Nach Streik am Wochenende Züge fahren ab Montag wieder

Tag zwei des bundesweiten Streiks der Lokführer: Auch am Sonntag fallen viele Züge im Nah- und Fernverkehr aus. Ab Montag wollen die Lokführer aber wieder arbeiten.
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Züge fahren ab Montag wieder
Von Matthias Lüdecke

Tag zwei des bundesweiten Streiks der Lokführer: Auch am Sonntag fallen viele Züge im Nah- und Fernverkehr aus. Ab Montag wollen die Lokführer aber wieder arbeiten.

Der Streik der Lokführergesellschaft GDL sorgt auch am Sonntag im Norden für zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen. In Niedersachsen und Bremen laufe der Notfahrplan jedoch "stabil", sagte eine Bahnsprecherin am Sonntagmorgen.

Rund jede dritte Bahn im Fernverkehr fährt demnach, auf einigen Strecken im Regionalverkehr wurden zusätzlich Busse eingesetzt. Auch in Bremen bekommen Reisende den Streik an diesem Wochenende zu spüren. Zum Teil wählten sie andere Züge. Für einige war das am Ende sogar ein großes Glück.

Der erste Blick geht nach oben. Oft ist dieser Blick gestresst, eigentlich immer ist er bang. Und in vielen Fällen bestätigt sich die Befürchtung. Die Menschen, die am Sonnabend in den Bahnhof kommen, schauen alle erst einmal auf die Anzeigetafel. Denn die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder erneut zum Streik aufgerufen. Von Freitag, 2 Uhr, bis Montag, 4 Uhr. 50 Stunden Ausstand also, und das hat Konsequenzen. Bahngesellschaften wie die Nordwestbahn, der Metronom oder die Regio-S-Bahn fahren weitgehend nach Fahrplan. Die Bahn hat aber einen Ersatzfahrplan in Kraft gesetzt. Das heißt: Es fahren ungefähr 30 Prozent der Züge des normalen täglichen Angebots.

Im Bremer Hauptbahnhof hat die Bahn sogar zusätzliche Informationsschalter aufgebaut, drei sind es jetzt in der Halle. Davor stehen Menschen Schlange und warten. Das ganz große Chaos gibt es nicht. Die Schlange wird aber auch nicht kürzer. Viele Menschen wollen wissen, wie sie wann ans Ziel kommen. Und viele von ihnen werden länger brauchen als geplant. Anja Müller kann das bestätigen. Sie arbeitet in einem Geschäft für Bücher, Zeitungen und Zeitschriften im Hauptbahnhof. Und auch sie bekommt den Streik zu spüren: „Am Morgen hatten wir weniger Kunden, aber mittlerweile kommen auch einige und sagen: ,Jetzt muss ich warten und habe Zeit – ich brauche etwas zu lesen.’“

Hans Brysch und seine Frau Hanne-Lore haben von vornherein ein großes Zeitpolster eingeplant. Sie wohnen in Bremerhaven, und am Sonntag gegen 17 Uhr geht ihr Flieger nach Mallorca – von Köln aus. Der Zug, den sie eigentlich nehmen wollten, falle aus, erzählt Hans Brysch, also haben die beiden sich entschieden schon einen Tag früher nach Köln zu fahren. „Das wäre uns morgen sonst zu riskant“, sagt Brysch. Jetzt wollen sie einen IC nach Köln nehmen, der um 11.44 Uhr losfahren soll, aber Verspätung hat. In Köln müssen sie dann noch ein Hotel suchen. 150 Euro werde sie das wohl extra kosten, schätzt Brysch. Verständnis für die Lokführer hat er dennoch. „Man kennt ja nicht alle Hintergründe und kann das gar nicht beurteilen“, sagt er. „Natürlich schimpft man auch mal kurz – aber am Ende hilft das auch nicht.“

Mehr Glück hatten Justina und Thomas Danek. Sie waren gerade mit ihren beiden Söhnen auf Mallorca, am Morgen sind sie wieder in Bremen gelandet. Jetzt müssen sie nach Münster. Sie wollen mit dem gleichen Zug fahren wie die Bryschs. Es ist der Zug, den sie ohnehin hätten nehmen wollen. Nicht ganz verstehen können sie, warum die Lokführer ausgerechnet an einem Wochenende streiken, an dem in neun Bundesländern die Ferien beginnen oder enden. „Das ist schon übertrieben“, sagt Thomas Danek. Und seine Frau hofft, dass alles glatt geht. „Wenn wir jetzt in dem Zug noch einen Platz finden, ist alles gut, und wir sind nicht viel später zu Hause als geplant“, sagt sie. Eine halbe Stunde nach planmäßiger Abfahrt wird der Zug schließlich einfahren. Freie Plätze gibt es nicht mehr.

Es gibt aber tatsächlich auch Fahrgäste, die von dem Streik profitieren. Jörg Schlätker etwa. Er ist mit acht Freunden von Rheine nach Bremen gekommen. Stammtischtour. Das machen die neun jedes Jahr, dieses Mal sind Bremen und der Freimarkt das Ziel. Die Gruppe steht in bayerischer Tracht vor dem Bahnhof. Und sie verliert über den Streik kein schlechtes Wort. Eine halbe Stunde habe er sie gekostet, sagt Schlätker, „aber durch die Regelungen bei Streiks durften wir mit dem IC statt mit der Regionalbahn fahren.“

Die Lokführer hatten in der Nacht zu Samstag die Arbeit niedergelegt, der Streik soll bis Montagmorgen um 4.00 Uhr andauern. Für die kommende Woche hat GDL-Chef Claus Weselsky eine Streikpause angekündigt. Ein Tarif-Angebot der Bahn hatte die Gewerkschaft am Freitagabend abgelehnt. ( mit Material von dpa)

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