Anderer Festival-Name möglich

Zoff um die Zukunft der Breminale

Eine von der Wirtschaftsförderung Bremen gesetzte Frist ist abgelaufen. Deshalb fällt die Vergabe der Breminale 2019 anders aus als vom Kulturressort geplant. Das ärgert die Politiker.
16.05.2018, 20:07
Lesedauer: 3 Min
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Zoff um die Zukunft der Breminale
Von Nina Willborn

Schon der Name von Punkt sechs auf der Tagesordnung der Kulturdeputation ließ aufhorchen: "Ausschreibung Festival an der Weser". Festival an der Weser, das ist doch die Breminale – oder etwa nicht mehr? Was die Vorlage 128 tatsächlich bedeutet, erfuhren die Politiker erst in der Sitzung am Mittwochnachmittag – die Vorlage wurde nicht wie gewöhnlich vorab veröffentlicht, sondern als Tischvorlage zu Sitzungsbeginn verteilt.

Der Inhalt des zweiseitigen gelben Papiers sorgte bei allen Fraktionen für Unmut. Denn obwohl nur darüber diskutiert und nichts beschlossen wurde, bedeutet es doch, dass womöglich zwei Entscheidungen bereits gefallen sind. Die erste: Die Kulturbehörde hat sich vom Wirtschaftsressort, das die Breminale über die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) ebenfalls unterstützt, überholen lassen. Nach dem langwierigen und schwierigen Hickhack um die Ausrichtung der Breminale 2018 hatte die Kulturdeputation beschlossen, das Festival im Sommer abzuwarten, es auszuwerten und erst danach zu entscheiden, wie, für wie lange und an wen man es für die Zukunft vergibt.

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Die Entscheidung für 2019 ist aber laut der Vorlage bereits so gut wie gefallen. Denn: Die Antragsfrist für die Festival-Mittel der WFB – für das Jahr 2018 waren es 60.000 Euro – ist am 30. April verstrichen. "Das ließ eine vorgeschlagene Ausschreibung (...) für alternative Bewerbungen nicht zu", heißt es in der Vorlage. Die einzige Bewerberin innerhalb der Frist war die Concept Bureau UG, die als neuer Veranstalter auch die Breminale 2018 stemmt. Hervorgegangen ist sie aus Sternkultur, deren Gesellschafter Susanne von Essen und Max Maurer sich zerstritten hatten. Die Concept Bureau wiederum holt die Breminale GmbH von Harald Siegel für die Gastronomie an Bord, damit das Ganze Breminale heißen kann.

Keine Bindung an den Namen Breminale

Das wird sich möglicherweise in den kommenden Jahren ändern. Denn: Laut dem Papier haben sich Kulturressort und WFB darauf geeinigt, ab 2020 "lokale Agenturen (...) aufzufordern, eigene Konzepte für die Zukunft eines Festivals an der Weser einzureichen. Eine Bindung an den Namen Breminale ist dabei nicht vorgesehen." Nicht zwangsläufig vorgesehen, so ist die Passage laut Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD) zu verstehen. Aber es bedeutet auch, dass die Breminale ab 2020 auch "Dicht am Deich", "Osterdeichbrand" oder "Wesinale" heißen könnte – das waren die ersten Vorschläge auf Twitter – möglicherweise im Wechsel, je nachdem, wer das "Festival an der Weser" gerade ausrichtet. Die Vorlage lässt offen, ob die Vergabe ab 2020 jährlich oder für einen längeren Zeitraum angestrebt wird.

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Die Deputierten fühlten sich sowohl von der abgelaufenen Frist der WFB als auch der Entscheidung für die Ausschreibungen ab 2020 überrumpelt. "Ich höre jetzt zum ersten Mal, dass es diese Frist gibt", sagte Sükrü Senkal (SPD). Kai Wargalla (Grüne): "Es war Beschlusslage der Deputation, dass ab 2019 neu ausgeschrieben wird. Hier werden Fakten geschaffen." Auch Miriam Strunge (Linke) störte, "dass es für 2019 jetzt schon ein Konzept gibt. Wir hatten in der Deputation besprochen, dass wir das ausdrücklich nicht wollten. Ein offener Prozess ist damit erst ab 2020 möglich." Claas Rohmeyer (CDU) fand ebenfalls, dass "Fakten geschaffen werden, ohne eine Ausgangsgrundlage zu haben". Er regte an, dass die Kulturbehörde die Vorlage zurückziehen solle.

"Man muss es nicht höher hängen, als es ist"

Carmen Emigholz dagegen wiegelte ab: "Man muss es nicht höher hängen, als es ist." Was den Namen "Breminale" angehe, habe darüber ja auch der Inhaber der Namensrechte, also die Breminale GmbH, zu entscheiden. Auch Strunge und Wargalla hatten schon früher klargemacht, dass sie sich auch ein Weser-Festival, das nicht Breminale heißt, vorstellen könnten. "Wir sollten uns endlich von den Namensrechten des privaten Veranstalters lösen und ein ,Weserfestival' unabhängig davon denken", twitterte Wargalla.

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Was das Prozedere angeht, wird die Kulturbehörde laut Emigholz auch weiterhin nach dem gefassten Plan der Auswertung der Breminale 2018 verfahren. "Es wird so getan, als ob wir in Bremen ein Heer von Veranstaltern hätten, die eine solche Veranstaltung durchführen können", sagte die Kulturstaatsrätin. "Aber der Radius solcher Veranstalter ist begrenzt. Da werden wir nur wenige finden."

Bei einem anderen Thema, das für Zoff zwischen Wargalla und der SPD gesorgt hatte, herrschte übrigens Eintracht: Die vorgelegte Strategie zu einem Konzept zur Erinnerungsarbeit rund um das geplante Arisierungs-Mahnmal wurde allseits begrüßt.

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