Zukunft der Innenstadt

„Mehr Gesichter, weniger Marken“

Wer möglichst viele inhabergeführte Geschäfte haben will, muss langfristg die Eigentumsstruktur in den Innenstädten kleinteiliger machen, sagt Konditormeister Bernhard Timphus.
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Mehr Gesichter, weniger Marken“
Von Timo Thalmann
„Mehr Gesichter, weniger Marken“

Bernhard Timphus führt die Traditionskonditorei Stecker.

Frank Thomas Koch

Alle wünschen sich für die Innenstadt möglichst viele inhabergeführte Geschäfte. Die Konditorei Stecker zählt dazu. Wie kann man solche Angebote sichern und ausbauen?

Als ich Stecker vor mehr als 20 Jahren übernommen habe, war mir der Erwerb auch der zugehörigen Geschäftsräume wichtig. Nur so ist der Betrieb langfristig vor ausufernden Mietsteigerungen geschützt. Denn das ist das Kernproblem inhabergeführter Angebote: Die Renditeerwartungen von Immobilienunternehmen, die in vielen Branchen einfach nicht erwirtschaftet werden kann. Nicht überall haben sie die Gewinnmargen, die mit Mode zu verdienen sind. Bei den Handwerksbetrieben schon gar nicht. Dabei wären Handwerker eine Bereicherung des Angebots: Goldschmiede oder Schneider, die Unikate anfertigen, schmücken jedes Zentrum. Und warum nicht auch Tischler und Raumausstatter? Wir brauchen mehr Gesichter, weniger Marken.

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Wie kann man das fördern?

Klar ist, dass man das nicht herbei subventionieren kann und sollte. Das muss sich schon selbst finanzieren. Aber die Rahmenbedingungen kann man verbessern. Wichtig ist aus meiner Sicht eine langfristige Sicherheit. Wer als kleiner Inhaber in seinen Handwerksbetrieb oder auch in sein Ladengeschäft sechsstellige Beträge investieren muss, kann dies nicht auf der Basis befristeter Mietverträge tun. Ich denke daher, langfristig wird man daran arbeiten müssen, die Eigentumsquote für Ladenflächen in der Innenstadt zu erhöhen.

Wie kann man das erreichen?

Ähnlich wie es Eigentumswohnungen gibt, sollte es auch Eigentumsgeschäfte geben. Wenn große Investoren Flächen entwickeln, wie aktuell etwa im Lloydhof, könnte die Politik doch zumindest eine Quote dafür vorgeben: Die Investoren werden verpflichtet, in einem bestimmten Zeitfenster soundsoviel Prozent der Flächen zum Kauf anzubieten, anstatt von vornherein überall auf höchstmögliche Mietrendite setzen zu können. Vielleicht entsteht so über die Jahre ein kleinteiligerer Flächenbesitz in der Innenstadt. Das sichert dann langfristig inhabergeführte Strukturen.

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Mehr Handwerk in der Innenstadt: Bedeutet das bei ihrem Beispiel Tischler und Raumausstatter nicht auch sofort mehr Lieferverkehr, und die Erwartung der Kunden, mit dem Auto vorzufahren, um sperrige Waren abholen zu können?

Innenstädte müssen bequem erreichbar bleiben. Aber was spricht denn gegen einen gemeinsamen Lieferdienst aller Anbieter? Warum soll der stationäre Anbieter nicht leisten, was im Onlineshopping normal ist: die Lieferung nach Hause. Klar, die Rahmenbedingungen müssen stimmen, aber die Anbieter müssen sich auch bewegen.

Das Gespräch führte Timo Thalmann

Info

Zur Person

Bernard Timphus hat vor 21 Jahren die Traditionskonditorei Stecker übernommen und ist Obermeister der Konditoreninnung Bremen/Oldenburg.

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