Eckhoff und Bücking über Wirtschafts- und Umweltpolitik Zwei, die gerne Tacheles reden

Jens Eckhoff kandidiert nach acht Jahren Pause am 10. Mai wieder für die Bürgerschaft – für Robert Bücking ist es das erste Mal. Beide gehören zu dem Politiker-Typ, der sich nicht scheut, auch die eigenen Partei inhaltlich zu fordern.
12.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Zwei, die gerne Tacheles reden
Von Wigbert Gerling

Ex-Senator Jens Eckhoff (CDU) kandidiert nach acht Jahren Pause am 10. Mai wieder für die Bürgerschaft – für Ex-Ortsamtsleiter Robert Bücking (Grüne) ist es das erste Mal. Beide gehören zu dem Politiker-Typ, der sich nicht scheut, auch die eigenen Partei inhaltlich zu fordern. Wigbert Gerling sprach mit Jens Eckhoff und Robert Bücking.

Ein ehemaliger Bausenator der CDU und vielleicht ein künftiger der Grünen – was motiviert Sie zum Wiedereinstieg oder Neueinstieg in die Landespolitik?

Robert Bücking:

Ach herrje. Das dürfte die Hoffnung sein, dass man sich nützlich machen kann. Nach 20 Jahren politischer Arbeit an der Nahtstelle zwischen Staat und Bürgern hänge ich mit jeder Faser an dieser Stadt. Ich glaube, wir Grüne werden gebraucht in Regierung und Parlament. Und was die Karriere angeht: Falls ich Bausenator werden sollte, wird Jens Eckhoff mein Windbeauftragter. Beides ist ungefähr gleich wahrscheinlich.

Sie meinen Windkraftbeauftragter?

Nee: Windbeauftragter. Vielleicht: Starkwindbeauftragter.

Herr Eckhoff, würden Sie dieses Amt annehmen?

Ich betrachte eine solche Anmerkung des geschätzten Herrn Bücking als kleine Stichelei. Ich freue mich auf die politische Auseinandersetzung – und da gehört so etwas doch dazu. Wer wann Wind- und wer Windkraftbeauftragter wird, das bleibt abzuwarten.

Könnte es nicht als spätes Auftrumpfen politisch Altgedienter abgetan werden, wenn Sie beide nun antreten, um ein Parlamentsmandat zu erringen?

Robert Bücking:

Je länger ich mir die Arbeit im Parlament aus der Nähe anschaue, desto größer ist mein Respekt vor dieser Aufgabe. Es ist ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen, in der Bürgerschaft die öffentlichen Angelegenheiten voran zu bringen.

Jens Eckhoff:

Meine Biografie zeigt, dass ich politische Erfahrung in die Waagschale werfen kann. Inzwischen hatte ich acht Jahre Pause. Das hat mir ganz gut getan, aber jetzt bin ich wieder motiviert, im Parlament die Themen für Bremen voranzubringen.

Robert Bücking:

Was will dieser Mann in der dritten Reihe?

Wenn ich hier Herrn Bücking ausnahmsweise interpretieren darf: Der grüne Parlamentskandidat meint bestimmt, dass Sie, Herr Eckhoff, bereits CDU-Fraktionschef und Senator waren – da käme als nächstes jetzt eigentlich Bremer Bürgermeister.

Jens Eckhoff:

Es freut mich, dass Sie mir das zutrauen. Aber zu den Themen. Ein Beispiel: Im Jahr 2025 wird sich die städtische Logistik völlig anders darstellen als heute. Es wird weniger Autos geben, aber immer noch viele – und die werden teilweise von Computern gesteuert. Gerade eine Autostadt wie Bremen muss sich frühzeitig darauf einstellen, dass eine neue Form von Mobilität organisiert wird. Da müssen wir den Trend setzen. Bremen leistet einen viel zu kleinen Beitrag

Robert Bücking:

Top! Dass die internetbasierten Technologien ganz neue Möglichkeiten bieten, innerstädtische Verkehrsströme zu steuern, und die verschiedenen Transportmöglichkeiten zu verknüpfen, beflügelt die schönsten Fantasien Das könnte auch Luft verschaffen für die Entwicklung der Innenstadt – ohne Umweltzone und ohne Hochstraße. Wie schnell das geht, wird sich zeigen. Den Datenschutz müssen wir erst nehmen. Das gute ist, es gibt sehr innovative Unternehmen in der Stadt mit viel Erfindergeist.

Weniger Autos? Klingt da ein bisschen der Grünen-Anteil des Christdemokraten Jens Eckhoff durch?

Jens Eckhoff:

Unsinn. Richtig ist, dass die CDU keine starre Partei ist, und ich bin dafür, dass wir auch in gesellschaftlichen Bereichen inhaltlich fit sind, die früher nicht typisch waren für die CDU. Auf der anderen Seite hoffe ich auch schon lange, dass die Grünen ihren Beitrag leisten, wenn es gilt, Themen zu bearbeiten, die der Wirtschaft in Bremen dienen. Immer nur Fahrradwege bauen und auf Bremen als Logistikstandort pfeifen, das geht nicht.

Könnte Sie sich, Herr Bücking, mit dem geforderten Engagement für die Verkehrswirtschaft anfreunden?

Bremen ist Hafenstadt und ein Zentrum der Logistik. Davon leben wir. Da will und muss die Stadt erfolgreich sein. Die Integration der Weltwirtschaft halten wir Grünen nicht auf. Also geht es darum, die Sache so ressourcenschonend, effizient und verträglich wie möglich zu organisieren. Die gewaltigen Transportströme können nicht durch das Herz der Stadt geschleust werden. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Wohngebiete an den Schienen. Deshalb brauchen wir ein Bündnis aus Hafenwirtschaft und Stadtbürgern für Umgehungsstrecken und leise Züge. So könnte es gelingen, dass die Wirtschaft zu ihrem Recht kommt und die Leute trotzdem gut schlafen.

Zufrieden, Herr Eckhoff?

Das sagt der Herr Bücking. Aber bei den Grünen insgesamt vermisse ich nach wie vor, dass sie sich nicht nur kräftig ins Zeug legen, wenn eine Ampel installiert oder ein Radweg verbreitert werden soll. Das ist alles o.k., aber kleinteilig mit Trend zu reiner Showpolitik. Immer wieder zeigt sich, dass bei den Grünen der Pragmatismus ausgeschaltet wird und Dogmatismus den Vorrang hat – insbesondere, wenn es um das Auto geht. Ich verweise hier zum Beispiel auf den Ausbau der Autobahn 281. Da verfolgen die Grünen ein Verkehrsbehinderungsprogramm. Oder: Wie wäre es, wenn die Partei sich einmal ernsthaft mit Forderungen der Handelskammer beschäftigt. Zum Beispiel mit dem Hinweis, dass der Regierungschef in Bremen keine Richtlinienkompetenz und damit kraft Amtes die politische Richtung nicht vorgeben kann.

Robert Bücking:

Das ist ja interessant, dass man von der CDU auf die Handelskammer angesprochen wird. Es gibt Gerüchte, dass Christdemokraten dort eher mit spitzen Fingern angefasst werden.

Jens Eckhoff:

Die Grünen vernachlässigen ja nicht nur den Autoverkehr, sondern auch Bahnen und Busse.

Robert Bücking:

Schade, dass Jens Eckhoff, der als Senator schmerzhaft erfahren musste, wie mühsam das alles ist, die Dinge nun lieber schlicht darstellt.

Jens Eckhoff:

Man muss erwarten, dass immer parallel auch neue Trassen oder Ergänzungen im Schienennetz geplant werden. Das hat das grün-geführte Verkehrsressort nicht geschafft.

Wenn man das so hört, dann liegt ein schwarz-grünes Bündnis in weiter Ferne.

Robert Bücking:

So ist die Lage. Die zerstrittenen schwarzen Alphatiere verstecken sich mangels Erfolgsaussichten hinter Frau Motschmann. Da sind die Prognosen für eine moderne CDU-Großstadtpartei in Bremen natürlich mau. Jens Eckhoff hat noch viel Arbeit vor sich, oder?

Jens Eckhoff:

Elisabeth Motschmann hat gesagt, dass sie gelernt hat. Und das ist auch so. Das höre ich überall. Ich finde, sie macht das gut. Das Problem ist die grüne Finanzsenatorin Karoline Linnert. So lange an dieser Stelle im Senat eine grünlackierte Sozialdemokratin sitzt, wird das mit uns nichts.

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