Club in der Tiefgarage Zucker-Netzwerk zieht ins Bremer Papageienhaus

Der Verein Zucker und Immobilen Bremen haben sich auf eine Zwischennutzung von 18 Monaten für das Papageienhaus geeinigt. In der Tiefgarage soll es einen Club geben, in der zweiten Etage Ateliers.
02.01.2020, 18:58
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Zucker-Netzwerk zieht ins Bremer Papageienhaus
Von Pascal Faltermann

Papageienhaus statt Hochbunker: Der Verein Zucker zieht zunächst in das Gebäude in der Bahnhofsvorstadt, das eigentlich Jakobushaus heißt. Später soll es im Bunker an der Hans-Böckler-Straße in Walle weiter gehen. Seit Jahren sucht das Kollektiv mit Künstlern aus der Elektro-, Techno- und Clubszene nach einem geeigneten Raum. Nun ist ein Vertrag für eine Zwischennutzung für das Hochhaus mit den bunten Fensterrahmen in der Nähe des Güterbahnhofs unterzeichnet worden. Der Vertrag soll über 18 Monate bis zum 30. Juni 2021 laufen. Das bestätigen der Verein und der städtische Liegenschaftsverwalter Immobilien Bremen (IB).

„Wir sind froh, dass es zu einer konstruktiven und freundlichen Zusammenarbeit kommt“, sagt IB-Sprecher Peter Schulz. Mit den neuen Betreibern, den Mitgliedern des Zucker, habe es gute Gespräche gegeben, und „wir freuen uns, dass das Haus wieder belebt wird“, so Schulz. Ein entsprechender Vertrag sei bereits am 21. Oktober 2019 von beiden Seiten unterschrieben worden, am 24. Oktober habe es eine Übergabe gegeben.

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Seitdem hatte das Künstlerkollektiv Zeit, um die Räume herzurichten und entsprechende Berechtigungen zu beantragen. Die Baugenehmigung und die Nutzungserlaubnis sind nun erteilt, heißt es vom Zucker-Verein. An diesem Sonnabend ist unter dem Titel „P.ara Opening“ eine Eröffnungsparty geplant, unter anderem mit Musik von Gladbeck City Bombing. In der Tiefgarage des Gebäudes sollen in einem Club-Raum mit grauen Betonwänden und -säulen Partys von Techno und Terror-Pop bis Disco veranstaltet werden. Im Januar stehen bislang vier Termine fest. Wie der Verein aber mitteilt, sollen es nach und nach mehr Veranstaltungen werden. Auch Konzerte seien geplant.

Das Hochhaus befindet sich nur knapp 200 Meter entfernt von der alten Heimat, dem ersten Club des Zuckers. Wie in früheren Jahren soll es nun wieder Ateliers geben, die sich in der zweiten Etage des Papageienhauses befinden. Etwa 60 bis 70 Leute tummeln sich in dem Kollektiv Zuckerwerk und dem Verein Zucker, davon gehören etwa 15 Personen zum sogenannten harten Kern.

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Die Idee, dass das Papageienhaus zur Zwischenmiete genutzt werden könnte, hatte vor mehr als zwei Jahren die Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla (Grüne). Es habe zwar viel Gegenwind gegeben, aber klar sei: „Die Stadt braucht und will das Zucker. Jetzt bekommt sie das Zucker“, sagt Wargalla. Das sei ein wichtiges Signal für die Clubszene in Bremen. Die Vereinsmitglieder könnten sich auf die Fahne schreiben, dass sie hartnäckig geblieben sind und eine Lösung gefunden haben, so die Grünen-Politikerin.

Das habe nur funktioniert, weil es in den Behörden Menschen gebe, die sich für das Projekt einsetzten. Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass das Gebäude seit zweieinhalb Jahren leer steht und es wesentlich früher zu einer solchen Lösung hätte kommen können. Für das Jakobushaus hatte Immobilien Bremen lange einen Investor gesucht, der daraus ein Wohnheim für Auszubildende macht.

Die bislang erfolglose Suche soll nun weitergeführt werden. IB-Sprecher Schulz sagt: „Die Immobilie befindet sich in einer schwierigen Lage, wir werden weiter Gespräche führen.“ Der Verein Zucker will eigentlich den Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße kaufen. Der muss zudem aber noch großflächig umgebaut werden. Wegen juristischer Streitereien zieht sich der Prozess weiterhin in die Länge.

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