Die Chorformation „Northern Spirit“ aus dem Waller Steffensweg war bei Festival in Riga erfolgreich

Zwei Goldmedaillen abgeräumt

„Northern Spirit“ gewinnt zwei Goldmedaillen in Riga
21.09.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer
Zwei Goldmedaillen abgeräumt

Der Chor Northern Spirit während der European Champion Competition in Riga.

Picasa und Brendan Wiseman, Brendan Wiseman

Steffensweg. Wenn Jaret Choolun von seiner Arbeit als Leiter des Chores „Northern Spirit“ erzählt, dann funkeln seine dunklen Augen vor Begeisterung. Es ist auf Anhieb zu spüren, wie sehr er die Musik mit Leidenschaft lebt und liebt. Und diese Passion, die der Wahl-Findorffer mit seinem Kammerchor teilt, wurde im Sommer in Bremens Partnerstadt Riga bei einem Chorfestival gleich doppelt belohnt. Choolun und sein Chor räumten gleich zwei Goldmedaillen ab, bei den European Choir Games und dem Grand Prix of Nations.

„Das war schon ziemlich aufregend, als wir spät am Sonnabend benachrichtigt wurden, dass wir am Sonntag nun auch beim ‚Grand Prix of Nations‘ antreten sollten. Da hatten wir gerade abends draußen in der Nähe von Riga ein Konzert gegeben und auch auf der Rückfahrt im Bus noch viel gesungen. Dann sind wir aber doch zeitig ins Bett gegangen, weil wir am Sonntagmorgen schon wieder um 8 Uhr früh antreten mussten“, erzählt der Chorleiter. „Wie es für uns überhaupt eine sehr schöne, neue Erfahrung war, auch zwei Konzerte draußen zu geben. An dem Sound muss man schon hart arbeiten im Vergleich zu den Konzerten, die man im Saal gibt“, bilanziert Jaret Choolun.

Wie die Mitglieder von „Northern Spirit“ überhaupt begeistert und beeindruckt von der Gesangskultur in Riga waren. „Da haben sich so um die 1500 Leute im Park zusammengefunden, um einfach mal so gemeinsam Volkslieder zu singen“, erzählt Choolun. Wie überhaupt das Singen in Nordeuropa eine wichtige Rolle spielt, nicht nur in den baltischen Staaten, sondern auch in Schweden wird gern und oft gemeinsam in der Öffentlichkeit gesungen. Bei dem Chorfestival in Riga trugen sie der Jury fünf Stücke vor – das „Nachtlied“ aus Max Regers „Acht geistlichen Gesängen“, „Dieu! Qu‘il la fait bon regarder“ von Claude Debussy, das sakrale Werk „Pane Lingua“ von György Orban sowie das von Choolun arrangierte australische Volkslied „Botany Bay“. Ein besonderes Lieblingsstück des Chorleiters ist das „Abendlied“ von Josef Rheinberger.

Jaret Choolun schmiedet indes mit „Northern Spirit“ schon die nächsten Pläne: Im Herbst spielen sie im Sendesaal Bremen ihre erste CD ein. Zu hören sein wird zeitgenössische, klassische Chormusik, aber auch weihnachtliche Musik und eine Eigenkomposition von Jaret Choolun: „Nightflight“, die er 2010 für „Northern Spirit“ geschrieben hat. Beschrieben wird, wie Himmel und Meer sich ineinander spiegeln. „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Qualität zu verbessern und den Klang unseres Chores weiter zu professionalisieren“, resümiert Jaret Choolun.

Das Musizieren im Chor hat er von jeher geliebt. Schon im zarten Alter von vier Jahren entdeckte er diese Leidenschaft. Parallel besuchte er Musikklassen. Mit sechs Jahren sang er dann bereits in Brisbane im Kinderchor des Konservatoriums. Die Liebe zur Musik wurde Jaret Choolun quasi in die Wiege gelegt, schon die Mutter sang gern. Er und seine zwei Jahre ältere Schwester Nicole bekamen Klavierunterricht. Am Queensland Conservatorium studierte er Komposition und schrieb als leidenschaftlicher Sänger diverse Werke für Chöre, Solisten, Instrumentalquartette, aber auch für Theater- und Filmproduktionen. 2009 lernte Choolun dann seinen australischen Komponisten-Kollegen Gordon Hamilton kennen, der drei Jahre zuvor den Kammerchor „Northern Spirit“ gegründet hatte. In den Jahren 2010/2011 unternahmen beide Chorleiter mit ihren Formationen Reisen in das Land des jeweils anderen und gaben in Bremen auch ein gemeinsames Konzert. Als Gordon Hamilton endgültig zurück nach Australien ging, um die Leitung des Chores „Australian voices“ zu übernehmen, in dem Jaret Choolun zuvor gesungen hatte, wurde Choolun 2012 schließlich sein Nachfolger bei „Northern Spirit“. Der Wechsel nach Deutschland war ein großer Schritt für den jungen australischen Dirigenten, Komponisten und Chorleiter: „Ich musste mich an die neue Kultur und die neue Sprache erst gewöhnen“, blickt er zurück. Doch inzwischen ist er voll und ganz angekommen.

Der Chor „Northern Spirit“ probt jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr in Walle, und zwar in der Galerie One, two, three, Steffensweg 123. Neue Mitglieder, die nicht älter als 35 Jahre sein sollten, sind willkommen.

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