Mehrere Meter lange Stoffbahn wird auf mehr als hundert verschiedene Arten gebunden

Zeitlos schön im Kimono

Altstadt. Neugierig betasten Zuschauerinnen und Zuschauer den Kimono, der von einem Modell im „Forum Am Wall“ vorgeführt wird. Die Modenschau der Kimono-Künstlerin Tomoko Nonofuji gehörte zum Programm des vom Restaurant Zen ausgerichteten Japan-Festes.
14.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Matthias Holthaus
Zeitlos schön im Kimono

Bunt gekleidet, mit Blumenschmuck im Haar: So präsentierten sich Mädchen auf der Kinder-Kimono-Schau auf dem Japanfest im Forum am Wall.

Matthias Holthaus

Altstadt. Neugierig betasten Zuschauerinnen und Zuschauer den Kimono, der von einem Modell im „Forum Am Wall“ vorgeführt wird. Die Modenschau der Kimono-Künstlerin Tomoko Nonofuji gehörte zum Programm des vom Restaurant Zen ausgerichteten Japan-Festes. Zu sehen waren nicht nur antike Kimonos, sondern auch moderne Variationen dieses wandelbaren Kleidungsstücks. Und viele andere Beispiele japanischer Kultur.

„Der gezeigte Oberkimono ist über 100 Jahre alt und wird über Generationen vererbt“, erklärte Julia Reineke aus dem Viertel, die auch durch die Modenschau führte. Auch das kunstvolle Binden des Kimonogürtels wird auf der Bühne demonstriert: „Früher war das Binden dieses Gürtels traditioneller, heute jedoch werden neue Formen gefunden." Mehr als drei Meter ist die Stoffbahn lang und mehr als 100 Variationen des Bindens gibt es inzwischen.

Ebenfalls großen Eindruck hinterlassen der von der Ikebana-Künstlerin Yuka Mambe in das Haar des Modells eingearbeitete Blumenschmuck und die Kinder-Kimono-Schau. Dabei zeigen acht Mädchen und Jungen zwischen vier bis zehn Jahren, dass ein Kimono nicht nur traditionell, sondern auch modern sein kann: Einen ziert sogar das Abbild des Videospielklassikers „Space Invaders“. Und Traditionen werden gepflegt. Die Gäste werden in die Rituale der Teezeremonie eingeweiht und erfuhren einiges über die Vielfalt japanischer Teesorten. Der zu feinem Pulver gemahlene grüne Macha-Tee etwa wird stets ohne Zucker getrunken: „Man nimmt zuerst eine Süßigkeit wie etwa Gelee oder Reisgebäck zu sich, und erst danach trinkt man den Tee in drei Schlucken“, erklärt Mariko Hayashi aus Osterholz-Scharmbeck, die einen Stand mit Tee und anderen Spezialitäten hat.

Soe Jima wiederum bietet Reiswein (Sake) an. Die Japanerin, die auch als Tattoolehrerin arbeitet, ist in Tokio geboren und lebt seit fünf Jahren in Schwachhausen. „Sake ist ein traditionelles, japanisches Getränk, und dieser wird bereits in 16. Generation hergestellt“, erklärt sie.

Der Bambusdesigner Toshiki Yabushita wiederum nutzt die ganze Vielfalt dieses Naturmaterials, um seine Produkte herzustellen. So hat er nicht nur Schöpflöffel und praktische Greifer aus Bambus im Angebot, sondern sogar Lampen. Bunte Tücher liegen auf einem anderen Stand. „Dies sind typische japanische Tücher. Sie sind viereckig und können sowohl als Tragetücher als auch als Geschenkpapier verwendet werden“, erklärt Mariko Hayashi.

Ging es im Forum am Wall während des Festivals tagsüber um das Verpacken von Geschenken, wurden abends Menschen verpackt: Die Performance-Künstlerinnen Coco Katsura und Sana Sakura demonstrieren im dunkel dekorierten Forum die Kunst des japanischen Bondage. Nach einer Lesung der Geschichte über „Amaterasu, die große Sonnengöttin am Himmel“ beginnt die eigenwillige Performance der beiden in Berlin lebenden Künstlerinnen. Mit geübten Handgriffen wird aus der zuvor sehr beweglichen Sana Sakura ein kunstvoll verschnürtes Paket, das am Ende der Show sogar kopfüber von der Decke hängt.

„Das ist die allerbeste Qualität, die japanweit zu finden ist“, sagt Zuschauerin Susanne Tepe, die bei Bremerhaven lebt. Sie und ihre Freundin Bernadette Haffke kennen sich aus und sind fasziniert von dem Können Coco Katsuras. „Ich bin durch den japanischen Fotografen Araki auf Bondage aufmerksam geworden“, erzählt Susanne Tepe, und Bernadette Haffke ergänzt: „Araki ist eine Institution in Sachen Bondage-Fotografie.“

Deutsche verbänden Bondage zu sehr mit Erotik oder meinten, es sei unbequem, sagt Susanne Tepe. „Wenn man es richtig macht, dann drückt nichts, und man fühlt sich wie in einer Hängematte.“ Und das weckt durchaus den Wunsch, es Sana Sakura gleichzutun: Mehrere Frauen aus dem Publikum im Alter von 20 bis Mitte 60 erklären sich bereit, ebenfalls verschnürt zu werden und, hängemattengleich, über dem Boden zu schweben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+