Bis zum 4. Januar werden Stimmen zum Image der Heerstraße gesammelt Zukunftsvisionen für den Bremer Westen

Gröpelingen. Rund fünf Kilometer führt er überwiegend geradeaus, während links und rechts Westbad und Kulturwerkstatt Westend, Wohnhäuser aus unterschiedlichen Epochen, Ladenlokale, das Atelierhaus Roter Hahn, Supermärkte, Straßenbahndepot, Diako und Grünflächen vorbeifliegen: Eigentlich könnte der Heerstraßenzug – die zentrale Verkehrsader durch Walle, Gröpelingen und Oslebshausen nach Nordwesten – ein schmuckes Aushängeschild des Bremer Westens sein.
21.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Rund fünf Kilometer führt er überwiegend geradeaus, während links und rechts Westbad und Kulturwerkstatt Westend, Wohnhäuser aus unterschiedlichen Epochen, Ladenlokale, das Atelierhaus Roter Hahn, Supermärkte, Straßenbahndepot, Diako und Grünflächen vorbeifliegen: Eigentlich könnte der Heerstraßenzug – die zentrale Verkehrsader durch Walle, Gröpelingen und Oslebshausen nach Nordwesten – ein schmuckes Aushängeschild des Bremer Westens sein.

Die Realität sieht allerdings anders aus, meinen Anwohner und auch Bremens Stadtplaner: Die stark befahrene Durchgangsstraße wirke an unterschiedlichen Stellen wie eine Barriere; aus städtebaulicher Sicht gebe es durchaus Verbesserungsbedarf, und Leerstände und Schmuddelecken ließen den Straßenzug trist wirken, ist immer wieder zu hören.

Im Integrierten Entwicklungskonzept (IEK) Gröpelingen ist deshalb der „Ausbau des Heerstraßenzuges zu einem Schaufenster mit positiver Strahlwirkung“ festgeschrieben.

Hierzu hat das Umweltressort nun einen ersten Schritt gemacht: Kürzlich sind Passanten dazu befragt worden, was ihnen am Heerstraßenzug gefällt – und was sie dort vielleicht lieber ändern würden.

Solveig Ehrler wohnt gleich um die Ecke und ist durch die großen Papp-Aufsteller in der Nähe des Lindenhof-Centers auf die Umfrageaktion aufmerksam geworden. „Ich wohne gerne hier – Gröpelingen ist ein relativ friedlicher Stadtteil. Aber ich bin auch nicht nachts unterwegs“, erzählt sie. Dass allerdings die Ecke Gröpelinger Heerstraße / Beim Ohlenhof praktisch seit Kriegsende recht trostlos aussehe, bedauere sie sehr. „Es wäre toll, wenn sich da etwas ändern würde – das ist ja hier Gröpelingens Zentrum, und es wäre schön, wenn dieses Zentrum belebt wäre.“

Die Hamburger Stadtplanungs- und Stadtforschungs-Agentur „Orange Edge“ hat verschiedene Szenarien dazu ausgearbeitet, wie die Heerstraße einmal aussehen könnte: Interviewerin Vaishali Satyamurthy zeigt Solveig Ehrler Abbildungen, auf denen der Straßenraum von den Planern sozusagen in verschiedene Atmosphären getaucht wurde.

Mal sind darauf zum Beispiel üppig bewachsene Vorgärten vor historischen Häuserfassaden zu sehen, mal Ladenlokale mit internationalen Schriftzügen und viel Platz für Fußgänger, dann wieder ein breiter Fahrradstreifen, der durch grüne Büsche von der Straße getrennt ist. Auf einer anderen Abbildung dominieren Glasbauten, in einem fünften Entwurf stehen wie bei einem Straßenfest Biertische quer über der Fahrbahn, und schließlich folgt ein nächtliches Szenario mit viel Lichtreklame.

„Das sieht alles schön aus. Aber mich interessiert, ob etwas davon realisiert wird und ob Geld da ist“, sagt Solveig Ehrler und unterstreicht: „Die Architektur in Gröpelingen ist eigentlich sehr schön.“ Als sie vor Jahren hierher zog, habe sie sich vorgestellt, es würden sich in Gröpelingen einmal ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mischen. Eines aber habe sich dann im Laufe der Jahre gezeigt: „Studenten kommen noch bis Walle, aber Gröpelingen ist bei denen ‚out’.“ Für die jungen Leute gebe es im Stadtteil einfach keine interessanten Orte oder Treffpunkte, meint Ehrler: „Hier fehlt die Szenekultur. Ursprünglich gab es hier eine proletarische Kultur mit Kneipen. Als später Migranten nachzogen – erst Türken und jetzt Bulgaren – bauten diese jeweils ihre eigenen sozialen Zentren auf.“

Zusätzlich zur Befragung der Bürger auf der Straße waren Eigentümer und Geschäftsleute eingeladen worden, um sich bei einem gemeinsamen Gesdpräch über das Thema auszutauschen. Diese Gelegenheit nahm ein „bunter Mix“ wahr: Aktive Geschäftsleute, ganz neue Inhaber sowie einige „alte Hasen“ waren gekommen. „Das drängendste Problem, hat sich dabei gezeigt, ist das Thema Sauberkeit und Sicherheit“, schildert Stadtteilmanager Lars Gerhardt vom Verein Gröpelingen Marketing. So hätten aktuell mehrere Geschäftsleute mit Drogenmissbrauch und -verkauf unmittelbar vor ihren Türen zu kämpfen. An diesem Thema werde mittlerweile bereits vereinsintern gearbeitet, so Gerhardt.

Was sich bei dem Treffen außerdem zeigte: Den Geschäftsleuten gefällt die Heerstraße im Großen und Ganzen so, wie sie ist. „Das Selbstbildnis ist, was das Bauliche angeht, gar nicht so schlecht“, hat Gerhardt aus ihren Äußerungen herausgehört. Und: Alle beteiligten Geschäftsleute tendierten baulich eher zu dem Schwerpunkt „Viele Kulturen – ein bunter, toleranter Stadtteil“ als zu schicken Glasbauten. Die Bereitschaft, sich mit dem Thema zu beschäftigen, sei jedenfalls vorhanden – wenngleich auch nicht bei allen Ladenbetreibern im Quartier. Der Verein Gröpelingen Marketing bemühe sich aber, möglichst viele von ihnen mit ins Boot zu holen – und habe inzwischen auch türkisch- und bulgarischsprachige Mitarbeiter im Team, um die Kommunikation laufend zu verbessern.

Ist die Heerstraße zu unattraktiv? Wer möchte, kann bis zum 4. Januar über www.groepelingen.de online an der Befragung teilnehmen.

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