181. Stiftungsfest der Eiswette Zu Guttenberg hält die Bremen-Rede

Bremen. Zum traditionellen Festmahl der "Bremer Eiswette von 1829" werden am Sonnabend mehr als 700 Teilnehmer erwartet. Zu der reinen Männer-Gesellschaft kommen Gäste aus Wirtschaft und Politik. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hält die Festrede.
14.01.2010, 20:30
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Von Sebastian Manz

Bremen. Wer dieser Tage in Bremen einen Smoking leihen will, wird seine liebe Not haben. Am Wochenende geht im Congress Centrum das 181. Stiftungsfest der Eiswette über die Bühne, und dort ist der edle Zwirn Pflichtgarderobe. Einen Nachmittag lang tafelt eine illustre Herrenrunde streng nach Ritual und spendet anschließend für Seenotretter. Außerdem wird Rednern aus Politik und Wirtschaft gelauscht. Zur Lage Bremens und der Nation spricht in diesem Jahr Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Das Stiftungsfest ist heute einer der Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens in der Hansestadt. Dabei entstand der Brauch vor 181 Jahren recht profan als Wette unter Junggesellen, die sich regelmäßig zum Kartenspielen, Kegeln und Trinken trafen. Im Herbst 1828 wetteten die Kameraden, dass die Weser am Neujahrsmorgen 1829 noch offen ist. Als Einsatz legten die Burschen 'Braunen Kohl und Zubehör' fest. Doch das allein reichte der Runde noch nicht. Um den Nervenkitzel zu steigern, sollte ein Schneider von 99 Pfund mit seinem glühenden Bügeleisen über die gefrorene Weser gehen. Hielt das Eis der Belastung stand, galt der Fluss als zugefroren.

Inszeniert wird die Wette seit jeher am sogenannten Punkendeich zwischen Altenwall und Sielwall. Als Punken wurden früher die Prostituierten bezeichnet. Die Damen durften nicht nach Bremen hinein und mussten ihrem Gewerbe außerhalb der Stadt am Flussufer nachgehen.

Das Spektakel stieß bei den Bremern auf soviel Anklang, dass es seither jährlich wiederholt wird. Aus der anschließenden Braunkohlmahlzeit wurde über die Jahre das, was heute das Stiftungsfest der Eiswette ist. Um festlich gedeckte Tafeln, die sogenannten Eisschollen, versammeln sich Jahr für Jahr verdiente Bürger Bremens aus den verschiedensten Berufsgruppen und jeden Alters. Die Runde entwickelte ein eigenes Brauchtum, auf das auch heute noch großer Wert gelegt wird.

Die Gepflogenheiten und Rituale sollen vor allem hanseatische Geisteshaltung widerspiegeln, heißt es. Heute ist es üblich, dass die rund 300 Eiswett-Genossen Gäste zum Stiftungsfest einladen. Frauen allerdings ist der Zugang nach wie vor verwehrt. Darüber wacht das Präsidium der Eiswette und muss sich dafür regelmäßig bohrende Fragen gefallen lassen. Präsident Peter Braun, der dieses Amt seit 2004 inne hat, findet die Eiswett-Männer seien noch nicht soweit, sie wollten unter sich bleiben. 'Wir sind ja keine weltfremden

Ideologen', sagt er. 'Natürlich wird sich die Eiswette irgendwann öffnen, aber ich will, dass sie es will und nicht, dass sie es muss.' Kritiker halten dagegen, dass das Stiftungsfest der Eiswette längst mehr ist, als nur ein seltsames Ritual aus vergangenen Jahrhunderten. Wer hier mitmacht, der gehört zum exklusiven Zirkel der Wichtigen aus Handel, Schifffahrt, Industrie und Politik. Frauen davon auszusperren, sei einfach nicht mehr zeitgemäß, lauten die Argumente.

In diesem Jahr wird es in jedem Fall noch dabei bleiben: Die Ehefrauen der Eiswett-Genossen und deren Gäste verbringen den Tag im Park Hotel. Zu später Stunde stoßen die Herren zum dortigen Eiswett-Ball dazu.

Gast der Stiftungsfestes ist in diesem Jahr auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker wird die Rede auf Deutschland und Bremen halten, die fest zum Ablauf gehört. Meist sind gesellschaftliche Herausforderungen Inhalt der Reden.

Hans Heinrich Driftmann ist diesmal für die Gästerede zuständig. Der geborene Bückeburger ist Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Namhafte Wirtschaftsvertreter finden sich in diesem Jahr in großer Zahl beim Stiftungsfest ein. So hat etwa Martin Kannegiesser sein Kommen angekündigt. Er machte sich besonders als Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall einen Namen. Auf der Gästeliste findet sich auch Arndt Kirchhoff. Er ist derzeit Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses und Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer.

Auch ein Topmanager mit Bremer Wurzel nimmt am Stiftungsfest Teil. Klaus Kleinfeld war Vorstandsvorsitzender von Siemens. Vor zwei Jahren wurde ihm die sogenannte Schmiergeldaffäre des Konzerns zum Verhängnis und er trat von diesem Posten zurück. Heute leitet er den amerikanischen Aluminiumkonzern Alcoa.

Nach der Schaffermahlzeit besucht Wolfgang Reitzle nun auch Bremens zweites gesellschaftliches Großereignis. Ob der Vorstandsvorsitzende der Linde AG von seiner Ehefrau, der Fernsehmoderatorin Nina Ruge, in die Hansestadt begleitet wird, ist allerdings noch nicht geklärt. Bereits bestätigter Vertreter der TV-Prominenz ist dagegen Tagesthemen-Sprecher Tom Buhrow.

Auch namhafte Politiker strömen morgen nach Bremen. Unter ihnen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen und Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum, der bis 2007 Senator in der Hansestadt war.

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