Umfrage im Auftrag des WESER-KURIER

Zeichen stehen auf Regierungswechsel in Bremen

Ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl in Bremen verliert die rot-grüne Koalition weiter an Rückhalt. Laut Umfrage kommt die Regierung derzeit auf 40 Prozent der Stimmen. Gewinnerin sind die Linken.
01.05.2018, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Zeichen stehen auf Regierungswechsel in Bremen
Von Maren Beneke
Zeichen stehen auf Regierungswechsel in Bremen

Ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl deutet eine Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag des WESER-KURIER daraufhin, dass es keine Mehrheit mehr für Rot-Grün gibt.

Christina Kuhaupt

Es wird wohl nicht mehr reichen für Rot-Grün in Bremen. Gut ein Jahr vor der nächsten Bürgerschaftswahl vereinen die SPD und die Grünen zusammen noch 40 Prozent der Stimmen der Bremer Wahlberechtigten auf sich. Das hat das Umfrageinstitut Infratest-Dimap im Auftrag des WESER-KURIER ermittelt. Beide Parteien verlieren demnach im Vergleich zur Bürgerschaftswahl vor drei Jahren Stimmenanteile.

Wenn Sonntag gewählt würde, wäre die Bremer SPD nach 2015 erneut die größte Wahlverliererin. Die Partei, die mit Carsten Sieling den Bürgermeister stellt, büßt im Vergleich zur Bürgerschaftswahl vor drei Jahren noch einmal sieben Prozent der Stimmen ein und kommt auf eine Zustimmung von 26 Prozent – ein historischer Niedrigwert.

Umgerechnet bedeutet dies: Den Sozialdemokraten sind noch einmal gut ein Fünftel ihrer Wähler abhanden gekommen. 2015 stimmten noch knapp 33 Prozent der Bremer Wähler für die SPD. Ein Ergebnis, das damals für Entsetzen bei den Sozialdemokraten sorgte: Weil dies das bis dahin schlechteste Resultat der Nachkriegszeit war, trat der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen kurz nach der Wahl zurück.

Grünen kommen auf 14 Prozent

Bei den Grünen halten sich die Verluste laut Umfrage im Vergleich zum Koalitionspartner in Grenzen. Demnach kommt die Partei, die mit Finanzsenatorin Karoline Linnert als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf gehen will, derzeit auf 14 Prozent aller Wählerstimmen. Das ist ein Prozentpunkt weniger als 2015. Doch weil die SPD laut Umfrage starke Verluste hinnehmen muss, würde es für eine Neuauflage der rot-grünen Koalition definitiv nicht mehr reichen.

Möglich wären laut Umfrage demnach nur zwei Regierungskoalitionen: entweder ein Bündnis von Rot-Grün mit den Linken oder eine Große Koalition aus SPD und CDU. Eine Jamaika-Koalition, wie es sie auf Landesebene seit dem vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein gibt, ist keine Option für die Hansestadt: FDP, die Grünen und die CDU kommen zusammengenommen auf 45 Prozent der Wählerstimmen.

Die Linken wären dagegen, würde am Sonntag gewählt, die großen Gewinner. Die Partei gewinnt im Vergleich zur vergangenen Bürgerschaftswahl gut fünf Prozentpunkte dazu und kommt laut Umfrage auf 15 Prozent. Das bedeutet: Die Linken machen zu 2015 noch einmal ein Drittel ihrer Stimmen gut. Zusammen mit der SPD und den Grünen käme die Partei damit nun auf eine Mehrheit von 55 Prozent.

Die CDU bleibt dagegen weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hat als Zielmarke in etwa 35 Prozent ausgegeben, de facto würden die Christdemokraten laut Umfrage nun auf 24 Prozent der Stimmen kommen. Im Vergleich zur Bürgerschaftswahl von 2015 ist das ein Plus von knapp zwei Prozentpunkten. Das heißt: Wenn die CDU in die Regierungsverantwortung will, dann geht das, Stand jetzt, nur mit der SPD. Eine Große Koalition käme auf 50 Prozent der Stimmen.

FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner hatte zuletzt eine Jamaika-Koalition als Ziel für die kommende Bürgerschaftswahl ausgegeben. „Nach 70 Jahren an der Macht muss die SPD weg“, sagte sie. Von diesem Ziel sind die Liberalen ebenso weit entfernt, wie von dem, 2019 ein zweistelliges Wahlergebnis einzufahren: Gut sieben Prozent der Wähler, und damit in etwa so viele wie bei der vergangenen Bürgerschaftswahl, würden ihr Kreuz für die FDP setzen. Die Partei hatte den Wiedereinzug in die Bürgerschaft 2015 mit 6,6 Prozent geschafft.

Die AFD, die zuletzt bei nahezu allen Landtagswahlen dazugewinnen konnte, kommt in Bremen laut Umfrage auf neun Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur Bürgerschaftswahl 2015, wo die Partei mit 5,6 Prozent der Stimmen erstmals den Sprung ins Parlament schaffte, bedeutet das mit gut drei Prozent einen Stimmenzuwachs. Allerdings: Noch im Mai 2016, also ein Jahr nach der Bürgerschaftswahl, sah Infratest-Dimap die AFD bei einer Umfrage, ebenfalls im Auftrag des WESER-KURIER, bei elf Prozent.

Sitzung Landtag - Haus der Bürgerschaft

Ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl deutet eine Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag des WESER-KURIER daraufhin, dass es keine Mehrheit mehr für Rot-Grün gibt.

Foto: Christina Kuhaupt

Die SPD und die Grünen stellen seit 2007 durchgängig die Landesregierung der Freien Hansestadt Bremen. Nach der Niederlage des rot-grünen Bündnisses im Bund im Jahr 2005 war Bremen das erste Bundesland, bei dem sich eine rot-grüne Koalition auf Landesebene wieder durchsetzen konnte. Damals kamen die SPD und die Grünen in Bremen zusammen auf 53,2 Prozent aller Wählerstimmen. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 wurde das Bündnis mit einer deutlichen Mehrheit von 61,1 Prozent bestätigt. Dementsprechend war die Enttäuschung vor drei Jahren groß, als die Parteien zusammen noch auf 47,9 Prozent kamen. Bürgermeister Böhrnsen sprach damals von einem "bitteren Wahlabend". Mit der Bürgerschaftswahl 2019, so lassen sich die aktuellen Umfrageergebnisse nun deuten, ist ein Regierungswechsel wahrscheinlich geworden.

Weitere Informationen

Das Institut Infratest-Dimap hat im Auftrag des WESER-KURIER vom 13. bis 18. April 1002 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte im Land Bremen telefonisch befragt. Alle Daten der repräsentativen Umfrage stellen wir in den kommenden Tagen ausführlich vor.

Alle Artikel, Grafiken und Fotostrecken zur Bürgerschaftswahl in Bremen 2019 finden Sie unter www.weser-kurier.de/buergerschaftswahl

Korrektur: Ursprünglich hatten wir geschrieben, 2015 hätten noch knapp 33 Prozent der Bremer Wahlberechtigten für die SPD gestimmt. Es handelt sich jedoch um 33 Prozent der Wähler.

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