Bremen Zeit der Gegensätze

Am liebsten mit Schleife: Es war kein Muss für kleine Mädchen, diesen Haarschmuck zu tragen – im Gegenteil, sie waren ziemlich stolz und posierten entsprechend für den Straßenfotografen in Rablinghausen. Für die Jungen in der Kornstraße galten Rollschuhe als das ultimative Statussymbol.
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Zeit der Gegensätze
Von Gesa Below

Am liebsten mit Schleife: Es war kein Muss für kleine Mädchen, diesen Haarschmuck zu tragen – im Gegenteil, sie waren ziemlich stolz und posierten entsprechend für den Straßenfotografen in Rablinghausen. Für die Jungen in der Kornstraße galten Rollschuhe als das ultimative Statussymbol. Und im Wasser waren dann alle gleich: Spindeldünn und braun gebrannt, tummelt sich die Osterdeich-Jugend in der Weser. Aufsichtspersonen gab es bei all diesen Vergnügungen nicht: Zur damaligen Zeit Kind zu sein, bedeutete auch, seine Freizeit vor allem mit anderen Kindern und ohne Erwachsene zu verbringen – Abenteuer inklusive.

Auf vielen der Fotos, die Sie uns aus der Zeit von 1900 bis 1945 zur Verfügung gestellt haben, ist das zu sehen. Hier zeigen wir Ihnen noch einmal einen kleinen Ausschnitt aus dem Magazin „Mein Bremen – 1900-1945, Menschen und ihre Geschichten: Erinnerungen an eine Epoche“, das wir aus den vielen von Ihnen eingesandten Schätzen auf 100 Seiten zusammengestellt haben.

Die Bremer waren stolz auf ihre Stadt, die von Häfen, Schifffahrt und Schiffbau geprägt war. Was für eine Freude, als die „Bremen“ auf der A.G. „Weser“ vom Stapel lief – ein turbinengetriebener, vierschraubiger Schnelldampfer, der diesem Namen alle Ehre machte und in der Folge das „Blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung von Europa nach New York gewann! Der Stapellauf wurde fotografisch festgehalten, genauso wie das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin, das auch über Bremen fuhr, nachdem es von einer Weltfahrt zurückgekehrt war.

In unserem Magazin, das sich in die Themenbereiche Kindheit und Jugend, fahren und fliegen, Stadt und Leben, Industrie und Handel, Freizeit und Sport sowie Hafen und Fluss unterteilt, zeigen die aus Ihren Privatarchiven stammenden Fotografien, wie sehr das Leben in den ersten 45 Jahren des vergangenen Jahrhunderts geprägt war von Gegensätzen. Einerseits eroberte die Motorisierung das Alltagsleben − man konnte sogar schon im offenen Wagen eine Stadtrundfahrt machen –, andererseits gab es noch viele Händler, die mit Pferd und Wagen unterwegs waren. So wurden Kohlen ausgeliefert, und bis nach dem Zweiten Weltkrieg boten auf diese Art auch mobile Milchverteiler überall in der Stadt Molkereiprodukte an. Besonders innovativ zeigte sich Milchhändler Heinrich Reppenhagen, der seinen Lieferservice schon in den Zwanzigerjahren motorisierte und fortan sowohl mit einem als auch mit mehreren PS unterwegs war.

Sie sehen: Ihre Privatarchive machen diese Zeitreise möglich. An dieser Stelle nochmals Dank für die Leihgaben und Ihr Vertrauen; wir wünschen Ihnen eine spannende Entdeckungsreise durch das damalige Bremen!

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