Studie zu Stickoxidbelastung Zu hohe Belastung in Berne vermutet

Einer Studie zufolge könnte die Stickoxidbelastung in der Langen Straße über dem Grenzwert liegen. Bürgermeister Hartmut Schierenstedt sorgt sich dennoch nicht. Eine Lösung sei in Sicht.
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Zu hohe Belastung in Berne vermutet
Von Barbara Wenke

Berne. Die Gemeinde Berne ist eine von 43 Kommunen in Niedersachsen, die das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums als potenziellen Gefahrenpunkt für eine verbotene Stickoxidbelastung (Stickoxide sind Sammelbezeichnungen für verschiedene gasförmige Verbindungen, die aus den Atomen Stickstoff (N) und Sauerstoff (O) aufgebaut sind) in der Luft ausgemacht hat. In der 7000-Seelen-Gemeinde könnte der zulässige Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nach amtlichen Berechnungen überschritten worden sein.

Bernes Bürgermeister Hartmut Schierenstedt hat die 32-seitige Studie bereits gelesen. „Der Bericht hat viel Aufmerksamkeit bei uns im Haus verursacht“, berichtet das Gemeindeoberhaupt. Hartmut Schierenstedt hat bereits mit dem zuständigen Sachbearbeiter der Hildesheimer Behörde telefoniert. Der habe seine Vermutung bestätigt: „Die Untersuchung bezieht sich auf Daten aus der Langen Straße.“

Für ihre Studie haben die Hildesheimer von 2013 bis 2017 landesweit Daten über Straßennetze, Gebäudebestände, Verkehrsdichte sowie Windaufkommen zusammengetragen und ausgewertet. Aus den Ergebnissen errechneten die Mitarbeiter ein mögliches Schadstoffrisiko. Gemessen worden ist noch nicht. Ein Ziel der Untersuchung sei die Identifizierung von Orten höchster Luftschadstoffbelastung in Niedersachsen bezogen auf die Schadstoffe Stickstoffdioxid und Feinstaub. Mit Hilfe eines Verfahrens, das auf dem Straßennetz und dem Gebäudebestand in Niedersachsen basiert, wurden am Computer Hotspots errechnet. Aufgrund langjähriger Erfahrungen aus Messungen gehen die Verfasser der Studie davon aus, dass sich die Orte mit der höchsten Immissionsbelastung in unmittelbarer Nähe zu Straßenabschnitten mit relativ hohen Verkehrsstärken befinden.

Zudem spiele die Bebauungssituation eine zentrale Rolle. Es sei bekannt, dass die höchsten Immissionen an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen sowie geschlossener Randbebauung auftreten. Je größer das Verhältnis der Bebauungshöhe zur Straßenbreite, desto schlechter laut Studie die (Luft-)Austauschbedingungen einer solchen Straßenschlucht. Neben der Bebauungssituation kann die Straßenführung einen signifikant negativen Einfluss auf die Ausbreitungsbedingungen von Luftschadstoffen im Straßenraum haben.

Zur Ermittlung der Emissionen hat das Gewerbeaufsichtsamt vorhandene Verkehrszähldaten genutzt. Für eine kleinskalige Berechnung wurden außerdem meteorologische Daten für ein repräsentatives Jahr herangezogen. Die Daten wurden regionsspezifisch für Niedersachsen ermittelt. Stickstoffoxide entstehen bei jeglicher Art von Verbrennungsprozess. Als relevante Quellen für Stickoxide gelten anthropogene, also vom Menschen verursachte Verbrennungsprozesse wie Autoabgase, industrielle Prozesse oder Endprodukte aus Anlagen zur Energie- und Wärmeerzeugung.

Derzeit sind in Niedersachsen sieben Städte mit Messstationen ausgestattet: Hannover, Oldenburg, Osnabrück, Hildesheim, Hameln, Göttingen und Braunschweig. Neben diesen Zentren hat die Hildesheimer Behörde in Niedersachsen weitere 62 Städte und Gemeinden identifiziert, an denen potenziell eine Überschreitung des Grenzwerts für den Jahresmittelwert der Stickstoffdioxidkonzentration möglich sein könnte.

Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Dragos Pancescu aus Elsfleth, fordert „innovative Verkehrskonzepte und eine Ausweitung des Luftmessnetzes des Landes Niedersachsen.“ Umweltminister Olaf Lies müsse unverzüglich regelmäßige Messungen an den betroffenen Verkehrsknotenpunkten in Berne durchführen lassen. „Anwohner haben ein Recht zu wissen, ob die Grenzwerte für eine gesunde Atemluft eingehalten werden.“ Dass es in Berne an der Ortsdurchfahrt zu einem Aufstellen von Messgeräten kommen wird, glaubt Bürgermeister Hartmut Schierenstedt indes nicht. „Die Verkehrszahlen haben sich gegenüber dem Untersuchungszeitraum geändert“, betont der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass sich die Luftqualität in den kommenden Jahren weiter verbessern wird.

Mit Fertigstellung der Ortsumgehung im kommenden Jahr werde die Lange Straße längst nicht mehr so stark frequentiert wie im Moment. „Schon jetzt geht weniger Verkehr durch Bernes Ortsdurchfahrt“, hat Schierenstedt beobachtet. Um gen Süden zu fahren, nutzten zahlreiche Verkehrsteilnehmer den Teilabschnitt der Umgehungsstraße bis nach Ranzenbüttel und anschließend die Fähre. Das Umweltministerium in Hannover schlägt als ersten Schritt zur Verbesserung der Luftqualität vor, die realen Verkehrsdaten in den identifizierten Hotspots zu ermitteln. Messstationen könnten folgen. Sollten sich dabei die errechneten Hotspots bestätigen, wären die Kommunen zur Erstellung von Luftreinhalteplänen und Gegenmaßnahmen verpflichtet. Im schlimmsten Fall drohten Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge. Berne drohe dieses Szenario allerdings nicht, ist Bürgermeister Hartmut Schierenstedt überzeugt.

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