Winterwetter Zeitungsboten erleben verletzungsreichen Winter

Bremen. An so einen Winter kann sich Olaf Stenpass nicht erinnern. Dabei hat der Nordbremer in seinen Jahren als Zeitungszusteller schon einige Wetterkapriolen erlebt. Seine Routinearbeit wird derzeit zum Balanceakt.
13.02.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. An so einen Winter kann sich Olaf Stenpass nicht erinnern. Dabei hat der Nordbremer in seinen Jahren als Zeitungszusteller schon einige Wetterkapriolen erlebt. Seine Routinearbeit wird in diesen Wochen durch vereiste Stufen und Gehwege zum Balanceakt. Ernsthaft verletzt hat sich Stenpass bisher nicht. Viele seiner Kollegen hatten allerdings weniger Glück. Wegen über 60 verletzungsbedingter Ausfälle sucht die Bremer Tageszeitungen AG jetzt dringend neue Zusteller.

Olaf Stenpass hat im Februar noch nicht viel schlafen können. Um halb vier Uhr morgens, eine Stunde früher als sonst, steht er momentan auf und fährt von Bremen-Nord zu seinem Zustellbereich im Viertel. Seit 2001 verteilt der 46-Jährige den WESER-KURIER und die Bremer Nachrichten in der Schönhausen- und der Feldstraße. Eigentlich ist es immer dasselbe Ritual. Stenpass schnappt sich sein Fahrrad, das er bei Bekannten untergestellt hat, und strampelt zum Ausgabepunkt der Zeitungen in der Humboldtstraße. Eine Stunde später ist die Arbeit normalerweise getan.

Der momentane Zustand von Bremens Straßen, Gehwegen und Zufahrten wirft Stenpass aus seiner allmorgendlichen Routine. 'An Fahrradfahren ist jetzt nicht zu denken', sagt er. Benutzen muss er das Gefährt aber nach wie vor. Allerdings nur als Vehikel für seine Transporttaschen.

130 Zeitungen lädt Stenpass an der Verteilstelle auf. 'Ein bisschen mehr heute, weil auch ein paar Exoten dabei sind', erklärt er. Exoten nennen die Zusteller alle überregionalen Blätter, wie etwa die Süddeutsche oder die Frankfurter Allgemeine. 'Die Kollegin, die das normalerweise macht, ist wohl auch ausgerutscht und außer Gefecht - jetzt übernehmen wir', sagt Stenpass. Am Wochenende sind die Ausgaben am dicksten. Dann muss der Zusteller schon mal einen ganzen Zentner Zeitungen befördern - eine Qual bei Glatteis.

Am Geburtstag ausgerutscht

So schnell es geht, schiebt Stenpass sein Rad über die Eisplatten auf dem Gehweg. 'Zurzeit habe ich das Gefühl, meine Runde auf allen Vieren krabbeln zu müssen', sagt er. Doch bei aller Vorsicht ist auch Eile angesagt. Zur Stammrunde des Zustellers kommen noch zwei weitere Straßenzüge hinzu. Stenpass vertritt seine Mutter Irmtraud (70), die ebenfalls seit Jahren als Zustellerin arbeitet. Ausgerechnet an ihrem Geburtstag Ende Januar ist sie bei ihrer morgendlichen Tour auf einer vereisten Treppe ausgerutscht und hat sich das Schienbein gebrochen. Als die pflichtbewusste Frau sah, dass ihr Fuß nach dem Sturz etwas schräger stand als vorher, renkte sie ihn ein und brachte ihre Runde noch zu Ende. 'Die Leute müssen doch ihre Zeitung bekommen', hat sie ihrem Sohn später erklärt.

Bis April wird Irmtraud Stenpass nun pausieren müssen. In der Logistikabteilung der Bremer Tageszeitungen sind solche Meldungen zurzeit keine Einzelfälle mehr. 'Eine solche Situation haben wir hier noch nicht erlebt', sagt Logistikchef Udo Coors. 70 Zusteller fielen momentan verletzungsbedingt aus. Die Kranken seien da noch nicht mitgezählt. Sämtliche Reserven seien aufgebraucht. Das selbstgesteckte Ziel, alle Zeitungen bis sechs Uhr verteilt zu haben, sei nicht mehr zu schaffen. Händeringend sucht Coors jetzt nach Ersatz für seine vielen Verletzten.

Trotz der Witterung geht Bäckermeister Olaf Stenpass seiner Nebentätigkeit als Zeitungsausträger immer noch gerne nach. Die besondere Atmosphäre am Morgen tröste ihn zu jeder Jahreszeit über manches Zipperlein hinweg. 'Außerdem bin ich ein Freund von verschneiten Wintern - Regen und Matsch haben wir hier schon genug.' In den vergangenen Tagen sei ihm außerdem aufgefallen, dass immer mehr Menschen ihre Treppen und Wege eisfrei hielten. Das erleichtere die Arbeit zusätzlich.

Dennoch setzt der Zusteller seine Schritte immer noch sehr vorsichtig, wenn er ein Grundstück betritt. Besonders in dunklen Eingängen könne es vorkommen, dass er rutschige Stellen übersehe. 'Da hat?s mich auch schon hingehauen, aber zum Glück bin ich bisher immer weich auf meiner Zeitungstasche gelandet.'

Normalerweise frühstückt der Bäckermeister nach getanem Zustellerdienst bei seiner Mutter in Peterswerder. Aber die sei gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und müsse erst wieder genesen. 'Wenn ich so überlege, reicht?s langsam auch mit dem Winter', findet Stenpass.

Wegen der vielen verletzungsbedingten Ausfälle sucht die Bremer Tageszeitungen AG nach Verstärkung für ihr Zusteller-Team. Interessierte können sich heute ab 8 Uhr unter Telefon 36715050 oder per E-Mail bei logistik@weser-kurier.de melden. Bewerberinnen und Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

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