Ermittlungen zur Unfallursache / Hunderttausende Euro Schaden Zugunglück im Hauptbahnhof: Weiche falsch gestellt?

Bremen. Eine falsch gestellte Weiche könnte eine Ursache für den Zugunfall im Bremer Hauptbahnhof sein. Eine Metronom-Lok war Donnerstag kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof entgleist, keiner der 50 Fahrgäste wurde verletzt.
07.09.2013, 00:00
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Zugunglück im Hauptbahnhof: Weiche falsch gestellt?
Von Sara Sundermann

Eine falsch gestellte Weiche könnte eine Ursache für den Zugunfall im Bremer Hauptbahnhof sein. Eine Metronom-Lok war Donnerstag kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof entgleist, keiner der 50 Fahrgäste wurde verletzt. Die Bundespolizei ermittelt wegen „Gefährdung des Eisenbahnverkehrs“. Sie hat ihre Untersuchungen bereits abgeschlossen.

Jetzt ermittelt auch die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) und forscht nach der Unfallursache. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sich die Weiche unter dem Zug verstellt hat“, sagt EUB-Sprecher Moritz Huckebrink. „Das darf natürlich nicht passieren und kann eine Ursache für den Unfall sein.“ Nun untersucht die EUB, wie es dazu kam, dass die Weiche verstellt wurde und wer dafür verantwortlich ist. „Wir untersuchen vor allem die Betriebsabläufe und die Handlungen des Betriebspersonals.“ Anders als die Bundespolizei ermittelt die EUB nicht mit dem Ziel, die Frage nach der Schuld zu klären, sondern um durch Kenntnis der Unfallursachen den Zugverkehr sicherer zu machen.

Die Bundespolizei hat zwar bereits ein Gutachten erstellt und an die EUB übermittelt, will sich dazu aber noch nicht näher äußern. „Wenn man zu wissen glaubt, wie der Unfall abgelaufen ist, heißt das noch nicht, dass man dies auch beweisen kann“, sagte Holger Jurezco, Sprecher der Bundespolizeiinspektion in Bremen. Man habe insbesondere technische Abläufe und Schalterstellungen untersucht. Technisches Versagen sei nicht auszuschließen. Klar ist offenbar, dass der Zug nicht zu schnell fuhr. Das ergab der Fahrtenschreiber des Zuges, wie auch die Bundespolizei bestätigt. Den Gesamtschaden an Lok, Waggon und Gleis schätzt Jurezco auf mehrere Hunderttausend Euro.

Der Waggon ist offenbar nur leicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Die schwersten Schäden gebe es an der Lok, so Metronom-Sprecher Hagen Grützmacher. Das betreffe besonders die Aufhängung der Räder und den Unterboden der Lok. Die EUB spricht von diversen Schäden an den Drehgestellen der Lok, die unmittelbar mit den Motoren verbunden sind. „Dort gab es eine relativ hohe Gewalteinwirkung“, sagt Huckebrink.

„Es ist teuer, aber die Lok lässt sich auf jeden Fall reparieren“, erklärt Grützmacher. Einschätzungen zur Höhe des Schadens wollte er gestern nicht abgeben. Jetzt gehen Lok und Wagen in die Werkstatt. Sie waren am Donnerstag bereits nach Sebaldsbrück abtransportiert worden. Zur Reparatur sollen sie ins Metronom-Bahnbetriebswerk in Uelzen überführt werden. Die Lok muss wahrscheinlich in Kassel untersucht werden.

Es ist aber nicht nur der verunglückte Zug beschädigt worden. 120 Meter Gleis müssen erneuert und 70 Schwellen ausgetauscht werden. Auch Teile der elektrischen Weiche, die für den Unfall mitverantwortlich sein könnten, wurden beschädigt. Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst schätzt die Kosten für die Reparaturen im Oberbau auf 150000 bis 200000 Euro. Die Arbeiten werden nach Informationen der Bahn noch bis Montagnachmittag dauern. Zur Unfallursache will sich die Bahn nicht äußern. Nach Metronom-Angaben hat sich der Zugverkehr inzwischen weitgehend normalisiert. Grützmacher: „Es kann vereinzelt noch zu leichten Verspätungen kommen, aber insgesamt gehen wir vom Regelbetrieb aus.“

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