Weihnachtsmarkt in Bremen

Zwangspause wegen "Alexandra"

Der Bremer Weihnachtsmarkt ist am Freitagnachmittag dann doch wieder geöffnet worden. Damit war auch die Licht- und Lasershow am Abend auf dem Markplatz gerettet.
12.12.2014, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Zwangspause wegen
Von Anke Landwehr
Zwangspause wegen "Alexandra"

Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz mit Licht- und Lasershow: Die Domfassade in Farbe getaucht.

Frank Thomas Koch

Die Buden auf den Bremer Weihnachtsmärkten hatten gestern gerade geöffnet, da mussten sie auch schon wieder schließen. Das Stadtamt fürchtete, Sturmtief „Alexandra“ könnte Aufbauten und Deko durch die Luft wirbeln und so Passanten in Gefahr bringen. Kurz vor 15 Uhr wurde aber Entwarnung gegeben. Damit war auch die Licht- und Lasershow am Abend auf dem Markplatz gerettet.

„Granate“, sagt Jörg Ostermann. Der Mann aus Cloppenburg hat Hunger, er möchte ein Steak. Kriegt er aber nicht. „Tut mir leid“, bedauert Magdalena Filipczak. Die Verkäuferin von Kräutersteaks und oberbayerischer Bauernbratwurst sitzt am Rande eines riesigen Grills, unter dem ein Feuer lodert. Es ist schummrig in der runden Bude, die Öffnungen sind mit Bretterwänden verschlossen. Durch Ritzen entweichen Rauchschwaden. Jörg Ostermann ist von ihnen angelockt worden und hat einen Spalt entdeckt, durch den er nun fragend seinen Kopf steckt. „Sturmwarnung. Wir mussten dichtmachen“, hört er, guckt ungläubig und stöhnt: „Granate“.

Es war gegen 10.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Öffnung des Weihnachtsmarktes auf dem Marktplatz und des Schlachtezaubers, als die Standbetreiber die Aufforderung erhielten:„Alles schließen und sichern.“ Das Sturmtief „Alexandra“ war zu unberechenbar, als dass die Behörden ein Risiko eingehen wollten. „Das Problem sind diese viele kleinen Teile an den Buden, die sich lösen und durch die Gegend fliegen können“, so Marita Wessel-Niepel, Leiterin des Stadtamtes.

Karin Fertig, Betreiberin eines Fischimbisses, und ihr Mitarbeiter Ewald Meyerdierks stehen auf den Stufen des Kinderkarussells in der Mitte des Marktplatzes. Zwangspause. Die beiden unterhalten sich mit zwei jungen Polizisten, die ein Auge darauf haben, dass niemand die Flatterbänder missachtet, die die Zugänge zum Weihnachtsmarkt versperren. Regen prasselt auf das Kopfsteinpflaster. Hoffentlich verzieht sich „Alexandra“ bald, meint Fertig.

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Auf den Bremer Weihnachtsmarkt, sagt die Unternehmerin, könne aus ihrer Branche niemand mehr verzichten. Hier werden Einnahmen erzielt, von denen sie auf Jahrmärkten nur noch träumen können. „Die Leute haben ja immer weniger netto vom brutto.“ An diesem Tag nun müssen die Standbetreiber wegen des Sturmtiefs auf das Mittagsgeschäft verzichten. Dann und abends werden die besten Umsätze gemacht. „Nützt ja nix, die Sicherheit geht vor“, sagt Ewald Meyerdierks.

Seine Chefin schwingt die Hüften: „Ich versuch’s mal mit dem Sonnentanz.“ Passanten umrunden fröstelnd und fragend das Tabu-Terrain: „Warum ist das hier denn alles zu?“ Fertig denkt an die für abends angekündigte Licht- und Lasershow. „Das wäre ärgerlich, wenn die ausfällt. Da fragen uns die Leute schon seit Tagen nach.“

Auf dem Domshof räumen die Wochenmarkthändler ihre Waren zusammen. „Zwei nette Polizisten haben uns um zwölf gesagt, wir sollten sofort einpacken“, berichtet Silke Krause. Die Obst- und Gemüsehändlerin hat Verständnis: „Planen und sogar Dächer könnten durch die Luft fliegen. Das wäre viel zu gefährlich.“

Schräg gegenüber der Krupke-Geflügelstand. Mitarbeiter Heinz Gentgen und seine Kollegen klappen die letzten Läden herunter. Sie wollen schnell los, vor dem Sturm zu Hause sein in Bockhorn. Der Verkaufswagen, ein Riesengeschoss, wäre für „Alexandra“ eine sichere Beute. „Über die Huntebrücke bei Oldenburg fahren wir heute nicht zurück, da ist es immer besonders windig“, sagt eine Verkäuferin.

Die Domuhr zeigt 13.35 Uhr an. Axel Lindemann, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Innenstadt, und ein Kollege stehen auf dem Marktplatz vor dem schiefen Weihnachtsbaum von Bremen. Wird er dem angekündigten Sturm standhalten? „Das können wir im Augenblick nicht abschätzen“, sagt Lindemann. Experten von der Bauordnung werden hinzugezogen. Sie sagen, dass der Baum fest verankert sei. Keine Gefahr.

Eine gute Stunde gibt die Innenbehörde Entwarnung: Die Weihnachtsmärkte können wieder öffnen, auch in Vegesack und an der Waterfront. Menschen fluten den Marktplatz. Um 18 Uhr beginnt die an diesem Abend erste von drei Illuminationen des Domes, über dessen Fassade Laserstrahlen die Stadtmusikanten und den Weihnachtsmann huschen lassen, mal flattern Sterne im farblich wechselnden Licht empor, mal werden die Turmfenster umrahmt. Und niemand denkt mehr an den 5. Dezember 2013. Damals fiel der Weihnachtsmarkt einen kompletten Tag aus: Einen Tag vor Nikolaus verhagelte Orkan „Xaver“ Standbetreibern und Besuchern die gute Laune.

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