Bremer entwickelt Spiele auf Bierdeckeln

Zocken in der Schankstube

Kurze Spiele, schnell erklärt: So mag es Andreas Schmidt. Jetzt hat er sieben solcher Spiele entwickelt, speziell für die Kneipe oder für unterwegs. Das Besondere: Sie sind alle auf Bierdeckeln gedruckt.
02.02.2019, 18:40
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Von Andreas D. Becker
Zocken in der Schankstube

Andreas Schmidt präsentiert seine Bierdeckel-Spiele auf der Spielemesse in Essen – stilecht im Popeye-Look.

Andreas D. Becker

Leicht muss es sein, schnell muss es gehen, auch mit der Regelerklärung. In der Kneipe, im Biergarten oder einfach zu Hause sitzen, Bierchen trinken, Bretzel knabbern, losspielen, Spaß haben. So ungefähr lässt sich die Philosophie zusammenfassen, die der Bremer Spieleautor Andreas Schmidt in den allermeisten seiner Spiele lebt. Das ist für ihn nicht nur eine Idee, er will sie auch verkünden, unter die Leute bringen. So gesehen pflegt Schmidt durchaus einen gewissen missionarischen Eifer: Wenn die Menschen nicht zu den Spielen kommen, müssen die Spiele eben zu den Menschen kommen. Schmidt will ihnen zeigen, wie viel Spaß Spielen macht und dass es eben nicht nur Kinderkram ist. Und da hatte er vor allem mit Blick auf Kneipen eine Idee: Spiele auf Bierdeckeln.

Schmidt, gelernter Bankkaufmann, studierter Betriebswirt mit eigener Medienagentur, ist trotz des Postulats „Eine Spielregel muss auf einen Bierdeckel passen“ ganz bestimmt nicht der Friedrich Merz der Spieleszene. Er ist eher das Gegenteil, tiefenentspannt, cool, witzig und natürlich nerdig, was zu einem Mann, der Spiele erfindet, irgendwie dazu gehört. Und so ganz neu ist die Idee mit den Bierdeckeln nicht, gibt Schmidt zu. Sie als Spielmaterial einzusetzen, war ihm vor ein paar Jahren schon einmal eingefallen. Er nutzte Bierdeckel für ein Fußball-Spiel, das er unter anderem für Werder Bremen als Werbespiel gebrandet hat.

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Bedruckt wurden die Bierfilze in Neustetten in der Nähe von Tübingen. Weil Schmidt das interessant fand, fuhr er einfach mal in den Süden, um sich den Betrieb anzuschauen. „Als ich da war, kam ich mit dem Chef ins Gespräch. Und da erfuhr ich von Rüdi, dass er auch die Lizenz von Hägar, dem Schrecklichen, hat. Da habe ich sofort gesagt: Ich mache dir ein Spiel daraus für die Bierdeckel“, erinnert sich Schmidt. Rüdi, der Rüdiger Herold heißt, fand die Idee sofort gut. Und so nahm alles seinen Lauf.

Kleine, schnelle Spiele für überall

Das Material und die Überlegung, kleine, schnelle Spiele für überall zu entwickeln, inspirierte Schmidt. So sehr, dass es nicht bei einer Idee blieb. Er entwickelte zwei Hägar-Spiele. Und weil er auch Popeye-Fan ist und diese Lizenz dann auch von den Bierdeckelmachern geholt wurde, erfand er noch drei Popeye-Spiele, unter anderem sein „Torschuss-Panik!“ in einer Retro-Popeye-Version. Schmidt ersann auch noch ein Spiel mit Piraten namens „Säbel & Schädel“ und eins mit Zombies, das „Alles läuft!“ heißt.

„Alle Spiele können in unter zwei bis drei Minuten erklärt werden“, sagt Andreas Schmidt. Das sei besonders wichtig, damit sie wirklich in jeder Situation zum Einsatz kommen könnten und die Hemmschwelle, einfach loszulegen, so niedrig wie irgendwie möglich sei. Schmidt mag es auch, wenn man in der Kneipe nebenbei ein bisschen zockt, aber nicht so viel Hirnschmalz in die Partie investieren muss, sondern nebenbei noch plaudern kann. Die Amerikaner haben für diese Gattung einen eigenen Begriff geprägt: Bier-und-Bretzel-Spiele.

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Obwohl Schmidt zuletzt für genau das Gegenteil Aufmerksamkeit bekommen hat. Im vergangenen Jahr war er für den Preis „Kennerspiel des Jahres“ nominiert. „Heaven & Ale“ heißt das Spiel, das er zusammen mit Michael Kiesling entwickelt hat. Aber auch wenn es das Bier bereits im Namen trägt, ist es genau das Gegenteil von dem, wofür die Bierdeckel-Spiele stehen: „Heaven & Ale“ macht natürlich auch Spaß, eine ganze Menge sogar, es ist ein intellektuelles Vergnügen, aber eben kein Spiel für immer und überall. Auf „Heaven & Ale“ muss man sich einlassen können, es ist komplex, da rauchen die Köpfe. Und es bräuchte sehr, sehr viele Bierdeckel, um die Regel darauf zu drucken.

Die größte Herausforderung für Schmidt war es denn auch, Spiele mit sehr wenig Material zu entwickeln. 13 Bierdeckel durften es höchstens sein, dann noch einer, aus dem man kleinere Teile stanzt. Mehr als 15 solcher Marker passen nicht auf einen Bierfilz. „Dann gehen noch ein oder zwei Würfel“, erzählt Schmidt.

Sieben unterschiedliche Spiele in kurzer Zeit

Trotz dieses engen Rahmens sind sieben komplett unterschiedliche Spiele entstanden. Bei „Hägar: Auf zu neuen Ufern!“ geht es darum, möglichst clever Landschaften zu legen. Bei „Popeye: Schlagkräftig!“ wird eine Partie Golf nachgespielt. Und bei „Alles läuft!“ gilt es, so schnell wie möglich den Zombies wegzurennen und sich in die sichere Hütte zu retten.

Schmidt und Herold suchen nun nach einem Verlag, der ihre Spiele flächendeckend in den Handel bringt. Der Spieleverlag Pegasus hat Interesse bekundet und Anfang dieses Jahres eine erste Bierdeckelspiel-Welle bestellt. Schmidt klingt zuversichtlich, dass sich die Idee durchsetzt, er glaubt daran, dass der Trend zu kurzen Mal-eben-Zwischendrin-Spielen geht, Spiele, die nicht Spielfilmlänge haben, sondern eher die Dauer eines Youtube-Clips. Wenn es den Spielern gefallen hat, können sie es ja direkt noch einmal spielen. Und dazu ein frisches Bier – „auch alkoholfrei“, sagt Schmidt – und ein paar Bretzeln konsumieren.

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