Schwachhauser Grüne setzen sich für privates Gärtnern auf öffentlichen Flächen ein

Ziel ist der essbare Stadtteil

Eine schöne Vorstellung: Man bummelt durch Schwachhausen, und sobald sich der Hunger regt, sind Äpfel, Nüsse oder Tomaten parat. Gratis, sie brauchen nur gepflückt zu werden. Das muss kein Wunschdenken bleiben. In Berlin, Andernach und anderen Orten werden öffentliche Flächen längst mit essbaren oder mit Früchte tragenden Pflanzen bestückt. Die Schwachhauser Grünen möchten diesen Beispielen folgen und den Weg zum „essbaren Stadtteil“ einschlagen.
17.08.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Ziel ist der essbare Stadtteil
Von Detlev Scheil
Ziel ist der essbare Stadtteil

Die Schwachhauser Beiratssprecherin Barbara Schneider und der Bürgerschaftsabgeordnete und Landesvorsitzende Ralph Saxe von den Grünen möchten auch eine Fläche am Antikolonialdenkmal Elefant für das Anpflanzen von Sträuchern und Stauden freigegeben wissen.

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Eine schöne Vorstellung: Man bummelt durch Schwachhausen, und sobald sich der Hunger regt, sind Äpfel, Nüsse oder Tomaten parat. Gratis, sie brauchen nur gepflückt zu werden. Das muss kein Wunschdenken bleiben. In Berlin, Andernach und anderen Orten werden öffentliche Flächen längst mit essbaren oder mit Früchte tragenden Pflanzen bestückt. Die Schwachhauser Grünen möchten diesen Beispielen folgen und den Weg zum „essbaren Stadtteil“ einschlagen.

„Urban Gardening“, zu deutsch: städtischer Gartenbau, liegt weltweit im Trend. Es ist das Konzept, Freiräume für Pflanzen in den Städten zu erobern und den Anbau von Lebensmitteln in die Wohngebiete zurückzuholen. „Wir sind dafür, das Urban Gardening in Bremen voranzubringen und öffentliche Flächen dafür zur Verfügung zu stellen“, sagt Ralph Saxe, Landesvorsitzender und Bürgerschaftsabgeordneter der Grünen aus Schwachhausen. Die grüne Sprecherin des Beirates Schwachhausen, Barbara Schneider, findet das private Gärtnern auf öffentlichen Flächen „richtig klasse“ und teilt mit Ralph Saxe das Ziel, Schwachhausen zum „essbaren Stadtteil“ zu machen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Bürgerschaftsfraktion der Grünen per großer Anfrage erkundigt, wie der Senat zum Urban Gardening in Bremen stehe. Die Antwort hatte einen grundsätzlich positiven Tenor. So stellte der Senat fest: „Mit den gärtnerischen Aktivitäten in städtischen Freiräumen und Brachen zeigen Bürgerinnen und Bürger, dass sie ihre Stadt sensibler wahrnehmen und mitgestalten wollen; oft wird hierdurch auch nachbarschaftliches Engagement und die Kommunikation positiv befördert.“

Vorteilhaft auch für die Bienen

Ralph Saxe sieht viele weitere Vorteile des privaten Gärtnerns auf öffentlichen Flächen. Zum Beispiel: „Die Pflanzenvielfalt wird gefördert, die Bedingungen für Bienen in der Stadt werden verbessert, und öde wirkende Flächen werden wieder aufgewertet.“ Das funktioniere allerdings nur, wenn Bewohner bereit seien, Verantwortung für die Pflanzen zu übernehmen, betonen Barbara Schneider und Ralph Saxe. Ziel sei es auch, langfristig den eigenen Nahrungsmittelanbau zu fördern, Kreativität und Naturerfahrung in der Stadt zu ermöglichen sowie Kindern das Gärtnern näher zu bringen. Die Nutzpflanzen machen die natürlichen Phasen von Säen, Wachsen und Ernten wieder bewusst erfahrbar.

Zur Hochburg in Deutschland hat sich Berlin inzwischen mit rund 200 Urban-Gardening-Projekten vor allem in den Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain entwickelt. Aber auch die 30 000 Einwohner zählende Stadt Andernach, nördlich von Koblenz am Rhein gelegen, hat mit einer konsequenten Entwicklung zur „essbaren Stadt“ von sich reden gemacht.

Von den dortigen Erfahrungen könne Bremen sicherlich lernen, meinen die beiden Schwachhauser Grünen. In Andernach heißt es „Pflücken erlaubt!“ und nicht „Betreten verboten“. Gemüsesorten wie Möhren, Kartoffeln, Rüben, Paprika und Bohnen, Obst- und Beerensorten sowie Küchenkräuter werden in städtischen Grünanlagen gepflanzt.

Geeignet für das Urban Gardening seien auch Haselnusssträucher, Nussbäume, Obststräucher wie Schlehe, Holunder, Johannisbeere und Wein, sagt Saxe. Als mögliche Standorte für den Anbau in Schwachhausen nennt er die Grünflächen beim Denkmal Elefant und beim Hermann-Böse-Gymnasium sowie Randflächen beim Mehrgenerationenplatz an der Biermannstraße, bei Kindertagesstätten und Schulen. „Öffentliche Parks sollten nicht benutzt werden, Randflächen sind aber immer denkbar“, betont er. Es gebe eine wohlwollende Haltung sowohl im Umweltressort als auch beim Umweltbetrieb Bremen.

Die beiden Grünen würden sich freuen, wenn sich Bewohner von dem Konzept begeistern lassen und Patenschaften für Flächen in der Nachbarschaft übernähmen.

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