„Deutschland spricht“ in Bremen

Zwei Frauen und die Flugsteuer

Juliane Reichard und Martina Röhrich haben beim Thema „Besteuerung von Flügen“ eine andere Meinung. Dennoch verlief ihr Gespräch respektvoll. Ein Protokoll.
30.10.2019, 20:12
Lesedauer: 2 Min
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Zwei Frauen und die Flugsteuer
Von Frieda Ahrens
Zwei Frauen und die Flugsteuer

Haltung zeigen: Rechtsanwältin Juliane Reichard (links) und Wirtschaftswissenschaftlerin Martina Röhrich wurden durch den Algorithmus der Aktion "Deutschland spricht" zusammen gebracht.

Frank Thomas Koch

Es ist 12.30 Uhr. An einem Tisch in der Überseestadt sitzen Martina Röhrich, Ökonomin, 57 Jahre alt, und Juliane Reichard, Rechtsanwältin, 39. Die beiden Frauen machen bei der Aktion „Deutschland spricht“ mit. Dafür haben sie online sieben Fragen zu unterschiedlichen Themen beantwortet. Einig waren Sie sich augenscheinlich nur bei einer Frage: „Nein, Frauen haben in Deutschland noch nicht die gleichen Chancen“. Das Gespräch lief dennoch sehr harmonisch, man hätte die Fragen verschieden ausgelegt und die Meinungen wären dann doch nah bei einander.

Die Frage „Sollten Flugreisen stärker besteuert werden?“ haben die beiden unterschiedlich beantwortet und darüber diskutiert.

Juliane Reichard: Ich habe gesagt, dass Flüge nicht höher besteuert werden sollen. Ich finde es ganz wichtig, dass man Klimaschutz jetzt wirklich anpackt, dazu gehört für mich auch über Inlands- und Urlaubsflüge nachzudenken. Aber mein Ansatz wäre, das Ganze nicht auf dem Rücken des Endverbrauchers auszutragen. Eine globalisierte Welt lebt davon, dass sich auch Menschen mit geringem Einkommen Flüge leisten können. Deswegen sollten die Unternehmen verpflichtet werden, nach alternativen Antrieben zu forschen.Oder man plant Flugrouten anders – im Detail habe ich mich nicht damit auseinandergesetzt. Aber man sollte da ansetzen, wo auch das Geld ist.

Martina Röhrich: Okay. Mein Gedanke war ein ökonomischer Ansatz. Wir haben beim Umweltschutz keine Eigentumsrechte zugewiesen: Wir nutzen die Umwelt einfach gratis. So entsteht keine Lenkung durch Preismechanismen, normalerweise reagieren wir alle ja auf Preise. Sowohl Konsumenten als auch Unternehmen mit ihren Investitionen. Mein Gedanke war, dass eine CO2-Steuer generell lenkende Funktionen hat. Die Flugsteuer ist ein Teil einer CO2-Steuer. Ich habe das im globalen Kontext gesehen. Die Lenkungssteuer will Preise teurer machen und sie will, dass die Menschen sich anders verhalten. Alle natürlich, nicht nur die, die du jetzt ansprachst. Es muss natürlich in einem großen Gesamtkonzept stehen, sodass nicht der Eindruck entsteht, dass man einzelne Bevölkerungsgruppen benachteiligt.

Reichard: Wobei du da ja grundsätzlich auf die CO2-Steuer gehst und nicht auf eine Konsum- oder Flug-Steuer.

Röhrich: Die Umweltdebatte wurde bisher vor allem von Naturwissenschaftlern geführt. Dadurch gibt es eine alarmistische Sprache, die Menschen ermüdet und entmutigt. Wenn man das teilweise liest, hat man das Gefühl, das Meer sei sowieso bald so hoch angestiegen, dass wir in Bremen ertrinken würden.

Reichard: Die resignierende Einstellung, es sei egal, was wir machen, weil es eh zu spät ist, halte ich für nicht gut.

Röhrich: Also würde ich mir wünschen, dass auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler in die Debatte einsteigen, dass wir nach neuen Gesellschaftsmodellen suchen. Wir leben in einer Gesellschaft, die uns Wohlstand gebracht hat, in der wir uns wohl fühlen. Gleichzeitig wissen wir, dass die Umwelt nicht hinreichend geschützt wird. Wir fühlen uns schlecht, weil wir Flüge buchen, tun es aber trotzdem...

Reichard: ...sparen vielleicht einen Monat länger, wenn eine CO2-Steuer kommt. Die Menschen würden trotzdem ihr Urlaubsziel anfliegen und dann einfach an anderen Dingen sparen. Die Steuer verfehlt dann ihren Zweck, deswegen sehe ich das kontrovers. Aber ich finde den Ansatz gut, dass Ökonomen einbezogen werden sollten.

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