Mädchen und Jungen der deutsch-italienischen Kita Girotondo holen als Fahrrad-Bastler den Landessieg beim Forschergeist-Wettbewerb

Zerlegt, lackiert, versteigert

Schwachhausen. Zu Beginn sollten die Kinder der deutsch-italienischen Kindertagesstätte Girotondo nur lernen, Fahrradreifen zu flicken. Doch daraus entwickelte sich bald ein größeres Projekt: Innerhalb von neun Monaten zerlegten die Mädchen und Jungen ein Kinderfahrrad, reparierten, pflegten und erneuerten viele Teile und setzten sie schließlich wieder zusammen.
11.04.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ISABEL D‘HONE
Zerlegt, lackiert, versteigert

Leidenschaftliche Fahrradbastler: Mädchen und Jungen der Kita Girotondo.

Zu Beginn sollten die Kinder der deutsch-italienischen Kindertagesstätte Girotondo nur lernen, Fahrradreifen zu flicken. Doch daraus entwickelte sich bald ein größeres Projekt: Innerhalb von neun Monaten zerlegten die Mädchen und Jungen ein Kinderfahrrad, reparierten, pflegten und erneuerten viele Teile und setzten sie schließlich wieder zusammen. Zum Abschluss versteigerten sie das Rad. Dafür wurde der Kindergarten an der Schwachhauser Heerstraße nun zum Landessieger beim Forscherwettbewerb „Forschergeist 2016“ gewählt. 605 Kindergärten aus ganz Deutschland und davon acht aus Bremen meldeten sich am bundesweit größten Kita-Wettbewerb der Deutschen-Telekom-Stiftung und der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ an. Eingereicht wurden Projekte aus den Bereichen Naturwissenschaft, Mathematik und Technik.

„Alles begann damit, dass ein Junge zu uns in die Kita kam und erzählte, dass er eigentlich mit dem Fahrrad kommen wollte. Das hatte aber einen Platten“, sagt Laurence Witz-Edinger aus der Gartenstadt Vahr, die Kindertagesstätte leitet. „Dann hat eine Erzieherin ihm gezeigt, wie das Fahrrad geflickt wird. Und so begann das Projekt.“ Von Beginn an seien die Kinder davon gefesselt gewesen, an einem alten Fahrrad zu arbeiten, erzählt Birgit Pentzek aus Kattenturm, eine der beiden Forscherteam-Betreuerinnen. „Weil sie nun fast autonom handeln konnten und zukünftig nicht zwangsläufig ihre Eltern fragen müssen. Als die Kinder dann täglich fragten, wann wir weiterarbeiten würden, war das unser Anstoß, einfach immer weiterzumachen“, so Pentzek. Innerhalb kürzester Zeit wussten die Mädchen und Jungen unter Anleitung der beiden Betreuerinnen bestens Bescheid: Von Kette, über Ritzel bis hin zum Tretlager war ihnen nichts mehr fremd. Auch eine neue Lackierung nahmen sie vor.

Besonders die Mädchen hätten zu Beginn des Projekts erst noch ermutigt werden müssen, sagt Janina Bartmann aus der östlichen Vorstadt, die zweite Forscherteam-Betreuerin, Soziologin und wissenschaftliche Begleitung der Kita. „Einige dachten, sie können aufgrund ihres Geschlechts so was nicht, andere fanden Dreck und Öl erst ekelig“, sagt sie. „Beide Gründe sprechen für eine Verankerung von gesellschaftlichen Rollenklischees schon im Kindergartenalter.“

Bartmann ist es wichtig, dass die Mädchen ihre individuellen Talente und Interessen erkennen und Vertrauen in ihre Kompetenzen entwickeln. Mithilfe des Projektes sei ihnen aufgezeigt worden, dass Alter, Geschlecht oder Herkunft nicht die entscheidenden Faktoren für technische oder handwerkliche Fähigkeiten seien, sagt Bartmann. „Es gelang uns, dass die meisten unserer Mädchen ihre Scheu relativ schnell ablegten. Wir vermuten, dass unser persönliches Rollenbeispiel von schraubenden Frauen dazu beigetragen hat.“

Zum fünfjährigen Bestehen der Kita im vergangenen Jahr versteigerten die Kinder das Fahrrad schließlich für 460 Euro. „Die Eltern waren begeistert von der Arbeit der Kinder“, sagt Witz-Edinger. Vom Erlös wurde Spielzeug und neue Sand für den Spielplatz gekauft.

Offiziell zum Landessiege gekürt wird die Kita am 27. April. Damit verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von 2000 Euro, um die Qualität der naturwissenschaftlichen, mathematischen oder technischen Bildungsarbeit zu fördern. „Das Preisgeld möchten wir für neue Lichttische und zusätzliches Werkzeug für unsere Werkbank verwenden“, sagt Kita-Leiterin Witz-Edinger. „Die Kinder freuen sich schon auf das nächste Projekt und sind sehr stolz auf ihre Leistung. “ Die Landessieger qualifizieren sich außerdem für den Bundessieg. Die fünf besten Projekte werden am 1. Juni in Berlin gekürt. Jeder Bundessieger erhält zusätzliche 3000 Euro.

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