Spenden pro Höhenmeter

Zwei Bremer auf dem Kilimandscharo

Die Bremer Tjalf Hoyer und Nicolas Scheidtweiler haben den Kilimandscharo bestiegen, um Spenden für die Hilfsorganisation German Doctors zu sammeln. Ein Anstieg, der zum mentalen Kraftakt wird.
06.02.2018, 18:37
Lesedauer: 4 Min
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Zwei Bremer auf dem Kilimandscharo
Von Pascal Faltermann
Zwei Bremer auf dem Kilimandscharo

Geringer Sauerstoffdruck und Kälte machten den Anstieg zu einem körperlichen und mentalen Kraftakt.

7summits4help / Nicolas Scheidtweiler

Schlaflosigkeit, kein Appetit, Durchfall, Kurzatmigkeit – und trotzdem ging es immer weiter nach oben, Schritt für Schritt. Es sind Symptome, die bei der Höhengewöhnung auftreten. Der Werder-Botschafter und Sänger der Band Afterburner, Tjalf Hoyer, durchlebte diese Herausforderungen beim Anstieg zum Gipfel des Kilimandscharo, als er zusammen mit Nicolas Scheidtweiler und weiteren Mitstreitern das höchste Bergmassiv Afrikas Anfang des Jahres bestieg. Das alles für einen guten Zweck – um über das Projekt „7summits4help“ Spendengelder für die Hilfsorganisation German Doctors zu sammeln.

Arme und Beine wurden schwer, die Luft immer knapper. Und je mehr sich die Bergsteiger dem Gipfel des 5895 Meter hohen Kilimandscharo näherten, desto kälter wurde es. Um bei der Kälte möglichst lange aus der Trinkblase des Rucksacksystems trinken zu können, sei es wichtig, das Wasser immer wieder aus dem Schlauch zurück zu blasen, ansonsten friere der Zulauf in wenigen Minuten ein, erklärt Scheidtweiler. Irgendwann half aber auch dieser Trick nicht mehr – und der Schlauch war dicht.

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„Ich war unglaublich mit mir selbst beschäftigt, auf mich selbst bezogen“, sagt Hoyer rückblickend. „Jeder beschäftigt sich irgendwann nur noch mit sich selbst“, bestätigt Nicolas Scheidtweiler. Hohe Berge zu besteigen, bringe einen körperlich ans Limit. Dann werde es zu einer Reise zu sich selbst.

Der Aufstieg, der am ersten Tag am Fuße des Kilimandscharo bei gut 30 Grad startete, mündete am sechsten Tag in Minusgraden, Wind und Schnee. Der letzte Abschnitt von der Kibo-Hütte zum Gipfel startete bereits in der Nacht. Je nach Schritttempo des Einzelnen begannen die Bergsteiger mit dem Anstieg. Wichtig sei es, den eigenen Rhythmus zu finden, erklärt Scheidtweiler.

Nicolas Scheidtweiler besuchte Kinder im Mathare Valley, einem der ältesten Slums in Nairobi, wo die German Doctors arbeiten.

Nicolas Scheidtweiler besuchte Kinder im Mathare Valley, einem der ältesten Slums in Nairobi, wo die German Doctors arbeiten.

Foto: 7summits4help / Nicolas Scheidtweiler

Hoyer bewegte sich um 0.30 Uhr aus dem Schlafsack in die Kälte und startete um 1 Uhr, der erfahrenere Bergbesteiger Scheidtweiler brach eine Stunde später auf. „Als ich aus dem Zelt schaute, sah ich eine vom Mond erleuchtete, verschneite und atemberaubende Landschaft“, beschreibt Scheidtweiler. Die letzte Etappe musste in der Nacht starten, da am gleichen Tag noch der Abstieg begonnen wurde, um von 5900 Metern wieder auf 4700 Meter im Zwischenlager und schließlich auf 3700 Meter runter zu kommen.

Ein mentaler Kraftakt

„Körperlich ist das für einen gut trainierten Menschen machbar, aber es ist auch ein mentaler Kraftakt“, sagt Hoyer. Er habe sich immer wieder bestimmte Dinge ins Gedächtnis gerufen, die ihn motivieren und antreiben sollten. Denn: Je niedriger der Sauerstoffdruck mit steigender Höhe werde, desto langsamer seien die Bewegungen, Worte und Gedanken. Motivierende Gespräche und das Nachdenken fielen dann schwer, betont der Bremer.

„Das Teambuilding ist beim Bergsteigen ein wichtiger Prozess“, sagt Scheidtweiler. Denn natürlich komme es auch zu Konflikten in der Gruppe. Hoyer und Scheidtweiler, die sich ein Zelt teilten, kamen aber bestens miteinander klar, wie beide betonen.

Auf dem mit Schnee bedeckten Gipfel des Kilimandscharo musste natürlich auch ein Foto gemacht werden.

Auf dem mit Schnee bedeckten Gipfel des Kilimandscharo musste natürlich auch ein Foto gemacht werden.

Foto: 7summits4help, Nicolas Scheidtweiler

Insgesamt waren in der Gruppe mit den beiden Bremern und ihren vier Teammitgliedern 24 Personen unterwegs. Darunter Bergführer, Köche, Träger für das Gepäck oder Spezialisten für die Zelte und Toiletten. Dennoch fällt den beiden Norddeutschen auf, dass am Berg nicht besonders auf Nachhaltigkeit und Müllentsorgung geachtet wird. Umweltschutz sei in Tansania ein noch ausbaufähiges Thema – und so blieben Plastik oder Zigarettenkippen schon mal im Nationalpark liegen.

Unmittelbar nach der Bergbesteigung ging es für das Team nach Nairobi, in die Hauptstadt Kenias. „Von der größten Höhe auf die unterste Stufe. Das war psychisch nicht so ganz leicht zu verarbeiten“, sagt Hoyer. Auch als er längst wieder in Deutschland war, habe er noch eine Woche gebraucht, um wieder ganz bei sich zu sein.

Spendengelder für medizinische Projekte

Unter der Überschrift „Seven Summits for Help“ sammelt Scheidtweiler gemeinsam mit der Hilfsorganisation German Doctors Spendengelder für medizinische Projekte weltweit. Die Spenden, die für jeden Höhenmeter beim Besteigen des Kilimandscharo gesammelt werden, gehen an Hilfsprojekte in Afrika. In den Slums von Nairobi in Kenia herrschen Mangelernährung und Infektionskrankheiten. Im Slum Mathare Valley machten sich die Bremer selbst ein Bild von der Arbeit der Ärzte, die dort ein „hohes Ansehen“ genießen, so Scheidtweiler. Die German Doctors würden eine wichtige soziale Funktion einnehmen. Durch die medizinische Versorgung, gesunde Ernährung und Bildung werde den Bedürftigen geholfen.

Tjalf Hoyer (l.) und Nicolas Scheidtweiler beim Abstieg vom Basislager auf dem Kilimandscharo.

Tjalf Hoyer (l.) und Nicolas Scheidtweiler beim Abstieg vom Basislager auf dem Kilimandscharo.

Foto: 7summits4help / Nicolas Scheidtweiler

„Trotz der bittersten Armut, strahlen die Menschen in dem Slums eine ungemeine Lebensfreude aus“, sagt Hoyer. Es sei alles bunt gewesen und überall sei Musik zu hören. Natürlich ging der Werder-Botschafter auch auf einen Fußballplatz.

Durch eine Spende unterstützt das Projekt die German Doctors dabei, ihre medizinische Arbeit in Kenia fortzusetzen. „Jeder kennt den Kilimandscharo, er ist einer der bekanntesten Berge“, sagt Scheidtweiler. Daher sei es vielleicht etwas einfacher gewesen, dieses Mal Spenden zu sammeln. Zudem sei das Hilfsprojekt sehr naheliegend gewesen.

Scheidtweilers Ziel mit dem Spendenprojekt „7summits4help“ ist es, die sieben höchsten Berggipfel der sieben Kontinente zu besteigen. Weihnachten 2016 war er auf Expedition in Südamerika. Für sein Projekt stieg er auf den 6962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien. Als nächstes will er den Gipfel der Carstensz-Pyramide erreichen, mit einer Höhe von 4884 Metern der höchste Berg Ozeaniens. Er liegt in Neuguinea, Indonesien.

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