Drei Jahre Hafenrummel

Zu Besuch bei Rummel-Arne

Der Hafenrummel in der Überseestadt wird drei Jahre alt. Ein Besuch.
01.11.2018, 09:48
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Zu Besuch bei Rummel-Arne

Betriebsleiter Arne Gloe an einem der historischen Spielgeräte.

walter Gerbracht

Der Hafenrummel wird in diesen Tagen drei Jahre alt. Nun könnte man sagen: Das ist doch kein Alter! Aber in diesem Falle darf man behaupten: Der Kleine ist aus dem Gröbsten raus. Die originelle Vergnügungsstätte im Keller des BLG-Forums am Speicher XI brachte mehr Spaß und Leben an einen Ort, wo es davon noch nicht genug gibt. Die Aussicht zieht Menschen aller Generationen in die Überseestadt. Kürzlich wurde Gast Nummer 55.555 feierlich begrüßt, und sogar in Hamburg blickt man mit etwas Neid auf das Etablissement, sagt Rummel-Arne.

Gerummelt wird seit drei Jahren im Keller einer ehemaligen Staplerhalle gegenüber dem Speicher XI. Mit einem Laufzettel in der Hand geht es an elf Spielstationen auf liebenswert altmodische Weise darum, mit Glück, Zielsicherheit und Geschicklichkeit Punkte zu sammeln. Dafür müssen zum Beispiel Bälle oder Kaffeesäcke geworfen, Kugeln gerollt, Scheiben geschoben, Münzen arrangiert und Mäuse bewegt werden. Das können Kinder ab dem Alter von etwa 6 Jahren ebenso gut wie Erwachsene. Zu Besuch kommen daher Mehrgenerationen-Familien genau so gerne wie Freundeskreise jedes Alters.

Spiel mit Historie und Klischees

Was die Sache so einmalig macht, ist die skurril-nostalgische Kulisse zwischen 50er Jahre Jahrmarkt und schummriger Hafenwelt. Die Gäste bewegen sich im Licht alter Straßenlaternen, zwischen Antikem und authentischem Trödel aus Speichern, Schuppen und Kontoren. Die Stationen sind allesamt selbstgebaute Unikate und nennen sich zum Beispiel “Hafenböttjers Fassbahn” oder “Festmachers Rampe”. Das witzige Spiel mit Historie und Klischees beeindruckte einen Besucher aus Hamburg derart, dass er den Betreibern ans Herz legte, auch dort eine Filiale zu eröffnen, erzählt Rummel-Arne.

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Arne Gloe arbeitet als Wirt und Bilderbuch-“Schauermann” von Anfang an im Hafenrummel. Den Titel “Rummel-Arne” hatte ihm seine Freundin spaßeshalber verliehen, erzählt der 47-Jährige, der seine frühe Kindheit an der Waller Nordstraße verbrachte. Er begann seine Jahrmarkt-Karriere zunächst stundenweise, “einfach, weil mir so gut gefiel, was die hier machen”, erzählt er. „Ich hab mich auf den ersten Blick in diesen Laden verliebt, und freue mich immer noch jeden Morgen, wenn ich hier aufschließe.“ Im Dezember 2015 übertrugen ihm die Jahrmarkt-Besitzer die Betriebsleitung. Mit Fischerhemd, Rauschebart, Tätowierungen an den kräftigen Armen und massivem Löwenkopf-Ring am Finger könnte er optisch nicht besser ins Ambiente passen. Inzwischen ist die Kunstfigur zu seinem Alter Ego geworden, auf YouTube kursieren sogar Videoclips. Dabei kommt Gloe beruflich aus einer ganz anderen Branche: Für die Pressearbeit und das professionelle Marketing seines Arbeitgebers ist als Coach und Social-Media-Experte qualifiziert.

Zum Hafenrummel gehört auch die gemütliche gleichnamige Kneipe, in der die Gäste mit Getränken aller Art und hauseigenen Snacks wie Crepes und „Rummel-Rollen“ bewirtet werden, oder für geschlossene Gesellschaften externes Catering nach Wunsch ordern können. Hier wurden schon diverse Junggesellenabschiede, Kinder- und runde Geburtstage, Jubiläen und sogar eine Silberhochzeit gefeiert. Zahlreiche Betriebsklimata wurden auf vergnügliche Weise verbessert, nachdem sich Chefs und Mitarbeiter nebeneinander an „Tallymanns Transmissionsbord“ abgemüht hatten. „Vielen Leuten ist es heutzutage zu langweilig, den ganzen Abend am selben Tisch zu sitzen“, weiß Gloe. Bereits im August seien er daher fast komplett für Weihnachtsfeiern ausgebucht gewesen.

Hafenrummel soll zur Hausbühne werden

Ausgebaut werden soll künftig das interne Veranstaltungsprogramm. So könnte der Hafenrummel bald zur Hausbühne für die „Josie White Revival Band“ werden, die nach der Schließung des Findorffer Pubs Orange heimatlos geworden ist. Das nächste Konzert der Bremer Irish-Folk-Band ist für Freitag, 16. November geplant. Gespräche laufen auch mit dem Organisator der „Acoustic Session“, berichtet Gloe. Die monatliche Livekonzert-Reihe ist ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Bleibe und könnte laut Gloe gerne hier andocken.

Der „Hafenrummel“ ist die Idee von Ulrich Möllmann und Claudia Geerken, die seit Ende 2012 bereits die Indoor-Minigolfanlage „Schwarzlichthof“ in der Alten Stauerei betreiben, vor genau fünf Jahren an derselben Adresse das „Hafenrevuetheater“ gründeten, und zum Anfang des kommenden Jahres eine originelle Übernachtungsstätte für unkonventionelle Stadtbesucher in Betrieb nehmen werden. In einem Teilbereich der Alten Stauerei wird ein originelles Indoor-Hostel-Camp namens „Hafentraum“ bis zu 31 Gäste beherbergen. Sie übernachten nicht in gewöhnlichen Zimmern, sondern in Campingwagen, Marktbuden oder Holzhütten. Gemeinsam werden die Angebote seit Neuestem als “vier Attraktionen mit Retrocharme und Hafenflair” über die Internetadresse www.ueberhafen.de vermarktet. Die Betreiber erhoffen sich einen Synergie-Effekt: Die Übernachtungsgäste sind auch potentielle Zuschauer, Minigolfer oder Rummel-Bummler.

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Der Hafenrummel zog im Herbst 2015 in eines der ältesten erhaltenen historischen Gebäude der Überseestadt - und nach der Sanierung durch Bauunternehmer Klaus Hübotter wurde es auch wieder zu einem der besonders Schönen. Gebaut wurde es im Jahr 1906 als riesige Batterie für die seinerzeit modernen technischen Anlagen des Überseehafens. Die Generatorenhalle versorgte Maschinen, Kajen und Krananlagen mit der nötigen Energie. Seit den 1920-er Jahren setzte die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) zunehmend auf Elektrokarren für den Transport von Stückgut im Hafen. Die Staplerhalle – das heutige BLG-Forum – wurde 1927 für die Pflege und Wartung des Fuhrparks angebaut.

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