Auftakt für Sielings Planungsrunde "Zukunft Bremen 2035": Sieling stellt Projekt vor

Das Projekt „Zukunft Bremen 2035“ ist am Montag im Rathaus gestartet. Ein Jahr lang wird der Diskussionsprozess mit Akteuren der Stadtgesellschaft und auswärtigen Experten dauern.
18.09.2017, 21:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Theiner

Bremen und Bremerhaven im Jahr 2035: Was soll die beiden Städte dann auszeichnen? Und welche Weichenstellungen müssen vorgenommen werden, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen? Im Rathaus hat am Montag ein Arbeitsprozess begonnen, an dessen Ende Antworten auf diese Fragen stehen sollen. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) begrüßte rund 60 Teilnehmer zum Auftakt seines Projektes „Zukunft Bremen 2035“. Diese Bezeichnung ist an die Stelle der etwas sperrigen Vokabel Zukunftskommission getreten, unter der das Vorhaben bisher firmierte.

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Die Idee besteht darin, den Senat gemeinsam mit Akteuren der Stadtgesellschaft und auswärtigen Experten darüber nachdenken zu lassen, wie sich Bremen zukunftsfähig aufstellen kann. Die eigentliche Arbeit soll dabei nicht in großer Runde, sondern in drei sogenannten Perspektivgruppen geleistet werden, die sich den Themen Infrastruktur, Stadtentwicklung und Qualifizierung widmen. Den Teilnehmern der Auftaktklausur lagen am Montag bereits erste „Zielbilder“ vor, die die Senatsressorts als Diskussionsgrundlage verfasst hatten. Für den Bereich Stadtentwicklung hieß es da beispielsweise, man strebe „vitale, integrative, sozial gerechte und sichere Stadtteile und Quartiere mit hoher Aufenthaltsqualität“ an. Für das Thema Infrastruktur wurden unter anderem die „innovative Nutzung der Chancen der Digitalisierung“ und „nachhaltige Formen der Mobilität“ als Zielvorstellungen ausgegeben. Bei der Qualifizierung wird „ein bundesweit anerkanntes Leistungsniveau des Bildungssystems“ für wünschenswert erklärt. Nichts in den vorläufigen „Zielbildern“ verwies auf eine besondere Profilierung oder gar ein Alleinstellungsmerkmal für die Hansestadt.

Uni-Rektor hofft auf Aufwertung des Wissenschaftsstandortes

Ausgangspunkt von „Zukunft Bremen 2035“ ist der Umstand, dass Bremen von 2020 an fünfzehn Jahre lang 400 Millionen Euro an zusätzlichen Haushaltsmitteln vom Bund erhält plus weitere mindestens 87 Millionen aus dem Umsatzsteueraufkommen. Das schafft für das kleinste Bundesland zusätzliche Gestaltungsspielräume. Die Arbeit der Zukunftskommission und ihrer Untergremien bestehe aber „keineswegs in erster Linie darin, einen Verteilvorschlag für zusätzliche Mittel zu erarbeiten“, betonte Carsten Sieling zum Auftakt der Beratungen, die bis auf einen kurzen Fototermin unter Ausschluss der Medien stattfanden. Es gehe vielmehr darum, „eine möglichst breit getragene und dadurch abgesicherte Vorstellung davon zu erarbeiten, wie Bremen und Bremerhaven im Jahre 2035 aussehen sollen und wie diese Zielvorstellung am Besten erreicht werden kann“.

Vor Beginn der Beratungen beschrieben einige Teilnehmer im Gespräch mit dem WESER-KURIER ihre Erwartungen an die Arbeit der nächsten zwölf Monate. So hofft etwa der Rektor der Universität Bremen auf eine Aufwertung des Wissenschaftsstandortes. „Und zwar nicht als Selbstzweck, sondern damit Bremen sich weiterentwickeln kann“, sagte Bernd Scholz-Reiter. Für die Stadt sei es wichtig, durch ein qualitativ hochwertiges akademisches Angebot junge Leute anzuziehen. Was die Förderung innovativer Start-up-Firmen aus der Uni-Szene angeht, müsse man über das Niveau klassischer Gründerzentren hinauskommen und Interessenten Zugang zu technisch-wissenschaftlicher Infrastruktur anbieten können, wie das etwa die TU Berlin vorexerziere. Daniel Hosseus ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe. Er war als einer der neun auswärtigen Experten zu der Runde geladen. „Jeder fünfte Job in Bremen hängt von der Hafenwirtschaft ab“, so Hosseus. Und die sei angewiesen auf eine leistungsfähige Infrastruktur, verstärkt auch im Digitalen. Diesen Aspekt werde er auf den Gesprächsebenen des Projektes einbringen.

Teilnehmer sind zufrieden mit dem Auftakt

Über vier Stunden nahmen sich der Senat und seine Gäste für ihre erste Klausur. Als die Runde am Abend auseinander ging, war von den Teilnehmern viel Positives zu hören – auch von solchen, die den Senat sonst eher kritisch begleiten, wie etwa dem Präses der Handwerkskammer, Jan-Gerd Kröger. „Die Gespräche waren sehr sachorientiert und frei von politischem Lagerdenken, das habe ich als angenehm empfunden“, so Kröger. Alle drei Themenkreise versprächen einen spannenden Dialog. „Ein gelungener Auftakt“ – so sah es auch der Vorsitzende des Landessportbundes, Andreas Vroom. Und der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsträger, Arnold Knigge, sprach von einer „ausgesprochen konstruktiven Runde“. Die Wissenschaftler hätten beispielsweise deutlich gemacht, dass es für alle drei Themenfelder von entscheidender Bedeutung sei, „mit welcher Art von Arbeit wir es im Jahr 2035 zu tun haben“. Knigge: „Die Kunst wird es nun sein, den Geist dieser Auftaktveranstaltung in die Arbeitsrunden der Perspektivgruppen mitzunehmen.“

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass die Perspektivgruppen in den nächsten Monaten in loser Folge tagen und bis Januar Zwischenergebnisse präsentieren. Handfeste Resultate sollen dann im Herbst nächsten Jahres vorliegen. Politisch verbindlich ist nichts davon. Carsten Sielings sieht in den Handlungsempfehlungen des Zukunftsdialogs zwar den Rahmen für die Struktur- und Landesentwicklungspolitik des kleinsten Bundeslandes. Doch sollte nach der Bürgerschaftswahl 2019 eine andere Regierungskonstellation zustande kommen, müsste sie sich in keiner Weise an das Projekt „Zukunft Bremen 2035“ gebunden fühlen.

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