Weltlachtag in Bremen Zum Lachen in den Park

Bremen. Manche gehen zum Lachen in den Keller, die anderen in den Bürgerpark. Zumindest am Sonntag ist dies der Ort gewesen, an dem in Bremen so richtig gelacht werden konnte. Denn es war Weltlachtag.
05.05.2013, 05:00
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Zum Lachen in den Park
Von Sabine Doll

Bremen. Manche gehen zum Lachen in den Keller, die anderenin den Bürgerpark. Zumindest am Sonntag war dies der Ort, an dem in Bremen so richtig gelacht werden konnte. Denn es war Weltlachtag.

"Bin ich hier richtig, beim Lachen?", fragt Yvonne Santiago. "Sind Sie, gleich geht’s los." Sabine Heimes-Freesemann ist zufrieden. Sonne und warme Temperaturen haben mehr Menschen angelockt, als sie erwartet hat. Ob sie alle mitmachen – Pardon: mitlachen – werden, da ist sie sich noch nicht ganz sicher. "Viele kommen erst einmal aus Neugierde, wollen sich anschauen, was hier genau passiert", sagt die Bremerin. Sabine Heimes-Freesemann ist Lachtrainerin, leitet seit vier Jahren eine Lachschule. Am ersten Sonntag im Mai – dem internationalen Weltlachtag – lädt sie zum Marcusbrunnen in den Bürgerpark ein.

Ihr Anliegen: "Ich will demonstrieren, wie einfach es ist, auch auf Kommando loszulassen und herzhaft zu lachen", sagt Sabine Heimes-Freesemann. "Denn Lachen ist mehr als lautes Wiehern, Gackern oder Kichern. Lachen ist eine Lebenshaltung und ebenso ein hervorragendes Instrument zu andauernder Stressbewältigung und Entspannung." Allein durch das Hochziehen der Mund- sowie der äußeren Augenwinkel würden im Gehirn Glückshormone aktiviert. Dadurch helle sich die Stimmung deutlich auf, depressive Verstimmungen, Unruhezustände und Ängste könnten sich verbessern.

"Allein 300 Muskeln werden beim Lachen in Aktion versetzt", erklärt die Lachtherapeutin. "Weshalb Lachen auch ein richtiges Training für den Körper ist. Drei Minuten Lachen ist für das Herz wie 15 Minuten Joggen", nennt sie als Beispiel. Durch die extrem vertiefte Atmung würden Blut und Organe optimal mit Sauerstoff versorgt, Verspannungen im Rücken und der Muskulatur lösten sich. "Und das Wesentliche ist, man wird gelassener, nimmt sich und viele andere Dinge nicht zu ernst, kann besser loslassen", sagt Sabine Heimes-Freesemann. Wie gut ihr regelmäßiges Lachtraining tut, hat Christa Ammersbach aus Stuhr erfahren. Seit Oktober geht sie regelmäßig zur Lachyoga-Gruppe von Sabine Heimes-Freesemann. "Mir waren Freude und Fröhlichkeit irgendwie im Laufe des Alltags abhanden gekommen", erzählt sie. "Um mich herum habe ich nur noch grimmige verschlossene Gesichter wahrgenommen, genauso habe ich mich gefühlt." Im Internet hat sie zum ersten Mal gelesen, dass es Lachtraining und -yoga gibt und schließlich nach einem Kurs in ihrer Nähe gesucht. "Am Anfang fand ich das sehr befremdlich, wie die Leute um mich herum auf Knopfdruck losgelacht und dabei Klatschübungen gemacht haben", erzählt sie. "Aber man muss einfach diesen ersten Schritt gehen und dann funktioniert es. Aus dem Lachen auf Kommando, ohne äußerlichen Anlass, wird sehr schnell ein ganz natürliches, mitreißendes Lachen und man spürt regelrecht, wie sich der gesamte Körper entspannt."

Wie gut dies funktioniert, zeigt Christa Ammersbach am Marcusbrunnen. Mit herzhaftem Lachen macht sie bei allem mit und freut sich sichtlich an den Klatsch- und Entspannungsübungen, die sich mit Lachepisoden abwechseln. Mal ist es ein rhythmisches "Ho, ho" und "Hi, hi", das von Sabine Heimes-Freesemann vorgegeben und im Chor nachgelacht wird – mal darf im Freistil gelacht werden.

Die Stimmung wird mit jedem Lacher ausgelassener, und auch diejenigen, die aus Neugierde gekommen sind und zunächst Distanz gewahrt haben, verlieren diese nach und nach. Viele Passanten unterbrechen ihren Sonntagsspaziergang. Neugierig und amüsiert beobachten sie das ungewöhnliche Spektakel, das sich ihnen bietet. Rund 50 Menschen, alt, jung, groß und klein, die sich abklatschen, auf die Schenkel schlagen, die Hände in die Luft strecken und dabei lauthals lachen.

"Man muss sich davon befreien, was andere über einen denken könnten", sagt Yvonne Santiago, die ganz gezielt zu der Aktion am Marcusbrunnen gekommen ist. "Natürlich bleiben Leute stehen und wundern sich, aber das ist ja auch der Sinn der Sache." Yvonne Santiago ist kein Lach-Neuling. Vor zwölf Jahren hat sie schon einmal mit einem Bekannten bei einem Lach-Workshop mitgemacht und will wissen, ob sie auch heute genauso viel Spaß daran hat wie damals – ob sie es noch kann, das Lachen auf Kommando.

Lange dauert es nicht, bis sie den Beweis angetreten hat. Nach der zweiten Übung, als Sabine Heimes-Freesemann zum dreiminütigen Freistil-Lachen auffordert, bei dem man seinem Nachbarn in die Augen schaut, kann sich Yvonne Santiago nicht mehr halten. Ihr Lachen ist deutlich herauszuhören.

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