Bremer Obdachlosen-Magazin ausgezeichnet „Zeitschrift der Straße“ erhält Bürgerpreis

Die „Zeitschrift der Straße“ ist am Mittwochabend in Berlin mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Das Projekt steht für die besondere Vernetzung von Obdachlosen und Studenten.
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„Zeitschrift der Straße“ erhält Bürgerpreis
Von Kristin Hermann

Wer obdachlos ist, weiß wie groß die Überwindung sein kann, fremde Menschen um Geld zu bitten – und wie groß die Zurückweisung. Um dieser Schmach zu entgehen, gibt es in einigen Städten Obdachlosen-Magazine. Sie bieten den Wohnungslosen nicht nur eine Aufgabe, sondern auch Tagesstruktur, Zugehörigkeit, Anerkennung und ein bescheidenes, aber immerhin eigenes Einkommen. Dazu gehört auch die „Zeitschrift der Straße“, die in Bremen seit einigen Jahren erfolgreich ist und Studierende und Wohnungslose miteinander vernetzt. Wie gut das Projekt ankommt, wurde am Mittwochabend noch einmal deutlich. Das Magazin wurde in Berlin mit dem 15. Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet.

In Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurden unter dem Motto „Vorausschauend engagiert: real, digital, kommunal“ insgesamt sieben Preisträger in drei Kategorien mit dem bundesweit größten Ehrenamtspreis prämiert. Die Auszeichnung wurde von der Initiative „für mich. für uns. für alle.“im ZDF-Zollernhof vergeben. Ludwighafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse, Präsidentin des Deutschen Städtetages, würdigte in ihrer Laudatio die Ausdauer der Ehrenamtlichen: „Die ausgezeichneten Menschen zeigen stellvertretend für knapp 31 Millionen Engagierte in Deutschland: Ehrenamt kennt kein Alter, ist mutig, kreativ und eine wichtige Säule der Gesellschaft.“

Für die drei angereisten Bremer Vertreter kam der Sieg in dieser Kategorie völlig überraschend. Die Nominierten wussten bis zur Preisverleihung noch nichts über ihr Abschneiden. „Für uns steht gar nicht so sehr der finanzielle Gewinn im Vordergrund. Vielmehr ist der Preis ein Qualitätssiegel und zeigt, dass man Vertrauen in unsere Arbeit haben kann“, sagte Michael Vogel, einer der Leiter des Projektes. Er und seine Mitstreiter hoffen darauf, dass die Auszeichnung noch mehr Menschen motiviert, sich zu engagieren oder für Obdachlose zu spenden.

Die „Zeitschrift der Straße“ wurde 2010 zunächst als Medien-, Sozial- und Lernprojekt von der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste und dem Verein für Innere Mission gegründet und ist seither mehrfach ausgezeichnet worden. Das Projekt vernetzt etwa 400 Studierende von fünf Bremer Hochschulen mit rund 950 registrierten Straßenverkäufern. Ein ehrenamtliches Vertriebsteam und Sozialarbeiter unterstützen sie dabei. Die soziale Arbeit hat der Verein für Innere Mission übernommen. Er ist auch Herausgeber der Zeitschrift. Neben der Printausgabe und Webseite gibt es einen Twitter-, einen Facebook- und einen YouTube-Kanal. Sie informieren über Aktuelles und stellen Mitarbeiter vor.

Wie der Name schon sagt, wird die „Zeitschrift der Straße“ von den Obdachlosen draußen verkauft. Mehr als die Hälfte des Erlöses geht an die Verkäufer. Die „Zeitschrift der Straße“ heißt aber auch so, weil sie bestimmte Bereiche der Stadt zum Thema macht. Jede Ausgabe ist einer Straße oder einem Ort gewidmet. Sie erscheint zehnmal im Jahr.

Über 1400 Engagierte aus ganz Deutschland hatten sich um den Bürgerpreis beworben. In diesem Jahr wurden knapp 400 000 Euro an Preisgeldern vergeben. Allein 25 000 Euro erhielten die Preisträger des nationalen Wettbewerbs – die Erstplatzierten jeweils 5000 Euro, die Zweitplatzierten jeweils 2500 Euro. Diese Mittel fließen in die Fortführung der Engagements.

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