Controlling-Bericht legt Probleme offen

Zu hohe Personalkosten der GENO

Die wirtschaftliche Lage des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord bleibt angespannt. Das Kernproblem der GENO, sind laut Controlling-Bericht die hohen Personalkosten.
13.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Zu hohe Personalkosten der GENO
Von Jürgen Theiner

Die wirtschaftliche Lage des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord bleibt angespannt. Das Kernproblem der GENO, sind laut Controlling-Bericht die hohen Personalkosten.

Die wirtschaftliche Lage des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) bleibt angespannt. Ein vertrauliches Papier für den Controlling-Ausschuss der Bürgerschaft bestätigt, was Anfang Dezember bereits im jüngsten Sanierungsbericht für die Geno anklang: Die vier Häuser in Mitte, Nord, Ost und Links der Weser haben zwar kein Einnahme-, aber ein Ausgabenproblem. Was im klinischen Bereich an zusätzlichen Erlösen erwirtschaftet wird, fressen die im Bundesvergleich überdurchschnittlichen Personalausgaben wieder auf.

Licht und Schatten also bei der Geno, deren Finanzen über die Jahre wechselnden Senatoren immer wieder Kopfzerbrechen bereitet haben. Nach der drohenden Insolvenz im Jahr 2011 wurde ein Sanierungsprogramm beschlossen, das unter anderem eine Neuausrichtung des medizinischen Konzepts beinhaltet.

Probleme mit dem Neubau

Für mehr Wirtschaftlichkeit soll auch ein Neubau auf dem Klinikgelände an der St.-Jürgen-Straße sorgen, doch wie berichtet, hakt es derzeit bei diesem Projekt. Mindestens so gravierend wie die Rückschläge auf der Baustelle sind allerdings die strukturellen Probleme, vor denen der Krankenhaus-Verbund steht.

Sie lassen sich einer Vorlage entnehmen, mit der sich an diesem Freitag der Controlling-Ausschuss auseinandersetzen wird. Dieses Gremium überwacht die städtischen Betriebe und Unternehmensbeteiligungen.

Kernproblem der Geno sind demzufolge die hohen Personalkosten, insbesondere im Bereich der Verwaltung, aber auch durch Leiharbeit im ärztlichen und pflegerischen Sektor. 12,1 Millionen Euro mehr als geplant weist die Gesundheit Nord für das abgelaufene Jahr bei den Betriebsaufwendungen aus, und dahinter verbirgt sich insbesondere dieser Kostenblock.

Ärzte verdienen bei der Geno deutlich mehr

Ärzte verdienen bei der Geno deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Im Schnitt gab sie 2016 für einen angestellten Mediziner 125.000 Euro aus (Arbeitgeberbrutto), mehr als 10.000 Euro mehr als deutschlandweit üblich. Im Verwaltungsdienst der Kliniken ist der Gehaltsunterschied zur Bundesebene besonders eklatant.

Lag das Arbeitgeberbrutto (Bruttogehaltszahlung plus Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen) pro Kopf bei rund 75.000 Euro, so betrug der Bundesschnitt 58.000 Euro. Angesichts einer Geno-weit vierstelligen Zahl von Verwaltungskräften verursacht diese zusätzliche Belastung einen Millionenaufwand, dem keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen.

Misslich für die städtischen Kliniken ist auch, dass sie in hohem Maß auf Leiharbeit zurückgreifen müssen. Die Ausgaben für Ärzte, die auf Honorarbasis beschäftigt werden, sind nämlich in der Regel deutlich höher als bei angestellten Medizinern.

Hoher Anteil an Leiharbeitern

Doch während sich der hohe Anteil von Leiharbeit bei den Medizinern noch mit einem weitgehend leer gefegten Stellenmarkt erklären lässt, trägt dieser Ansatz beim Pflegepersonal nur bedingt. Arbeitnehmervertreter haben bereits vor längerer Zeit gefordert, dass die Geno ihre Ausbildungsanstrengungen intensivieren müsste, um mehr Krankenschwestern und -pfleger aus eigenem Nachwuchs rekrutieren zu können.

Den Vorsatz, an dieser Schraube zu drehen, hat die Geno-Chefetage immerhin gefasst. Für 2017 sei geplant, „den Aufwand für Leihpersonal merklich zu reduzieren. Bisher durch Leihpersonal besetzte Stellen in der Pflege und im ärztlichen Dienst sollen durch Neueinstellungen substituiert werden“, ist im Bericht für den Controlling-Ausschuss nachzulesen.

Angesichts der überproportionalen Belastung bei den Personalausgaben stünde es deutlich schlimmer um die Geno, wenn es ihr 2016 nicht zugleich gelungen wäre, mehr Behandlungsfälle abzurechnen als im Vorjahr.

Kliniken verzeichnen wachsenden Zuspruch

Die vier Kliniken des Verbundes verzeichnen wachsenden Zuspruch von Patienten aus Bremen und dem Umland, sie genießen also Vertrauen. „Mit Ausnahme des Klinikums Bremen-Ost konnten alle Kliniken der Geno an der Leistungssteigerung in der Somatik partizipieren“, heißt es in dem Papier.

Betrachtet man die einzelnen Kliniken, so zeigt sich, dass sich in den ersten drei Quartalen insbesondere die Kliniken Mitte und Ost gut geschlagen haben. In Mitte lagen die Erlöse aus den Fallpauschalen, die von den Kostenträgern erstattet wurden, um 3,8 Millionen Euro über Plan.

In Bremen-Ost wurden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres zwar weniger chirurgische Leistungen abgerechnet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Doch durch gesteigerte Erlöse aus psychiatrischen Behandlungen wurde dieses Minus mehr als aufgewogen.

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