Thema in der Baudeputation

Zukunft der Schlichtwohnungen

Bremen. Die Zukunft der sogenannten Schlichtbausiedlungen beschäftigt an diesem Donnerstag die Baudeputation: Rund 200 dieser Wohnungen gibt es in den drei Quartieren Am Sacksdamm/Alte Landwehr, Holsteiner Straße und der Reihersiedlung. Eigentümer ist der börsennotierte Wohnungsbaukonzern Vonovia, der die Siedlungen größtenteils abreißen will.
19.01.2017, 00:00
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Zukunft der Schlichtwohnungen
Von Sabine Doll

Bremen. Die Zukunft der sogenannten Schlichtbausiedlungen beschäftigt an diesem Donnerstag die Baudeputation: Rund 200 dieser Wohnungen gibt es in den drei Quartieren Am Sacksdamm/Alte Landwehr, Holsteiner Straße und der Reihersiedlung. Eigentümer ist der börsennotierte Wohnungsbaukonzern Vonovia, der die Siedlungen größtenteils abreißen will. Der Abriss der Quartiere Am Sacksdamm und Holsteiner Straße ist beschlossene Sache, wie eine Sprecherin der Vonovia dem WESER-KURIER bereits bestätigt hatte. Noch in diesem Jahr sollen die Bagger anrollen und neue Wohnungen gebaut werden.

Joachim Barloschky vom Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ wirft der Stadt vor, sie habe es versäumt, frühzeitig auf die Abrisspläne der Vonovia Einfluss zu nehmen: „Wir brauchen in Bremen dringend 200 bis 300 solcher Einfach-Wohnungen für Menschen, die es auf dem regulären Wohnungsmarkt extrem schwer haben. Jedes Jahr verschwinden Sozialwohnungen, sie verlieren ihren Status, das wird längst nicht durch den Bau neuer Sozialwohnungen aufgefangen.“ Die Fraktion der Linken hatte in einer Anfrage gefordert, die Quartiere durch eine sogenannte Erhaltungssatzung vor dem Abriss zu bewahren, die leer stehenden Wohnungen zu sanieren und den verbliebenen Bewohnern ihr Zuhause zu sichern. In einer Vorlage für die Sitzung heißt es aus der Baubehörde, dass die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt seien. „Wir werden die Bewohner bei der Suche nach neuen bezahlbaren Wohnungen unterstützen und sehen uns als Vermittlerin zur Vonovia, wenn diese Angebote macht und es um Fragen etwa zur Miethöhe geht“, sagt der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider.

Ein anderer Fall ist die Reihersiedlung mit rund 50 Wohnungen: Hier hatte die Vonovia signalisiert, dass sie die Wohnungen nicht abreißen, sondern für einen symbolischen Preis an den Verein Wohnungshilfe verkaufen will. „Ein Bremer Bauunternehmer hatte sich bereit erklärt, die Wohnungen zu erwerben und zu sanieren. Es hat Gespräche gegeben, aber trotz eines Angebots haben wir von der Vonovia nichts mehr gehört“, sagt der Vorstand des Vereins, Johannes Frandsen. Die Wohnungen sollten an sozial benachteiligte Menschen wie Obdachlose vermittelt werden.

Sollte es zwischen Vonovia und Wohnungshilfe nicht zu „einem positiven Abschluss“ kommen, will die Deputation der Bürgerschaft einen anderen Weg empfehlen, wie aus der Deputationsvorlage hervorgeht: Es soll Gespräche zwischen der Vonovia, der Gewoba als potenzielle Käuferin und dem Verein für Innere Mission geben. Mit dem Ziel, das Quartier zu sanieren und unter anderem für von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen anzubieten. „Das können wir uns sehr gut vorstellen und die Betreuung übernehmen“, sagt Bertold Reetz, Leiter der Wohnungslosenhilfe bei der Inneren Mission. Die Sozialbehörde unterstützt die Pläne: „Wir wünschen uns aber eine gemischte Bewohnerstruktur“, so der Sprecher.

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