9000 Quadratmetern finden im Forum am Wall auf vier Geschossen verschiedenste Medien Platz: Bücher, Gemälde, Filme, CDs, Videospiele, Reiseführer und Comics. Seit dem Einzug der Zentralbibliothek ins ehemalige Polizeihaus kamen laut Direktorin Barbara Lison fast sieben Millionen Besucherinnen und Besucher in die Zentralbibliothek.

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