Geschichtskurs an der Oberstufe der Lerchenstraße präsentiert Ergebnisse einer Projektarbeit Zeitreise zu Ereignissen am 9. November

Aumund. Bei den 'November-Revolutionären' ruft Philipp Scheidemann die Weimarer Republik auf. Ein paar Meter weiter schreibt man das Jahr 1923. Hitler probt zum ersten Mal die Machtübernahme. Nur ein paar Schritte sind es von hier zum blutigen Scherbenhaufen der Nazis in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938. Gleich nebenan tummeln sich in der Kommune I die 'Blumenkinder' der 68er auf bunten Decken. Ein paar Schritte weiter durchbricht ein Trabi die Berliner Mauer.
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Von Gabriela Keller

Aumund. Bei den 'November-Revolutionären' ruft Philipp Scheidemann die Weimarer Republik auf. Ein paar Meter weiter schreibt man das Jahr 1923. Hitler probt zum ersten Mal die Machtübernahme. Nur ein paar Schritte sind es von hier zum blutigen Scherbenhaufen der Nazis in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938. Gleich nebenan tummeln sich in der Kommune I die 'Blumenkinder' der 68er auf bunten Decken. Ein paar Schritte weiter durchbricht ein Trabi die Berliner Mauer.

Im Sauseschritt geht?s in der Aula der Oberschule Lerchenstraße in Aumund durch das 20. Jahrhundert. Mit Fragebögen in der Hand laufen Klassen zwischen Tischen und Stelltafeln hin und her. Was sie an diesem 9. November erleben, ist eine Zeitreise durch 71 Jahre deutscher Geschichte. Schüler der Oberstufen-Einführungsphase aus dem Geschichtskurs von Monika Olliges informieren mit Präsentationen über fünf historische Ereignisse , die eines verbindet: das Datum 9. November.

Es geht um große Politik und gesellschaftliche Umbrüche. Die Herausforderung für die Schüler: Geschichte anschaulich und interessant zu präsentieren. Wie vermittelt man einem Schüler von heute die Ereignisse, die am 9. November 1918 zur November-Revolution und Ausrufung der Republik führten? Die Gruppe von Tine Müller hat die historischen Begebenheiten für eine Fotostory in Szene gesetzt. Vor der Bildertafel drängt sich eine Schülergruppe nach der anderen.

Mit künstlerischen Mitteln hat eine andere Gruppe die Nacht vom 9./10. November 1938 dargestellt, als die Nazis in Deutschland Synagogen in Brand steckten und jüdische Geschäfte zerstörten. Lämpchen erleuchten einen schwarzen Karton. Zwischen Fotos von brennenden Synagogen, Tätern und Opfern liegen blutige Glasscherben. Im Internet und in Büchern haben die Schüler über Schicksale einzelner Opfer recherchiert, Auszüge aus dem Tagebuch von Anne Frank gelesen. 'Mir ist dabei erst richtig bewusst geworden, wie schlimm das damals für die Juden war', sagt Fabian Heldt. 'Menschen wurden auf offener Straße erschossen, das war für mich schockierend', meint Kornelia Reitkreuz.

Neben historischen Dokumenten, Fotos und Texttafeln rückt der Kurs den Alltag der Menschen in der jeweiligen Epoche in den Blick. Auf einem Tisch liegt bares Geld. Zwei Millionen Reichsmark. 'Dafür konnte man 1923 gerademal zwei Brote kaufen', weiß Malte Lingrön. Mit seiner Gruppe hat er sich mit der Ära nach dem ersten Weltkrieg beschäftigt. Eine schwere Zeit mit Wirtschaftskrise und Inflation. Lebensmittel wurden zugeteilt. So wie für den 'Braunen Pfefferkuchen', den die Gruppe gebacken hat und der reißenden Absatz findet. Es ist auch die Zeit, in der sich die Gegner der Weimarer Republik formieren. Am 9. November 1923 will Hitler mit dem Marsch zur Feldherrnhalle in München die Republik zu Fall bringen. 'Ich habe mich immer gefragt: Warum hatte Hitler was gegen die Juden? Jetzt weiß ich, dass er die Juden für alles Negative in Deutschland und der Welt verantwortlich machte, von der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg bis zur Wirtschaftskrise.' Die Juden als Sündenbock,

das ist eine Erkenntnis, die Michael Mätze durch das Projekt gewonnen hat.

Bei den '68ern' ist 'flower power' angesagt. In Blümchenblusen hocken Hande Kaya und ihre Mitschülerinnen auf bunten Decken. So wie einst die Kommunarden. 'Wie wollen den Lebensstil der Studenten damals vermitteln.' Wer will, kann an Cannabis-Räucherstäbchen schnuppern. Was wollen die Schüler über die Zeit wissen? 'Die meisten interessiert, welche Drogen die damals nahmen. Über die Kommune I wissen die wenigsten etwas', hat Hande festgestellt. Bei der 'Mauerfall'-Gruppe lässt sich mit Knusperflocken die DDR kosten. Auch echte Mauersteinchen sind zu sehen. Caroline Petri sammelte sie, als sie vor fünf Jahren zum ersten Mal in Berlin vor den Resten stand. Was die Gruppe überraschte: 'In DDR-Schulatlanten war die Bundesrepublik grau dargestellt, als ob es sie nicht gäbe.'

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