Ehrenamtliche betreuen Arbeitssuchende in Jobcoachings

Zurück in den Job

Helfen, eine tragfähige Brücke zurück in den Job zu bauen. Das ist das Ziel des Diakonie-Projekts „Arbeit durch Management/Patenmodell“.
28.02.2017, 21:14
Lesedauer: 3 Min
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Von LISA URLBAUER
Zurück in den Job

Reiner Brünings - GIB - Gemeinsam in Bremen

Christina Kuhaupt

Helfen, eine tragfähige Brücke zurück in den Job zu bauen. Das ist das Ziel des Diakonie-Projekts „Arbeit durch Management/Patenmodell“. Ehrenamtliche Jobpaten setzen ihr eigenes berufliches Wissen und Know-how ein und betreuen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, auf dem Weg in die Selbstständigkeit oder bei Weiterqualifizierungen.

Reiner Brünings ist Angestellter in einem Unternehmen der Informationstechnologiebranche, arbeitet als Berater und Projektleiter und unterstützt Kunden und Firmen in der Anwendung von betriebswirtschaftlichen Softwares. Der Hinweis einer guten Bekannten habe ihn auf die Initiative aufmerksam gemacht. „Ich habe mich zu der Zeit sowieso viel mit Coaching und Supervision beschäftigt“, erzählt der 52-Jährige. „Es klang gut, mich in diesem Projekt zu engagieren und Gutes zu tun.“ Mittlerweile engagiert Brünings sich seit 2013 freiwillig in der Initiative.

Als Koordinatorin der sogenannten „Jobbrücke“ unterstützt Petra Fuhrmann die Paten. Sie kümmert sich dabei um neue Freiwillige, organisiert Weiterbildungen über Fachvorträge und Praxisberichte und vernetzt die Engagierten mehrmals im Jahr bei Treffen.

Um Jobpate werden zu können, müssen gewisse Voraussetzungen stimmen, erklärt Fuhrmann. „Wenn wir Paten neu akquirieren, müssen sie Vorbildung in der Personalführung haben.“ Ehrenamtliche in der „Jobbrücke“ sind Führungskräfte, Personalprofis oder Coaches.

Das Patenmodell ist ein kostenloses Angebot, das sich an Arbeitssuchende mit oder ohne Migrationshintergrund und auch an Menschen mit Behinderung richtet. Sie können bereits seit längerem oder in absehbarer Zeit arbeitssuchend sein. Dabei reicht die Bandbreite von Menschen ohne Ausbildung bis hin zu Akademikern, sagt Brünings. „Frauen nach der Babypause wieder einzugliedern ist auch ein wichtiges Thema“, ergänzt Fuhrmann. Arbeitssuchende können sich online bewerben und werden in eine Datenbank aufgenommen, aus der die Jobpaten dann auswählen. Es sei sehr wichtig, dass es passt, erklärt Fuhrmann. „Wir haben eine Eins-zu-Eins-Betreuung.“

Wichtig sei es, keine falschen Erwartungen zu wecken, sagt Brünings. „Wir machen keine Jobvermittlung.“ Hilfe zur Selbsthilfe laute das Motto. Wie die Betreuung genau aussieht, variiert: Jeder Pate und jedes Jobcoaching ist individuell. Wichtigste Voraussetzung dabei: Die Arbeitssuchenden müssen motiviert sein. In der Regel dauert eine Patenschaft zwischen sechs und zwölf Monate – aber auch darüber hinaus ist Unterstützung möglich.

Kern des Coachings durch Brünings ist es, mit den Ressourcen der Menschen zu arbeiten: Er zieht nicht nur die typische ­Profilbetrachtung wie den Werdegang und die sogenannten Soft Skills heran, sondern legt großen Wert darauf, das Gesamtbild zu erkennen. „Was sind die besonderen Interessen meines Klienten? Welche Werte stecken dahinter?“ Mit verschiedenen Werkzeugen und Methoden gehen Pate und Arbeitssuchender diesen Fragen auf den Grund.

Dabei geht Brünings immer lösungsorientiert vor. Viele Menschen neigen dazu, in die Vergangenheit zu blicken, Fehler und Schwächen zu suchen. Brünings möchte Potenziale herausfinden „Wir gucken immer nach vorne und legen den Fokus auf das Jetzt und auf die Zukunft.“

Nicht jeder Arbeitssuchende nehme den ganzen Coachingprozess wahr. „Mal ist es mehr ressourcenorientiert, mal geht es darum, ein Bewerbungstraining zu machen und Strategien aufzustellen“, sagt Brünings. Ideales Ende einer Patenschaft sei, den Arbeitssuchenden in einen Job, die Selbstständigkeit oder Weiterqualifizierungen zu begleiten, sagt Fuhrmann. Manchmal sei der Coachingprozess aber auch abgeschlossen, der entsprechende Job allerdings noch nicht verfügbar.

Neben der „Jobbrücke“ bietet die ­Initiative noch eine zweite Säule an, in der Ausbildungspaten Haupt- und Realschülern ab der 8. Klasse Berufsorientierung und Ausbildungsbegleitung bieten. Nachhilfelehrer verbessern mit individueller Unterstützung die Ausbildungschancen der Jugendlichen. Insgesamt engagieren sich 120 Ehrenamtliche in Bremen und Bremerhaven als Paten, Nachhilfelehrer und Supervisoren.

1999 ist die bundesweite Initiative gestartet. Ursprünglich stammt die Idee aus den Niederladen, wo sich in einem ähnlichen Beratungsprojekt Führungskräfte ehrenamtlich für die Integration von Flüchtlingen durch Arbeit engagierten. Mittlerweile gibt es deutschlandweit 78 Standorte des Diakonie-Projektes.

Die Gründe für ein Engagement im Patenmodell seien vielfältig, sagt Fuhrmann. Menschen möchten sich im Gemeinwohl engagieren, etwas Sinnvolles tun und ihr Wissen weitergeben. „Als Jobpate muss man daran Freude haben, sich zu engagieren“, sagt Brünings. „Was mich motiviert, ist die Entwicklung zu sehen. Anfangs sind die Klienten stark verunsichert – und dann sehe ich, wie sie sich im Prozess entwickeln.“

Wer sich für das „Arbeit durch Managment/Patenmodell“ in Bremen und Bremerhaven interessiert, kann sich direkt an das Projektbüro wenden unter Telefon 04 21/163 84 25 oder per E-Mail an bremen@patenmodell.de.
"Wir gucken immer nach vorne.“ Reiner Brünings
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